Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung. Ich heisse Thorsten. Ich freue mich, dass du mir zuhoerst.
Heute beschaeftigen wir uns mit dem Thema Beziehungskrach. Was tun? Ein Thema, das auf den ersten Blick nicht weihnachtlich klingt - und doch passt es gut in diese Zeit. Weihnachten ist fuer viele Paare mit hohen Anspruechen verbunden und damit auch mit Enttaeuschungen. Der Krach zu Weihnachten ist deshalb manchmal fast vorprogrammiert.
Bevor wir ins Thema einsteigen: Ich moechte dich zu einem Paar-Workshop einladen. Das Thema lautet: Welche Ziele moechtet ihr euch als Paar setzen? Der Workshop findet online per Zoom statt, am 3. Januar um 19 Uhr. Ihr koennt euch ab sofort kostenlos anmelden. Mehr dazu findest du in den Shownotes.
Ich hoffe, dass dieses Thema euch hilft, ein entspannteres Weihnachten miteinander zu verbringen - und wenn es kracht, schneller wieder herauszufinden.
Beziehungskrach kann ganz laut daherkommen: Tueren werden geschlagen, es wird gebruellt. Manchmal wacht man aber auch auf und stellt fest, dass alles ganz anders ist, als man gedacht hatte. Man ist enttaeuscht, und da ist diese Stille. Dieser stille Beziehungskrach ist fast haeufiger als der laute.
Anzeichen fuer den stillen Beziehungskrach: Ihr seid weniger gut fuereinander erreichbar, und das Gefuehl von Distanz waechst. Ihr redet weniger, und Gespraeche drehen sich nur noch um organisatorische Dinge - keine Tiefe, keine echte Verbindung mehr. Ihr teilt weniger Integritaet miteinander. Ihr zieht euch zurueck, und der Fokus liegt nicht mehr auf der Beziehung, sondern auf Arbeit, Freundschaften oder Hobbys.
Krise ist Krise - egal ob laut oder still. Krisenintervention bedeutet nicht, eine Loesung zu finden. Das halte ich fuer einen zentralen Punkt. Krisenintervention bedeutet: aus dem Krisenmodus herauskommen. Weniger wuetend aufeinander sein, weniger verletzt. Konstruktiver miteinander umgehen koennen, sich oeffnen koennen. All das geht erst mit Krisenintervention - und erst danach werden Loesungen sichtbar und greifbar.
Deshalb sollte der Entscheidungshorizont in Krisen moeglichst klein sein. Das heisst: Die Dinge, die man tatsaechlich entscheidet und umsetzen moechte, sollten nicht zu weit in die Zukunft reichen.
Drei Kerngedanken, was ihr tun koennt, wenn es bei euch kracht:
Erstens: Selbstfuersorge. Krisen sind Energiefresser - und das passiert meistens genau dann, wenn man ohnehin wenig Kraft hat. Weihnachten ist ein stressiger Monat. Wenn dann noch ein Krach dazukommt, ist man oft komplett erschoepft. Es ist dann kaum moeglich, konstruktiv zuzuhoeren oder sich einzulassen. Deshalb ist es wichtig, fuer sich selbst zu sorgen: zur Ruhe kommen, Freunde treffen, etwas Gutes fuer sich tun. Wer die Situation verlasst, traegt aber auch die Verantwortung, zurueckzukehren. Selbstfuersorge muss klar kommuniziert werden: Ich kann gerade nicht mehr. Ich gehe kurz eine Runde spazieren, um runterzukommen.
Zweitens: Anders begegnen. Viele Paare kennen das: Im Auto kommen bestimmte Themen auf, und der Streit beginnt fast automatisch. Das sind Automatismen. Man kann sie unterbrechen, indem man sich bewusst anders begegnet - an anderen Orten, in anderen Situationen. Nicht auf der Couch sitzen und sich aergern, sondern spazieren gehen. Ein hilfreiches Bild: Ich kann den Fischen im Aquarium direkt wenig tun, aber ich kann das System veraendern - das Wasser wechseln, neue Pflanzen einsetzen, Steine umstellen. So kann man auch als Paar den Raum neu gestalten und sich darin neu begegnen.
Drittens: Die Beziehung externalisieren. Es geht nicht nur um dich und deinen Partner - es geht auch um das, was ihr gemeinsam erschaffen habt: eure Beziehung. Stellt euch vor, eure Beziehung waere ein Lebewesen, das ihr gemeinsam erschaffen habt und fuer das ihr Verantwortung tragt. Was koennt ihr diesem Beziehungswesen Gutes tun? Diese Perspektive verlagert den Fokus weg vom Streit und hin zu der Frage: Was wollen wir eigentlich? Welchen Anteil habe ich daran, dass es ihm nicht gut geht - und was kann ich beitragen?
Eine Methode, die dabei hilft, ist Storytelling oder die Heldenreise. Erzaehlt eure Beziehungsgeschichte neu - als Drama, als Komoedie, als Krimi. Wo seid ihr gerade in dieser Geschichte, und was waere die naechste Wendung? Dabei gilt: Freunde und Bekannte meinen es gut mit ihren Ratschlaegen - aber sie leben nicht euer Leben. Ihr muesst selbst entscheiden, was ihr tut.
Wenn wir das Coping-Modell von Lazarus betrachten, sehen wir zwei zentrale Faktoren: Zum einen nehmen wir einen Streit als bedrohlich wahr. Zum anderen fehlen uns Ressourcen, um eine gute Loesung zu finden. Was uebrig bleibt, ist der Konflikt. Es hilft, zum Kern des Konflikts vorzudringen: Was empfinde ich eigentlich als bedrohlich?
Auf der Ressourcenseite kann man fragen: Was brauche ich, um eine gute Loesung zu finden? Welche Erwartungen habe ich an mein Gegenueber - und an mich selbst? Das ist schon der erste Schritt in Richtung Loesung, sobald man weit genug aus dem Krach heraus ist.
Zum Abschluss einige Impulsfragen fuer den Uebergang in den kreativen Loesungsraum (aus dem Buch Fragen koennen wie Kuesse schmecken):
- Wenn ihr als Paar einen Preis erhalten wuerdet: Fuer welche Eigenschaft als Team wuerdet ihr ihn bekommen?
- Wann werdet ihr als Paar zum ersten Mal wieder durchatmen koennen? Wie lange wird das noch dauern?
- Was habt ihr geschafft, wenn der Streit hinter euch liegt und ihr eine gute Loesung gefunden habt?
- Wenn ihr euren Einsatz fuer euer Beziehungswesen verdoppeln wuerdet: Was wuerdet ihr als Erstes in Angriff nehmen?
Krisen gehoeren zum Paarerleben. 95 Prozent der Erwachsenen gehen im Laufe ihres Lebens eine Partnerschaft ein, in der Hoffnung, dass sie ein Leben lang haelt. Krisen sind dabei kein Versagen - sie gehoeren dazu. Und man kann sie gut bewaeltigen, wenn man drei Grundsaetze beherzigt:
1. Je groesser die Krise, umso kleiner der Entscheidungshorizont.
2. Kraft schoepfen - aber transparent.
3. Fokus auf die Beziehung, nicht auf den Partner.
Ich hoffe, dass euch diese drei Impulse helfen, gut durch einen Streit hindurchzukommen und in den kreativen Loesungsraum zu finden.
Ich wuensche euch schoene Weihnachten und einen guten Rutsch. Bis dann, euer Thorsten.