gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung. Ich freue mich, dass du hier bist und mir zuhörst.

Heute gibt es neben dem Thema auch noch eine Einladung zu einem Workshop, auf den ich mich sehr freue – dazu am Ende mehr.

Aber jetzt zu unserem heutigen Thema: Ich möchte mit dir darüber reden, wie ein Beziehungskonto dir in deiner Beziehung helfen kann.

Erst mal klingt ein Beziehungskonto ein bisschen merkwürdig, weil wenn wir an Romantik und Liebe denken, dann fällt uns wahrscheinlich als Letztes ein, dass wir ein Konto führen oder gar eine Strichliste, wer wann was getan und eingezahlt oder abgehoben hat. Und auch wenn dieses Konzept sehr pragmatisch und wenig romantisch klingt, ist es ganz praktisch, um zu veranschaulichen, was in einer Beziehung passiert und wie die Dynamik abläuft.

Das Beziehungskonto funktioniert eigentlich genauso wie dein Bankkonto, nur dass dein Lieblingsmensch die EC-Karte hat. Das heißt, eine Einzahlung auf dein Beziehungskonto macht immer der andere. Und du selbst zahlst auf das Konto deines Lieblingsmenschen ein oder hebst von diesem Konto ab.

Ich kann in das Konto meines Lieblingsmenschen einzahlen, indem ich Wertschätzung und Liebe zeige. Und ich kann abheben, indem ich zum Beispiel Versprechen nicht einhalte oder eben weniger wertschätzend bin, als ich sein sollte.

Die Einzahlungen, die ich mache, können klein und groß sein – das können Komplimente sein, das kann sein, dass ich Dinge für den anderen übernehme, das können Geschenke sein, das kann gemeinsame Zeit sein und so weiter. Der entscheidende Punkt ist aber, dass mein Lieblingsmensch entscheidet, wie viel die Einzahlung von mir wert ist. Also nicht ich entscheide das, sondern mein Lieblingsmensch. Und wenn meine Frau in mein Beziehungskonto einzahlt, dann entscheide ich, wie viel mir das wert ist, wie groß der Gewinn ist und wie sehr mich das bewegt.

Und das Gleiche gilt auch für Abhebungen. Immer der andere entscheidet, wie groß diese Abhebung ist. Eine Abhebung ist nicht nur der vergessene Hochzeitstag oder das unpassende Weihnachtsgeschenk, sondern es sind auch häufig die Kleinigkeiten, die uns weniger in den Sinn kommen. Zum Beispiel, wenn ich jemanden ins Wort falle oder wenn ich etwas bestimme, was dem anderen wichtig ist. Solche Dinge sind meistens so nebensächlich, dass wir sie gar nicht bemerken, aber sie bedeuten doch eine Abhebung vom Konto des anderen.

Beziehungskonten führen wir meistens nicht bewusst. Wir fangen an, uns zu ärgern, wir merken, dass wir nicht mehr zufrieden sind mit unserer Beziehung – und daran können wir ablesen, dass die Einzahlungen vielleicht nicht so hoch waren wie die Abhebungen und sich unser Konto langsam dem Minus annähert. Das ist auch ein Klassiker, wenn wir aus der Verliebtheit heraustreten: In der Anfangsphase überhäufen wir einander mit Wertschätzung, Komplimenten und gemeinsamen Aktivitäten. Irgendwann tritt der Alltag ein, der Kontostand nimmt ab, und wenn man nicht aufpasst, rutscht man ins Minus.

Gottmann, der dieses Modell entwickelt hat, hat festgestellt, dass Paare unglücklich sind, wenn sich Einzahlungen und Abhebungen die Waage halten. Das klingt zunächst überraschend, denn eigentlich sollte man annehmen, dass ein Gleichgewicht gut ist. Aber offensichtlich erwarten wir mehr von einer Beziehung. Wir wollen wertgeschätzt werden, wir erwarten Liebe – und wir brauchen mehr als nur einen Ausgleich.

Die Schwelle vom unglücklichen zum glücklichen Paar liegt bei 5 zu 1. Also fünf Einzahlungen, fünf Komplimente, fünf wertschätzende Dinge, die Liebe transportieren – und eine Abhebung. Das ist es, was glückliche Paare leben. Sehr glückliche Paare kommen auf ein Verhältnis von 15 zu 1.

Ich mag dieses Modell, weil es praktisch ist und weil es etwas ist, womit man arbeiten kann. Man kann über Einzahlungen und Abhebungen reden, und das ist für die meisten Paare gut greifbar.

Wenn du das Gefühl hast, deine Beziehung könnte besser sein, du bist nicht so zufrieden, wie du es gerne wärst, dann habe ich hier drei Ideen, wie du das Beziehungskonto-Modell für dich anwenden kannst.

Tipp Nummer 1: Checkt immer wieder mal euren Kontostand. Fragt euch, wie steht es gerade, wo habe ich abgehoben, wo habe ich eingezahlt, wie hoch ist gerade mein Kontostand bei dir? Gebt euch dazu offen und transparent Feedback.

Tipp Nummer 2: Sprecht über regelmäßige Abhebungen. Wenn dir auffällt, dass dein Lieblingsmensch immer wieder dieselbe Sache tut und das jedes Mal eine Abhebung von deinem Beziehungskonto darstellt, dann sprecht darüber. Weise deinen Partner darauf hin, dass das bei dir eine Abhebung ist, dass das wehtut und dass dafür eine Lösung gefunden werden sollte.

Tipp Nummer 3: Macht euch bewusst, wie hoch der Wert ist, den ihr einzahlt. Wie ich es schon erwähnt habe: Nicht ich entscheide darüber, wie hoch das ist, was ich einzahle, sondern mein Lieblingsmensch, auf dessen Konto ich einzahle. Gebt euch darüber Feedback, damit euer Gegenüber weiß: Wenn du das und das machst, ist das eine große Einzahlung. Wenn du etwas anderes tust, ist das eine deutlich geringere. Damit ihr wisst, wie ihr möglichst effektiv auf das Konto eures Lieblingsmenschen einzahlen könnt.

Paarzeit ist etwas, das immer auf euer Beziehungskonto einzahlt. Und deshalb möchte ich euch zu einem Workshop einladen – dich und deinen Lieblingsmenschen. Der Workshop findet am 23. September um 10 Uhr in Kleinmachnow statt. Wir treffen uns am Espernhof Grunewald und sind dann vier Stunden im Wald, in der Natur unterwegs, um einen Blick auf eure Beziehung zu werfen – zu schauen, wo ihr hinmöchtet, aber auch zu schauen, welche Ressourcen ihr habt und was ihr nutzen könnt, um in Zukunft besser und effektiver auf euer Beziehungskonto einzuzahlen.

Für mich sind Workshops immer eine Art Miniurlaub für die Seele mit Mehrwert, weil man so viel mitnehmen kann. Was mir dabei immer wieder auffällt: Wenn Paare miteinander in Kontakt kommen und sich austauschen, entsteht so viel mehr, was man in den eigenen Alltag einfließen lassen kann. Diese Synergieeffekte finde ich einfach wunderbar.

Im Workshop geht es mir darum, dass ihr euch wieder näherkämt. Ich wünsche mir, dass ihr viele Ideen mitnehmt und beschwingt und mit Energie nach Hause geht. Wir werden einen Blick auf eure Geschichte werfen: Wo kommt ihr her, wie habt ihr euch kennengelernt, was waren eure Highlights bis jetzt, und wie soll es in Zukunft aussehen? Mit welchen Rollen seid ihr unterwegs, welche Werte lebt ihr als Paar, und was wünscht ihr euch von eurer Beziehung? Dann wollen wir anschauen, was in eurer Beziehung bleiben soll und was gehen darf. Und zum Schluss schauen wir, welche Freiräume ihr schaffen könnt, um in Zukunft mehr Paarzeit miteinander zu verbringen.

Ich freue mich sehr auf diesen Workshop und bin schon ein bisschen aufgeregt. Du kannst dich ab heute dafür anmelden. Den Link dazu findest du in den Shownotes, und auf der Seite findest du nochmal alle Infos zum Workshop. Wenn noch Fragen offen sind, zögere nicht, mir eine E-Mail zu schreiben. Ich freue mich, von dir zu hören – und vielleicht ja bis zum 23. September. Ansonsten bis zum nächsten Mal. Dein Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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