gut in Beziehung

gut in Beziehung

Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich willkommen bei Gute Beziehung.

Ich bin Thorsten, ich bin Partherapeut und ich freue mich riesig, dass Du hier bist

und mitzuhörst.

Heute soll es um Kompromisse gehen, soll darum gehen, wie Du in Deiner Beziehung gute Kompromisse

schließen kannst und vielleicht machst Du das ja auch schon.

Ich mag Kompromisse, weil sie mir helfen, mich selbst um meinen Lieblingsmenschen besser

zu verstehen.

Kompromisse helfen mir also wirklich gut in Beziehung zu sein.

Kompromisse sind was ganz Grundlegendes für jede Beziehung und es ermöglicht Euch eben

als Paar, als Team zu fungieren, auch wenn Ihr unterschiedlicher Meinung seid oder unterschiedliche

Standpunkte vertreten.

Und es hat für mich drei große Vorteile, der erste ist, ich kann mehr Verständnis

für meinen Gegenüber entwickeln, wenn ich seinen Standpunkt verstehe und wir zusammen

versuchen einen guten Kompromisse zu finden.

Das fördert meine Empathiefähigkeit.

Der zweite Vorteil von Kompromissen ist, dass wir kollektiv eine Maßnahme finden,

die uns als Team, als Familie, als Paar weiterbringt.

Und das ist meistens sinnvoller als wenn wir darauf hoffen, dass wir als Individuen schon

eine gute Entscheidung treffen werden, weil das häufig dazu führt, dass mein Lieblingsmensch

mit meiner Entscheidung dann doch nicht so zufrieden ist und es mehr Streit und mehr

Meinungsverschiedenheiten gibt.

Und der dritte große Vorteil von Kompromissen ist, dass es mir ein Gefühl von Zugehörigkeit

und von Sicherheit gibt.

Wenn ich weiß, wenn ich in der Lage bin, mit meinem Lieblingsmenschen Kompromisse einzugehen,

dass wir auch schwierige Themen bewältigt bekommen.

Und ich finde, das ist etwas, das Sicherheit vermittelt und mir hilft, mit einem positiven

Blick auf meine Beziehung und auf mögliche Herausforderungen zu blicken.

Und wenn wir uns Kompromisse auf einer Beziehungshiebene angucken, dann sind die nie neutral.

Jeder Kompromiss hat entweder positive oder negative Auswirkungen auf eure Beziehung.

Und es geht der Grundsatz, dass du dich entweder für euch als Team entscheidest und du damit

bestimmte Dinge, die dir weniger wichtig sind, aufgibst oder du entscheidest dich für

deinen authentischen Selbst und zwar immer dann, wenn du Kompromisse eingehen müsstest

und damit aber auch gegen deine Grundbedürfnisse verstoßen würdest.

Und ich finde, kein Kompromiss ist besser als ein schlechter Kompromiss.

Ein guter Kompromiss verlangt also von mir nicht, dass ich meine grundlegenden Bedürfnisse

aufgebe.

Das bedeutet aber auch, dass ich zuallererst mal wissen muss, was sind denn meine grundlegenden

Bedürfnisse, was ist mir wirklich wichtig, was sind meine must-haves und was sind meine

nice-to-haves.

Da dazwischen eine klare Linie zu ziehen, ist wirklich eine hohe Kunst und man muss manchmal

ganz schön in sich gehen, um herauszufinden, was sind die Dinge, auf die ich verzichten

kann und was sind die Dinge, die mir so wertvoll und so wichtig sind, die meinen Überzeugungen

entsprechen und meinen Werten entsprechen, dass ich die unbedingt brauche, wenn es darum

geht, ein Kompromiss abzustießen.

Denn eines ist klar, wenn ich ein Kompromiss eingehe, um meine Grundbedürfnisse dabei nicht

beachtet werden, dann bin ich früher oder später verärgert.

Und meistens geht man dann entweder noch mal in die Neuverhandlung oder man schert sich

am Ende nicht um den Kompromiss, den man eigentlich geschlossen hat und es hat eher

negative Auswirkungen für mich und für meine Beziehung.

Der Kerngedanke von einem guten Kompromiss ist, dass beide Parteien auf ein wenig nice-to-haves

verzichten und damit als Team und als Paar gewinnen.

Bevor wir jetzt darauf schauen, wie wir in gute Kompromisse finden, hier nochmal ganz

kurz, was passiert, wenn wir Faulokompromisse eingehen.

Wenn ich einen Faulokompromiss eingehe, bedeutet es, dass ich mich ein Stück weit verbiegen

muss.

Mit der Zeit frustriert es und ich werde auf Dauer nicht glücklich.

Und wenn ich mich ständig verbiegen muss, dann führt es manchmal dazu, dass ich irgendwann

gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich möchte.

Und mit diesem Verlust von, ich weiß gar nicht, was ich möchte, verliere ich auch an Persönlichkeit

und an Charakter.

Und das ist ja genau das, wofür mich mein Lieblingsmensch mag und es ist so schade,

denn genau das, wofür ich gemocht werde, verloren geht.

Eine andere Sache, die ich häufig bei Paaren feststelle, die sich viel streiten ist, dass

die, wenn die versuchen, Kompromisse zu schließen, es eigentlich nicht mehr um die Sache geht,

sondern es geht darum, dass ich das Gefühl habe, ich habe die letzten paar Male schon

nachgegeben, wenigstens dieses eine Mal möchte ich eine Zustimmung haben und ich möchte gewinnen

oder es geht um Macht, aber es geht nicht mehr darum, eine Herausforderung als Paar zu meistern.

Okay, wie finde ich jetzt gute Kompromisse?

Als allererstes muss ich meine Grundbedürfnisse kennen.

Ich muss meine Must-Haves auf dem Schummen haben und auch meine Nice-Haves, diese Trenne,

die dazwischen, die muss für mich klar sein.

Wenn ich das habe, wenn ich weiß, worauf kann ich nicht verzichten, aber was ist meine Verhandlungsmasse,

weil worauf könnte ich eventuell verzichten, dann geht es im zweiten Schritt darum, dass

ich meinen Standpunkt heile und es geht nicht darum, schon niemand zu überzeugen oder einen

Kompromiss zu finden, sondern es geht nur darum zu sagen, so sehe ich die Welt, so sehe ich,

so ist mein Blick auf diese Herausforderung und wenn mir mein Gegenüber das erzählt,

dann ist meine Haltung so etwas wie wertschätzende Neugierde.

Ich will wirklich verstehen, was dem anderen bewegt, genauso zu denken.

Und wenn wir das beide miteinander besprochen haben, dann sind wir soweit, um eine gemeinsame Basis zu finden.

Also festzuhalten, was ist uns beiden wichtig, worauf kann der eine und worauf kann der andere nicht verzichten,

aber was wären Möglichkeiten, um gemeinsam als Paar, als Team diese Hürde zu nehmen

oder das Leben ein bisschen leichter oder besser zu gestalten.

Und hier kann man Ideen sammeln, die mitnehmen, darüber nachdenken, nach Alternativen googeln

und so weiter und so weiter und diesen Prozess ankurbeln, bis man irgendwann das Gefühl hat,

okay, jetzt haben wir eine gemeinsame Basis, wir haben eine Idee, wie wir das umsetzen können.

Und in diesem Protest ist es wichtig, dass ich flexibel bleibe, dass ich also in der Lage bin,

meine Nice-Heads aufzuoffern, weil ich weiß, dass wir mit einem Kompromiss als Paar besser leben würden.

Und dann Schritt Nummer 5 ist die Umsetzung.

Und was ich besonders mag, ist, wenn wir das aufschreiben als Paar und wenn wir sagen,

wir probieren das jetzt mal für drei Wochen so aus und in drei Wochen oder in vier Wochen

setzen wir uns nochmal zusammen und besprechen, wie uns das gefallen hat, ob wir irgendwo noch nachbessern müssen,

ob es vielleicht eine vollkommene Schnapsidee war, was wir uns hier vorgenommen haben.

Aber erst mal sind wir beide mit Herzblut dabei und probieren diesen Kompromiss, so gut es geht, in die Tat umzusetzen.

Und nach ein paar Wochen kann man sich, wie gesagt, zusammensetzen und nochmal überlegen,

brauchen wir einen Feinschliff, müssen wir noch was anpassen, brauchen wir eine andere Art von Kompromiss,

weil es irgendwie nicht funktioniert oder kommen wir zu einer anderen Lösung.

Und der letzte Punkt ist, dass wenn ihr nicht weiterkommt, weil ihr zum Beispiel wieder

anfangs zu streiten, dass ihr euch dann externe Reve sucht.

Manchmal fehlt einfach der Blick von einem neutralen Boden aus, um einen guten Kompromiss zu finden

und vielleicht auch nochmal um herauszuarbeiten, was sind denn die Must-Haves des Einzelnen und was

sind die Nice-to-Haves. Wenn ihr euch auf die Suche nach einem guten Kompromiss macht, werdet

ihr vielleicht auch feststellen, dass ihr Part 2 kein findet. Und Godman, Psychoanalytiker,

der ganz viel zu Paaren geforscht hat und von dem ich auch schon viel in dem Podcast erzählt habe,

der schreibt, dass 69% der Dickel über die Paare streiten einfach nicht gelösbar sind.

Und das muss man irgendwie auch anerkennen, dass es für bestimmte Dinge im kein Kompromiss gibt.

Und wenn ich kein Kompromiss finde, dann bedeutet es, dass sich die Andersartigkeit meines Gegenübers

wertschätzen kann. Und dann gibt es zwei individuelle Lösungen und jeder braucht eine eigene Haltung,

eine eigene Haltung, um mit der Andersartigkeit des anderen gut umgehen zu können.

Wenn ihr also kein Kompromiss findet, ist es nicht schlimm, dann arbeitet an eurer Haltung.

Bei meinem Lieblingswertschirm hier steht demnächst die Urlaubsplanung an. Und auch dafür

müssen wir Kompromisse eingehen. Meine Must-Haves sind, wenn ich in den Urlaub fliege, fahre, reise,

dann werde ich vor allem Abenteuer erleben und mich entspannen können. Und für meine Frau

ist Entspannung wichtig, aber auch noch mal nette Leute treffen. Und das ist etwas,

was mir zum Beispiel weniger wichtig ist. Und hier Kompromisse zu finden, wann wir

wen besuchen, wann wir uns auch in das nächste Abenteuer stürzen, das ist dann die Verhandlungsmasse

für die nächsten Wochenenden, die wir gemeinsam miteinander haben. Und ich bin ganz guter Dinge,

dass wir das gut hinkriegen. Und ich hoffe, dass du in deiner Beziehung genauso zuversichtlich auf

die Kompromisse schaust, die vor dir und vor deinem Lieblingsmenschen liegen. Deswegen jetzt zum

Schluss noch mal die sechs Schritte für gute Kompromisse. Punkt Nummer eins, kenne deine

Grundbedürfnisse und das, was du gerne auch aufgeben kannst. Zweitens, tauscht euch aus über

eure unterschiedlichen Standpunkte. Betont dabei aber, was eure Must-Haves und was eure Nice-to-Haves

sind. Damit könnt ihr als drittes eine gemeinsame Basis finden und überlegen, wie euer Kompromiss

aussehen könnte. Wenn ihr für viertens dabei flexibel bleibt, findet ihr bestimmt schon

bald eine gute Lösung. Und dann geht es im fünften Fall um die Umsetzung und eventuell um das

Nachbessern, nachdem ihr euer Kompromiss ausprobiert habt. Und wenn ihr nicht weiter kommt, dann wäre

Punkt Nummer sechs, euch externe Hilfe zu holen. Okay, das war's für heute. Ich hoffe,

dir hat diese Podcast-Folge gefallen und ich freue mich, wenn du diesen Podcast abonnierst

und weit empfehlst. Bis zum nächsten Mal, es ist Gustav Pink, dein Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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