gut in Beziehung

gut in Beziehung

Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich willkommen bei Gut im Beziehung. Heute nehme ich dich mit auf eine

weitere Runde durch den Wald. Ich bin gerade in der Nähe von Lübden. Es ist gleich um die

Ecke von meinem Wohnort. Rechts ist eine feuchtwieser, links ist Kiefernwald und auf dem

gemütlichen Sandweg gönne ich mir meine kleine Auszeit und hoffe, dass ich dir mit diesem Podcast

einen Impuls für deine Beziehung mitgeben kann. Das Format Worgentalk, das ist für mich neu. Ich

mag es, weil es für mich ganz entspannt ist. Ich musste aber auch feststellen, dass es doch die

ein oder andere technische Tückel dabei gibt. In der letzten Podcastepisode im letzten Worgentalk

hatte ich so viel Windgeräusche auf der Aufnahme, dass ich drei Viertel vom Material wegschneiden

muss. Das war also eine sehr, sehr gute Folge und es zeigt nochmal, dass so Projekte wie dieses

hier wachsen dürfen, sich verändern dürfen und dass es an der ein oder anderen Stelle noch

einiges zu lernen für mich gibt. Vielleicht nimmst du du dir ja so wie ich mir heute auch Zeit, um

ein wenig durch den Wald zu laufen, in der Natur zu sein, um den Kopf frei zu bekommen und

abfeiten zu können und ein bisschen Psychohygiene zu betreiben. Vielleicht ist ein Lieblingsmensch mit

dabei und ihr habt endlich Zeit, um die Ruhe zu genießen und euch auszutauschen. Das ist jedenfalls

meine Einladung an dich und an deinen Lieblingsmenschen. Das Thema über das ich heute mit euch reden

möchte, das nennt sich Mental Load. Mental Load, das ist dieser ständige Dialog im Kopf, das ist

die Planung, das sind all die Sachen, an die wir noch denken müssen. Das ist das, ich muss da

noch mal nachfassen und im Gegensatz zu dem, was man im Außen sieht, was wir so tun, ist das

ein Riesenklot, den wir manchmal mental mit uns rum schleppen. Und wenn Mental Load ein Thema für

dich ist, das dich betrifft, dann kann es sein, dass du durch den Wald läufst, dass es ruhig ist,

dass du vielleicht dich vögel zwitschern, ohne wie ich jetzt gerade die Nücken um dich herum

Summen hörst und dass es quasi ruhig im Außen ist, in dir drin aber ziemlich laut, weil diese

ganzen Stimmen mit den ganzen Dingen, die noch getan und erledigt werden müssen, die einfach keine

Ruhe schenken. Und genau das ist die Crocs mit Mental Load, dass wir keine Pause haben, dass wir

ständig dabei sind, uns Gedanken darüber zu machen, was alles noch getan und geplant und

kontrolliert werden muss, damit das Leben gut funktioniert. Mental Load, das ist also diese

unsichtbare Arbeit, die mentale Arbeit, die wir da leisten, hinter der offensichtlichen Arbeit.

Es geht nicht darum, ein Geschenk zu kaufen, sondern es geht darum, sich Gedanken zu machen,

was denn gut wäre und wie man das am besten verpacken könnte. Das Gemeine an Mental Load ist,

dass wenn du das gut machst, dann merkt es keiner, weil dann alles reibungslos funktioniert und es

selbstverständlich für alle anderen ist. Es fällt erst dann auf, wenn es gerade mal nicht gut

läuft, wenn du vielleicht überfordert bist mit den vielen Aufgaben, die auf dich warten. Und es

führt sich so ein bisschen an, als hätte man einen Terminkalender und eine To-do-Liste im Kopf,

die eben aber wirklich nur für dich sichtbar ist und für sonst niemanden.

Alison Daminger hat dazu eine Studie herausgebracht. 2019 hat sie eine Studie veröffentlicht,

in der es darum ging, was Mental Load denn genau ist. Und sie hat festgestellt, dass es vier Phasen

gibt, die zu dieser riesigen mentalen Last dazugehören. Die erste Phase, das ist Anticipating,

das ist das Vorausdenken. Also wenn die Kita von deinem Kind einen Ausflug plant,

dann überlegst du als allererstes, habe ich wirklich alles dafür. Wurde noch irgendetwas gebraucht.

Das ist Anticipating. Die zweite Phase ist Identifying, also das Erkennen. Du merkst,

Mensch, die Regenjacke ist so klein, ich brauche eine neue Regenjacke für mein Kind. Die dritte

Phase ist Designing oder Entscheidenden. Das heißt, du bist vielleicht online unterwegs,

du vergleichst Preise und Materialien und guckst dir unterschiedliche Regenjacke an,

um dann zu entscheiden, eine Eventuell online oder auch gebraucht oder im Laden zu kaufen.

Die letzte Phase, das ist das Monitoring, das Nachhalten. Du kontrollierst, passt in die

Jacke auch, nachdem sie angekommen ist. Muss ich sie vielleicht umtauschen? Muss ich sie noch mal

imprägnieren, damit sie auch ja wasserfest ist, muss sie gewaschen werden, damit keine Chemikarien

auf der Haut meines Kindes einen Schaden anrichten könnten und so weiter. Und das,

was Demiger zeigt, ist, dass in ganz vielen Beziehungen ein Partner alle vier Phasen übernimmt.

Oft, aber nicht immer, ist es die Frau in der Beziehung. Und das heißt ihm nicht, dass jemand

einfach nur eine neue Jacke kauft oder bei Amazon auf jetzt kaufen klickt, sondern es bedeutet,

dass jemand diesen ganzen mentalen Prozess vom Vorausschauern übers Plan, Entscheidung treffen

und die ganze Nachsorge übernimmt. Und das ist dann auch belastend, wenn jemand das komplett

alleine stemmt. Stell dir vor, du trägst einen Rucksack und jedes mal, wenn du etwas denkst, was

noch getan, erledigt, kontrolliert werden muss, dann legst du einen Stein in diesen Rucksack. Und du

musst merken, wenn du morgens aufstehst, fühlt sich der Rucksack vielleicht leichter an als am

Abend, aber bis zum Abend ist er randvoll gefüllt mit Stein. Und das, was wir dann häufig tun,

ist, dass wir uns Kalender anschaffen, dass wir To-Do-Listen anlegen, dass wir Sachen probieren,

die dafür sorgen, dass sich, dass sich dieser Rucksack ein bisschen leichter tragen lässt und wir

uns mit unseren Aufgaben kompetenter fühlen und weniger häufig etwas hinunter fällt, aber der

Rucksack bleibt trotzdem so schwer, wie er ist. Und dieser schwer Rucksack, der hat Folgen. Drei will

ich dir kurz nennen. Offer und Schneider haben 2011 herausgefunden, dass Mental Load eben auch so

einer erhöhten emotionalen Erschöpfung führen. Frauen mit höherer kognitiver Last zeigen mehr

Erschöpfung und weniger Freizeitqualität, heißt es in der Studie. Das heißt, dass es in der Beziehung

ganz schwer wird, auch Paarzeit zu genießen, wenn einer von euch beiden immer dabei ist, im Kopf

Listen zu schreiben mit den Dingen, die noch getan werden müssen. Hupanna et all haben 2019

auch zu dem Thema geforscht und zwar in Bezug auf Beziehungszufriedenheit. Die stehen fest,

je ungleicher die mentale Last, desto geringer die Zufriedenheit bei beiden. Und das bedeutet für

Paare häufig, dass wenn einer immer voraus plant und immer voraus denkt, fühlt er sich

allein gelassen und der andere, der irgendwie helfen möchte und immer auf eine Anweisung wartet,

dass er jetzt, was er jetzt übernehmen soll, der fühlt sich irgendwie auch nicht richtig gesehen

und vielleicht eher noch kontrolliert. Und das drückt auf die Beziehungsqualität von beiden

Partnern. Und dann hat man festgestellt, dass chronischer Mental Load mit Schlafproblemen

kreudiert, mit Spannungsschmerzen, mit Magen-Darm-Störungen und das heißt auch,

wenn du nicht körperlich arbeitest, hat Mental Load körperliche Auswirkungen. Und das bedeutet,

dass Mental Load eben auch ein Beziehungsproblem ist. Und dieser Satz sag mir doch einfach,

was ich tun soll, denn helfe ich dir gerne, der schiebt die Verantwortung für diesen ganzen

mentalen Prozess wieder zurück und man bleibt auf der Handlungsebene. Und das bedeutet für den

mit dem großen Rucksack eben auch, jetzt muss ich auch noch entscheiden, was ich denn delegieren kann.

Und was davon meinem Partner vielleicht am einfachsten fällt, was mir am meisten Luft verschaffen

wurde, aber all dieses ganze mentale Mitdenken, das sind trotzdem die Steine im meinem Rucksack.

Lass uns darüber sprechen, was helfen konnte. Mein Vorschlag für euch,

sprecht heute Abend mal nicht über Aufgaben, über das, was ihr alles erlebt und getan habt,

sondern sprecht mal über eure Gedanken, über das, was euch mental in eurem Kopf beschöftigt hat.

Wenn du derjenige mit dem schweren Rucksack bist, dann möchte ich dich zu einem kleinen

Mini-Retreat einladen. Setz dich mal hin, vielleicht gerne auch im Grün in der Natur,

nimm mal drei Atemzüge, horch mal, welche drei Geräufe du gerade wahrnehmen kannst und guck mal,

ob du drei Körperempfindungen fühlen kannst. Ich habe immer wieder bemerkt, dass Natur ein

wahnsinnig guter Katalysator für so kleine Aushalten sind. Und wenn du in der Natur unterwegs

bist, wenn ihr vielleicht zu zweit in der Natur unterwegs seid, dann möchte ich dich einladen,

über die folgenden Fragen nachzudenken. Was trage ich heute alles gedanklich mit mir rum?

Welche Gedanken gehören eigentlich gar nicht mehr zu mir, sondern das sind die Erwartungen von

Dritten aus meinem Umfeld. Wo wäre ich bereit, etwas als Gesamtaufgabe mit allem, was mental dazu

gehört, an meinem Partner abzugeben? Vielleicht ist dein Spaziergang gleich zu Ende, vielleicht

gehst du aber auch noch eine Runde. Ich möchte auf alle Fälle danken, dass du mit mir unterwegs

warst. Mantelot, das ist für mich keine Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, wie sehr du dich

kümmerst. Und ich will dich einladen, daran zu denken, dass du nicht alles alleine tragen musst.

Dass es Menschen gibt, die dir bestimmt gerne zur Seite stehen. Wenn du wissen möchtest, ob

Mantelot tatsächlich ein Thema für dich ist, das dich beschäftigen sollte, dann habe ich einen

kleinen Test für dich entwickelt, den du auf meiner Homepage findest. Ich verlinke dir den Test

unten in den Show Notes. Es dauert drei Minuten und es gibt dir einen ersten Eindruck, ob es ein

Thema ist, über das du näher nachdenken solltest. Ich danke dir fürs Zuhören, das grüßt und winkt

dein Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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