gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

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Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung. Ich heiß Torsten, ich bin Paar Natur-Therapeut

und ich freue mich, dass du hier bist und mir deine Zeit schenkst. In den letzten 3-4

Wochen ging es bei mir um das Thema Nähe und Distanz. Ihr habt in den Walk n Talks,

diesen kurzen Podcast-Episoden davon gehört oder vielleicht auch auf LinkedIn darüber lesen

können. Und heute möchte ich dieses Thema nochmal abholen und zusammenfassen und vielleicht noch

den ein oder anderen Gedanken mitgeben, der dir das erleichtert, mit diesen beiden Polen besser

umzugehen. Und ihr kennt das vielleicht auch alle gut aus euren eigenen Beziehungen. Dass ihr das

Gefühl habt, eigentlich sind wir uns nahe, wir verbringen viel Zeit miteinander und trotzdem

entsteht nicht dieses Gefühl von Nähe, das wir uns eigentlich wünschen. Oder ich bin derjenige,

der gerade ein bisschen Abstand braucht, aber ich habe das Gefühl, ich kann gar nicht, weil meine

Partnerin, weil mein Lieblingsmensch in dem Moment, wo ich mich distanziere, sich lieblos behandelt fühlt.

Und ihr merkt schon, dass das Thema eine Menge Ambivalenz mitbringt. Und es geht nicht nur

zwischen den Paaren, sondern das ist diese Ambivalenz, die spülen wir manchmal auch in uns.

Also ich möchte eigentlich Nähe und trau mich aber aus irgendwelchen Gründen gerade nicht oder

es gibt, ich habe das Gefühl, ich komme gerade nicht über diese Brücke rüber und bleibe doch im

Abstand. Oder ich möchte Zeit für mich, Waage es aber nicht mit ihnen zu nehmen. Und ich will dich

einladen, da kurz mit hinein zu fühlen. Gab es in deinem Leben, in letzter Zeit Momente, wo du dich

jemand nahe und gleichzeitig aber auch nicht so nahe gefühlt hast, wie du das gerne gehabt hättest.

Gab es Momente, wo du dich zurückgezogen hast, obwohl du eigentlich näher dir gewünscht hättest.

Was wäre, wenn das alles nicht einfach nur Pech oder schlechtes Timing ist, sondern wenn das ein

Muster wäre, ein Muster, das wir beeinflussen können und das uns vielleicht unbewusst auch in

Verbindung hält. Dieses Muster, das umschreibt Jörg Willi mit dem Begriff Kollusion. Jörg Willi,

das war ein Schweizer Psychoanalytiker, der hat lange Jahre eine psychiatrische Universitätsdienke

geleitet und er hat sich viel mit Partherapie beschäftigt und eines der Bücher, die er geschrieben

hat und das ich sie empfehlen kann, heißt die Zweierbeziehung. Und er beschreibt darin, wie

diese unbewussten komplementären Konflikte im Paarbeziehung, wie die außergeht werden.

Da ist uns erstmal den Begriff der Kollusion definieren. Eine Kollusion, das ist eine unbewusste

Übereinkunft zwischen zwei Menschen, in dem jeder auch die innere Ambivalenz des Anderen spiegelt.

Es geht also nicht, wir machen irgendwie was gleich, sondern es geht um entgegensetzte Rollen,

die sich ergänzen und gegenseitig bekräftigen. Und das spannende an Kollusion ist es, dass es

eben nicht nur um Nähe und Distanz geht, sondern dass es das meine inneren Spannungen,

meine innere Ambivalenz, dass die außensichtbar wird in der Paarbeziehung. Das heißt was nach

außen hin, wie ein Gegengesatz wird, ist in mir drin die gleiche Angst. Jemand, der Nähe sucht,

der sehnt sich nach Verbindung, um der hat aber auch die Angst, sich selbst zu verlieren. Der

klammert, der fordert, der ist emotional, oft mit dem Gefühl, ich gebe mehr als der andere. Der jene,

der auf Distanz bleibt, der braucht Rückzug, der hat aber auch der Angst, nicht mehr zu

genügen, der zieht sich zurück, funktional oder sprachlos, oft mit dem Gefühl, ich werde

bedrängt in meiner Beziehung. Und beide tragen dieselbe Grundangst mit sich rum, nämlich nicht

gesehen zu werden, aber eben nur auf unterschiedliche Art und Weise, unterschiedlich kodiert. Und das

spannende, wenn wir jetzt wieder nach außen auf die Paar-Ebene schauen, ist, dass die Kollusion

eben auch diese Externalisierung meines inneren Konfliktes ist. Also mein Näheanteil wird durch

das Verhalten meines Lieblingsmenschen untermauert und bekräftigt, das heißt ich muss mehr klammern,

weil der andere sich eben in meiner Wahrnehmung mehr zurückzieht. Und bei dem anderen wird der

Rückzugsanteil immer stärker, weil in der Wahrnehmung meines Gegenübers immer mehr Nähe

gefordert wird. Und es gibt eine Dynamik, die sich selbst verstärkt. Nähe rüft Rückzug hervor und

Rückzug verstärkt wieder die Sehnsucht nach Nähe. Und das sorgt dafür, dass Paarbeziehung

eskalieren und erneut eskalieren und wieder eskalieren. Und man das Gefühl hat, man ist

in so einer Dauerschleife gefangen. Und das Ganze macht auch Sinn. Auf dem ersten Blick denkt man sich,

naja, der andere müsste ja nur verstehen, wenn er aufhören würde, so viel zu klammern oder so

viel in den Rückzug zu geben, würde es gar keinen Konflikt geben. Aber das macht Sinn und Willi

erklärt ganz gut, warum das so sinnvoll ist. Der andere übernimmt nämlich nicht nur eine Rolle,

sondern der verkörpert auch eine Abwehr. Das heißt, ich kann meinen Wunsch nach Nähe nur

lieben, wenn du derjenige bist, der im Rückzug bist. Ich kann meine Angst vor

Nähe nur dann verdrängen, wenn ich dich für das Klammern verantwortlich machen kann.

Willi sagt, so sinngemäß in der Kollusion lebt der Partner den Konflikt, den ich selbst nicht

tragen kann. Beispielsätze für Nähe des Handskollusionen nach Willi während zum Beispiel,

du brauchst immer so viel, versus ich bekomme nie genug von dir. Ich kann nicht atmen,

du bist nicht wirklich da. Ich will doch nur reden, musst du immer gleich ein Drama draus machen.

Ich ziehe mich doch nur zurück, weil du so viel forderst. Ich bin doch nur so fordernd,

weil du nie da bist. Nähe und das Tanz sind an sich also gar nicht

polematisch, das sind zwei Pole zwischen denen wir hin und her pendeln und es ist ganz gesund,

dass wir was, das wir, das tun. Aber es wird polematisch, wenn wir das ausschließlich über

den anderen regulieren lassen und wenn das nicht in Sprache überführt wird.

Vielleicht bist du jetzt schon an dem Punkt, wo du dich in der ein oder anderen Rolle wieder

erkennst und eine andere Frage für dich an genau dieser Stelle jetzt und hier ist,

hat das vielleicht etwas mit einem eiten inneren Thema zu tun, die Rolle, in der du gerade bist,

wenn du eher derjenige bist, der nähe sucht in deiner Beziehung oder wenn du eher derjenige

bist, der Abstand braucht, gibt es da was in deiner Vergangenheit, was vielleicht ein bisschen die

Grundlage sein könnte für diese Rolle, die du da angenommen hast. Damit sind wir bei einem

ganz spannenden Thema, das sich durch ganz viele Paar Themen hindurchzieht, nämlich bei unserer

Bindungsprägung. In unserer Kindheit lernen wir, wie nah darf ich jemanden denn sein, ohne mich zu

verlieren, wie sehr darf ich mich abgrenzen, ohne verlassen zu werden. Unsere vollkindlichen

Erfahrungen, die prägen unsere Beziehung zu diesen beiden Topolen, zu näher, in Form von

Berührung, Trost, im Kontaktsein und zu Distanz, vom Alleinsein, Grenzen setzen dürfen und

Rückzug. Wenn ein Kind z.B. nur dann nähe bekommt, wenn es sich anpasst, lernt es,

nähe bedeutet immer auch, ich muss ein Stück meiner Autonomie aufgeben. Und das wirkt weiter,

also diese Gleichung, Nähe ist gleich, Aufgaben meiner Autonomie, das spülen wir auch noch 30

Jahre später, immer dann, wenn wir mit unserem Lieblingsmenschen ins Gespräch gehen wollen.

Es gibt also zwei Grundbedürfnisse, die in unserer Kindheit, die sich in unserer Kindheit entwickeln,

das ist Bindung, ich brauche Sicherheit, Resonanz und das Gefühl, dazu zu gehören und ich brauche

auch meine Autonomie, meine Freiheit, meine Selbstdefinition, Kontrolle um mich ausprobieren

dürfen. Und in einer sicheren Umgebung dürfen beide coexistieren und nebeneinander entwickelt

werden. Spielgerwurz aber, wenn ich in unsicheren Kontexten aufwachse, da speite ich oft das eine

oder das andere ab und übernehme dann immer nur den sicheren, für mich vermeintlich sicheren Teil.

Und dieser sichere Teil der Wurtern, deutlich sichtbar, wenn wir irgendwann in paar Beziehungen sind.

Willi nennt das komplementäre Passung. Er sagt, wir verlieben uns nicht in die andere Person,

sondern wir verlieben uns in ein altes Muster, das wir gut kennen. Wir suchen unbewusst nach

jemandem, mit dem wir das eigene innere Thema von außen gut regulieren können. Das heißt,

ich such jemanden, von dem ich nähe bekommen kann, ohne dass ich mich selber groß zeigen muss. Ich such

jemanden, bei dem ich Distanz wahren kann, ohne dass ich verlassen werde. Und damit entstehen

Beziehungen, in denen wir nicht nur lieben und geliebt werden, sondern in denen wir auch mal so

ein bisschen sowas von Eigentherapie betreiben. Und das bedeutet, dass ich in meiner Praxis häufig

solche Zuschreibungen höre, wie ich habe immer Partner oder Partnerinnen, die mich nicht richtig

sehen. Ich ziehe irgendwie Menschen an, die meine Freiheit einschränken oder ich verliere mich immer

komplett in Beziehung. Und das sind oft nicht Zufälle, sondern das sind verkörperte Bindungskipte,

Bindungskipte, die in unserer Biografie begundet liegen. Und jetzt die Frage an dich, wie war das

bei dir? Wie waren deine Erfahrungen mit Nähe und Distanz in deiner Kindheit? Dürfte sich beides

parallel entwickeln oder warst du gezwungen, den einen oder anderen Teil mehr oder weniger hinter

dir zu lassen? Wenn wir jetzt wieder auf die Paarebene schauen, dann gibt es ganz typische

Nähe und Distanzkollusion. Drei will ich mit dir besprechen. Die erste ist der Klammerer versus

der Rückzügler. In Sprachübersetz heißt es so viel wie, bleib bei mir versus, oh du lässt mir kein

Raum zum Atmen. Und die Dynamik, die ist vorhin schon durchgeklungen. Der Klammerer möchte nicht

allein sein, er sucht Nähe, weil das ihm Sicherheit gibt. Und der Rückzügler oder die Rückzüglerin

hat Angst, sich selbst zu verlieren und die Distanz, die sie aufbaut, ist die Form von Selbstschutz,

die dafür gewählt wird. Und beide reagieren aufeinander und verstärken damit das Verhalten,

das sie hier eigentlich vermeiden wollen. Also je mehr Nähe der eine sucht, umso mehr Rückzug

passiert beim anderen und je mehr Rückzug da ist oder je mehr Distanz der andere aufbaut,

umso größer wird die Angst vorm Allein sein und es entsteht diese Klammer-Rückzug-Bewegung.

Typische Situationen werden zum Beispiel sie ruft erst einmal, dann zweimal, dann fünfmal am Tag an,

bis er irgendwann nicht mehr rangeht. Oder er möchte ihm reden, sie sagt, ich brauche jetzt meine Ruhe.

Einer wartet, dass man endlich miteinander reden kann, der andere fühlt sich wohl im Schweigen.

Die typische Sprache wäre beim Klammerer, du bist nie für mich da, ich fühle mich immer alleine

und beim Rückzügler, ich kann nie was für mich selber machen, ich brauche einfach mal meine Ruhe.

Und wenn wir auf das Inleben schauen, das was die beiden emotional erleben,

dann fühlt sich der Klammerer ständig am emotionalen Abgrund kurz davor verlassen zu werden

und der Rückzügler, der führt enge und schuld und das Bedürfnis zu fliehen, weil es ihm einfach zu viel ist.

Ich bin gespannt, ob du dich im Klammerer oder im Rückzügler wiedererkennst oder

vielleicht auch dein Lieblingsmenschen darin wiedererkennst.

Eine zweite typische Nähe des Tanzkollusionen, das sind die Dramatisierer versus die Abspeiter.

In Sprache heißt das, ich muss alles fühlen, ich muss emotional immer wach sein

und der andere sagt, ich darf nichts fühlen, ich muss alles an Emotion abspeiten.

Das heißt, einer übernimmt die ganze emotionale Ladung weint, wirft mit Dachen, streitet viel,

der andere scheidet ab, ist kühl, kontrolliert und analysierend.

Der Dramatisierer, der fühlt sich emotional im Stich gelassen

und der Abspeiter fühlt sich überfordert, bedroht von der Intensität des anderen.

Und auch hier gibt es wieder diese Sprale, die entsteht, weil sich diese beiden Impulse

abspeiten versus dramatisieren gegenseitig verstärken.

Typische Situationen werden, ein Streit eskaliert, der eine steht weint in der Küche,

der andere sitzt stumm auf dem Sofa.

Eine will dringend das Gespräch suchen und noch mal erklären, wie sie sich fühlt oder er sich fühlt.

Der andere Partner, der andere Part will ich jetzt unbedingt schlafen.

Der eine schreibt ellenlange Nachrichten, der andere reagiert maximal mit einem Emoji.

Wenn wir da noch mal auf die Sprache schauen, die wir so hören könnten,

wenn wir einen Dramatisierer und einem Abspeiter, wenn wir den zuhören könnten,

dann würden vielleicht Sätze fallen wie, warum redest du eigentlich nie mit mir,

du fühlst ja gar nichts, du bist kalt wie ein Eisblock und beim Abspeiter wohnen wir hören,

du übertreibst total, du bist immer so emotional und das bringt doch alles gar nix.

Und wenn wir auch in diesem Paar mal auf das Inleben schauen,

dann wer das bei dem Dramatisierer war, fand ich sowas wie, ich explodiere gleich,

ich ja stück, ich kann nicht mehr, es muss irgendwie, es muss irgendwie mal raus,

was in mir alles drin ist und beim Abspeiter ist vielleicht so ein Denken da wie,

wenn ich mich öffne, dann fäll ich komplett die Kontrolle und das kann ich nicht machen.

Woran erkennt man das in seiner eigenen Beziehung?

Ich glaube ein guter Indikator ist dieses Gefühl, dass Emotionen oder der Ausdruck

von Emotionen stark ungleichmäßig verteilt ist in einer Beziehung.

Die dritte Nähe des Transkollusioner Willi, das sind die Anpasser versus die Grenzsetzer.

In Sprach übersetzt, ich pass mich an, damit er ruhig bleibt, versus ich sie klar linien,

sonst verliere ich mich. Und die Dynamik ist ungefähr so, der Anpasser, der stellt die

eigenen Bedürfnisse hinten an, um die Harmonie zu wahren und der Grenzsetzer, der wirkt dominant

oder hart und ist aber in der Situation eigentlich oft selbst überfordert. Einer schweigt sich durchs

Gespräch, um nicht anzuecken, der andere wohnt klarer und immer lauter. Typische Situationen

sind also, dass einer zum Beispiel nie sagt, was er wirklich will. Ist schon okay, das machen wir

so. Wenn du das so mag, dann setzt mir das so um. Der andere, der plant, der entscheidet,

der macht, aber der ist auch ein bisschen genervt von dem Mangel an Rückmeldung.

Das bedeutet auch, dass Urlaub, Freizeit und Eitagsgescheitung, Paarzeit allgemein,

dass das immer ein Kompromiss ist, aber nie einer, der sich wirklich gut anfühlt.

Typische Sprache beim Anpasser wäre, mach du das ruhig, ich will keinen Streit, vollkommen okay,

wenn du das entscheidest. Und beim Grenzsetzer wäre es sowas wie, sag doch mal, was du wirklich

möchtest. Immer muss ich das entscheiden, nie fällt du die Entscheidung mal für uns oder für dich

allein. Wenn wir auf das Inleben schauen, das was die beiden emotional wahrnehmen, dann wäre das

bei dem Anpasser, dass er sich irgendwann ausgelaut und ganz unsicher fühlt und beim

Grenzsetzer, der fühlt sich allein verantwortlich und ungeliebt für das, was er alles absichert.

Woran erkennt man es in der Paarbeziehung, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich in der Anpassung

verliere oder wenn ich das Gefühl habe, dass ganz viel Verantwortung, Entscheidungsverantwortung

vor allem auf meinen Schultern, lastet. Und wenn wir da nochmal hinschauen, das ist ja eine

Paardynamik. Das sind Dinge, die zwei Menschen miteinander erzeugen. Das ist keine persönliche

Schwäche, sondern das ist eine Art Tanzmuster zwischen einem Paar. Die entstehen aus einem

Schutzbedürfnis heraus und die werden aufrechterhalten durch eine innere Angst, die beide Partner

bewusst oder unbewusst verspüren. Und weil das etwas ist, was zusammen erschaffen wird,

ist es auch keine Frage der Schuld, sondern eigentlich braucht es Verständnis von beiden

Seiten für dieses Muster. Wie die beschreibt es ganz perfekt mit Kollusion sind keine

Fehlentscheidungen, sie sind unverändete Aufgaben, sie stabilisieren die Beziehung,

solange die innere Reife fehlt. Und genau da beginnt Entwicklung.

Wie kommen jetzt also von diesem Kollusionsdrama zu so etwas wie co-evolutionäre Beziehung?

Wie schaffen wir es aus der Kollusion raus zu einer gemeinsamen Weiterentwicklung als Paar?

Und der Wendepunkt ist häufig, wenn das alte Muster, das was wir da machen miteinander,

diese Kollusion, wenn das sichtbar wird. Das ist oft ausgelöst durch etwas Schmerzhaftes.

Streit, eine große Krise, ein Schweigen, das man nicht länger aushält. Das ist der Punkt,

an dem dieser alte Tanz, dieses alte Spiel, in dem das nicht mehr funktioniert. Und Widdy nennt

das Enttäuschung. Ent-Täuschung. Die Täuschung über mich, über dich, über uns, die fällt weg.

Ich werde nicht länger getäuscht über die Art und Weise, wie wir beiden als Menschen und

wir beiden als Paar, wie wir wirklich sind. Und was bleibt, ist dann der reale Mensch,

mit all seinen Widersprüchtigkeiten und Ambivalenzen, die wir mit uns rumtragen.

Und dann kann man eintreten in so etwas wie co-evolution. Also Beziehung,

als Raum für wechselseitiges Wachstum zu verstehen. Also nicht, ich muss mich ändern,

damit wir funktionieren, sondern ich bleib bei mir und du bleibst bei dir und daraus entsteht

etwas Drittes. Dieses Dritte ist unsere Beziehung und wir schauen, was jeder von uns einbringen kann,

damit unsere Beziehung wachsen kann. Und das bedeutet auch, dass ich reifen kann in meiner

Beziehung. Ich kann Nähe zulassen, ohne mich aufzulösen. Ich kann mich zurückziehen, ohne dich

damit zu bestrafen. Ich kann mit dir wachsen, ohne mich dabei zu verlieren oder meine Grenzen

zu verliessen. Das heißt, Beziehung sind Räume für individuelle und gemeinsame Entwicklung,

wenn die Kollusion durch Bewusstheit ersetzt wird. Und hier ist ein wichtiger Unterschied zum Thema

Kompromiss. Weil viele Paare dann damit anfangen, Kompromisse zu schließen, wenn sie noch

in der Kollusion stecken. Kompromisse bedeutet immer auch, beide verlieren ein Stück. Es gibt

Teilbereiche, die beide hinter sich lassen, um das gemeinsame voranzubringen. Koevolution heißt,

beide gewinnen an Tiefe und an Differenz und auch ein Stück weit an Würde. Wenn du diese Podcastfolge

bis hierhin verfolgt hast, wo stehst du gerade? Bist du noch mitten in der Kollusion? Bist du gerade

in der Enttäuschung, wo das alte Spiel nicht mehr funktioniert oder seid ihr als Paar schon in

der Koevolution? Lass mich gerne wissen, wie es dir damit geht und schreib mir einen Kommentar

unter diesem Podcast. Was kann Paartherapie hier leisten? Therapie ist nicht dazu da,

dass ein Paar wieder funktioniert, dann wären wir bei Kompromissen. Sondern dass beide verstehen,

was sie tun und warum sie das tun und woher das vielleicht auch kommt. Also auch der Blick in

die eigene Vergangenheit ist oft Teil in einer Paartherapie. Ziel ist also nicht mehr näher

oder weniger Streit, sondern mehr Bewusstheit, mehr Wahlmöglichkeiten und damit auch mehr

Eigenverantwortung für mich und für meine Beziehung. Wenn wir auf Kollusion und Paartherapie

blicken, dann gibt es eine ganze Menge von Sachen, die in einer Paartherapie passieren. Ein

zum Beispiel ist das wir Sprache entschlüsseln. Viele Paare sprechen nämlich gar nicht darüber,

was wirklich passiert. Die Sprache, das ist oft eher ein symptomatisches Muster, an dem man erkennen

kann, was ist das für eine Dynamik, die da herrscht. Du ziehst dich immer zurück, heißt ja

vielleicht auch, ich ertrag meine eigene Ohnmacht nicht. Du willst immer so viel näher, heißt ja

vielleicht auch, ich habe einfach so viel Angst, näher nicht aushalten zu können. Und Paartherapie

macht das sichtbar und fühlbar und sagbar, was bisher eben nur in der bisherigen Sprache versteckt

war. Etwas anderes, was in Paartherapie passiert, nachdem Sprache so ein bisschen entschlüsselt

worden ist, dass Rollen sichtbar werden. Nicht im Sinne, wer macht eigentlich was bei uns in der

Familie, sondern was ist meine Rolle in meiner Beziehung, was verursacht mein Verhalten eigentlich

beim anderen und welche Rückkopplung hat das denn auf mich und wie wirkt sich das wieder auf,

das auf was wir miteinander haben. Das sichtbar zu machen und spürbar zu machen ist ein weiterer

Schritt in der Paartherapie. Und dann wurde klar, dass Klammern vielleicht gar kein Klammern ist,

sondern vielleicht eine Angst verlassen zu werden und das Rückzug vielleicht keine Ablehnung ist,

sondern ein Selbstschutz. Und das, was ich immer mache in Paartherapien, ist, dass ich ganz stark

verlangsame. Das Wesentliche, das passiert so häufig zwischen zwei Sätzen. Wenn wir Prozesse,

Entwicklung verlangsamen, haben wir die Chance, da genau hinzugucken und zu verstehen,

welche Muster da passieren und welche inneren Anteile da aktiv sind.

Und Verlangsamung entsteht häufig, indem wir ihm nicht nur auf Sprache setzen,

sondern indem wir auch körperorientiert Aufmerksamkeit mit ins Spiel bringen.

Was passiert in mir, wenn der andere spricht? Wo fühle ich welches Gefühl in mir? Das sind so

spannende Fragen und die so einen tiefen Einblick bringen in die Dynamik zwischen zwei Paaren,

dass ich mich jedes mal freue, wenn das gelingt, Prozesse zu verlangsamen.

Damit ihr das ein bisschen bietlicher vorstellen kann, wie Paartherapie mit Kollusion funktionieren

kann, möchte ich dir einfach ein paar Interventionen vorstellen, mit denen ich regelmäßig arbeite.

Ich arbeite zum Beispiel häufig mit inneren Dialogen. Was will mein Näheranteil eigentlich

von mir und was braucht mein Rückzugs- oder Distanzanteil?

Und ich mache das ganz häufig mit Yoga-Kissen, dass ich zwei Yoga-Kissen in den Raum lege,

oder vier Yoga-Kissen für jeden Partner einzuzagen und man sich zu dem einen Yoga-Kissen stellt

und überlegt, okay, wenn dieses Yoga-Kissen, wenn das meinen Näheranteil repräsentiert,

was fühle ich hier gerade? Wo in meinem Körper fühle ich das gerade? Was für eine Botschaft

hat dieser Anteil für mich? Was möchte der gerade? Und dann geht man zu dem anderen Yoga-Kissen und

überlegt, okay, wenn das mein Rückzugsanteil, mein Distanzanteil ist, welche Botschaft hat

der denn gerade? Und wo fühle und spüre ich den? Und das Ziel ist, dass beide Anteile einen Raum

haben, ohne dass ich in die Abspeitung komme. Und es entsteht damit eben auch ein Raum für

Selbstmitgefühl und dafür auch für mehr Mitgefühl und Verständnis für mein Partner oder meine

Partnerin, den ich vielleicht gerade bei dieser Übung beobachte. Und die innere Spannung, also

diese Ambivalenz, dass ich beide Anteile irgendwie im mittrage, die wird verstehbar und man kommt

aus dieser Pathologisierung raus. Das ist nicht falsch, dass ich beide Anteile in mir trage und

dass ich sie an unterschiedlichen Stellen und Orten in meiner Beziehung spüren darf. Und dann

sind wir ja auch schon wieder in dem Thema Kollusion, denn das Problem und das, wo da es ziemlich

sichtbar liegt, gar nicht in meinem Gegenüber, sondern das liegt eben ganz häufig in dieser Ambivalenz

in mir selbst. Eine andere Methode ist, dass ich Muster gerne mit Moderationskarten sichtbar

mache. Und das bedeutet auch, dass ich häufig Muster zuspitze, damit sie wirklich glasklar

von beiden gesehen werden können. Also wer trägt welches Muster und welche Funktion hat es in dem

Paarsystem. Und es fängt damit an, dass wir zu dritt diese implizite Abmachung, diese Kollusion,

dass wir die aufschreiben. Ich bin der Starke, du bist der Empfindliche. Ich pass mich an, du

entscheidest. Und wir weisen diese Rollen zu. Der eine ist dann derjenige, der der Starke ist, der

andere, der oder die andere, die die Empfindliche ist. Und die Karten werden beschriftet. Und da ist

die Frage, was erkauft sich die Person durch diese Rolle? Ist es Ruhe, ist es Anerkennung,

ist es Kontrolle? Und dann aber auch die Frage, was verliert sie denn dadurch? Kontakt, Liebendigkeit,

Freiheit vielleicht? Und dadurch wurde Kollusion sichtbar und besprechbar und dann werden auch

andere Wünsche und Sehnsüchte deutlich, die in dieser Kollusion stecken. Und es hilft dabei,

ein Muster aufzudecken, das sich gegenseitig bestärkt, so wie wir das oben schon besprochen

hatten, und nach Alternativen zu suchen. Was ich häufig erlebe ist, dass Paare, wenn sie dieses

Muster sehen und verstanden haben, dass sie sagen, ah so ist es. Es ist also gar nicht irgendwie

was falsch mit mir oder was falsch mit meinem Partner, sondern ich verstehe jetzt, dass wir

uns gegenseitig befeuern. Und wenn wir das sein lassen würden, hätten wir wahrscheinlich auch

eine andere Art an Beziehung, die uns wahrscheinlich deutlich besser gefallen würde, als die Kollusion,

die wir gerade lieben. Eine andere Art und Weise, um diese Kollusionsmuster aufzuzeigen, ist indem

wir aufstellen. Aufstellen bedeutet, dass Paare im Raum verteilen oder dass sie sich selber im Raum

so positionieren, wie sie das Gefühl haben, dass Nähe und Distanz passen. Meistens gehört

zu der Paarbeziehung aber auch noch eine ganz Menge andere Sachen. Also da sind noch die Kinder

mit dabei oder vielleicht auch noch die eigenen Eltern mit dabei. Da gibt es manchmal einen Arbeitskontext,

der mit reingehört Ex-Partnerinnen, Patchwork-Familien und so weiter. Es gibt meistens einen großen

Kontext, in dem dieses Paar sich bewegt und es gibt immer wie bei einem großen Mobilee diesen Aspekt,

dass sich alles irgendwie gegenseitig beeinflusst. Um das nochmal deutlich zu machen, gleichzeitig

auf die Kollusion gucken zu können, da sind Ausstellungen ganz praktisch. Jetzt habe ich

natürlich nicht 25 Gäste im Therapiezimmer, die da mitmachen. Deswegen bin ich wieder bei den

Yoga-Kissen, die dann als Stellvertreter für zum Beispiel ein Kind oder für die eigene Mutter

stehen und die dann irgendwie auch im Raum so positioniert werden, dass Nähe, Distanz und die

Dynamik zueinander sichtbar wird. Und das ist ja kein starres System, sondern ich kann mir schon

überlegen, wie ich mich dann selber verändern könnte, um mehr Nähe oder einfacher in die Distanz

zu gehen als es bisher ist. Und dadurch, dass wir da zu dritt sind, also ein Paar und ich, ist es auch

immer möglich, das Feedback von meinem Lieblingsmenschen oder von dem Lieblingsmenschen des Partners,

mit dem ich dort dann arbeite, alles zu uns zu fragen. Wie fühlt sich das denn für dich an,

wenn jetzt dein Lieblingsmensch einen Schritt auf dich zugeht oder sich so halb von dir wegdreht?

Was wurde das bedeuten im realen Leben, diese Bewegung? Ausstellungen sind wirklich kraftvoll

Übungen, die ich sehr, sehr gerne mache und die meistens großer Aha-Momente mit sich bringen und

häufigen Perspektivwechsel. Deswegen arbeite ich wirklich gerne mit denen.

Einer meiner Beobachtungen in der Paartherapie ist, dass wenn dann die Muster klar sind, man verstanden

hat, wie diese Dynamik in der Kollusion geschieht und die Paare dann auch durch diese Enttäuschung

durch sind. Und das ist ja auch ein Prozess, den ich in der Paartherapie mit begleite,

das dann in der Koevolution bei diesem Begriff von Millie zu bleiben, dass es da häufig an der

richtigen Sprache fehlt. Was heißt an der richtigen Sprache? Es fehlt meistens daran, also die haben

ein Paar hat zwar sie 20 Jahre lang geübt, setz zu sagen, wie du bist nie da, wenn ich dich brauche

und jetzt haben sie erkannt, dass das nicht hilfreich ist und es fehlt dann häufig eine Sprache,

die dieses Muster nicht befeuert und das zu üben, neue Sprache auszuprobieren, ist dann auch Teil

in der Paartherapie. Und das ist ganz spannend zu sehen, Sätze zu formulieren, auszuprobieren,

zu fragen, wie sie auf den anderen Partner wirken, wie eine Antwort aussehen könnte und so weiter,

also auch da entstehen ganz spannende Dynamiken und häufig üben sich Partner da auch noch mal

im Zuhören anstatt sich zu verteidigen und das sind oft die ersten Schritte, um wieder in Verbindung

zu kommen und sich wieder anzunehmen und das mit einem neuen Blick auf den Partner, der ja vorher

stattgefunden hat. Es hat dir ja schon mitbekommen, dass ich mit meinen Paaren häufig auch mal in

der Natur unterwegs bin, irgendwas, was ich wirklich wahnsinnig gerne mache und auch da gibt es Übungen,

um nähe des Tanz gut regulieren zu können. Eine Sache, die ist ganz einfach und bringt häufig

ganz viel ist, wenn zwei Paare aus der Entfernung aufeinander zugehen, bis sie das Gefühl haben,

jetzt führt es sich für mich gut an. Also wo ist dein Punkt an Nähe, der sich gut anfühlt und

wo ist mein Punkt an Nähe, der sich gut anfühlt und zu üben, da im Kontakt zu bleiben, die Nähe

zuzulassen, die Distanz zuzulassen, ohne den anderen abzuleden oder sich selbst abgelehnt

zu fühlen in der Distanz, die vielleicht im Raum ist oder bedrängt zu fühlen mit der Nähe, die

man vielleicht gerade als zu nah empfindet. Das ist eine ganz einfache Übung, die häufig aber,

weil sie eben so wenig mit Sprache zu tun hat, ganz tief wirkt, weil es, weil sie so viele Emotionen

sichtbar macht. Bei all diesen Übungen, die ich gerade erzählt oder von denen ich gerade erzählt

habe, habt ihr vielleicht schon bemerkt, es geht nicht darum, was ist richtig und was ist falsch,

und da ist ein Therapeut, der euch nicht erzählt, wie Beziehung zu funktionieren hat,

sondern wo sind eure Entwirkungschancen, welche Muster hindern euch gerade daran,

miteinander gut in Kontakt zu sein und zu bleiben. Und ich möchte nochmal zu dem Grundgedankung zurück,

dass Nähe und Distanz, das sind zwei Pole zwischen denen wir pendeln dürfen und das ist keine

Fehlerquelle, sondern das ist Lebendigkeit und Kollusion, das ist nicht das Ende von Entwicklung,

sondern das ist ganz häufig der Anfang von Bewusstheit. Und diese Bewusstheit sorgt für

Veränderungen und dafür, dass wir Nähe und Distanz so leben, so miteinander leben können,

dass es sich für beide Teile gut und bereichernd anfühlen.

Zum Schluss möchte ich dir drei Reflexionsfragen mit auf dem Bild geben.

Die erste Frage ist, wo ist gerade meine Sehnsucht? Brauche ich gerade mehr Nähe oder brauche ich

gerade mehr Distanz? Wenn ich meine Beziehung als Kollusionstypen beschreiben müsste,

sind wir dann eher die Klammerer Rücksübler, die Dramatisierer und Abschweiter oder sind wir

eher diese Anpassagrenzsetzer Typen? Und die dritte Frage wäre, wenn ich eher der Näh suchende

oder eher derjenige bin, der im Rückzug ist, was genau schützt dieses Verhalten eigentlich in mir?

Und wenn du merkst, dass ihr euch immer wieder in den selben Mussern verliert, wenn du spürst,

dass Nähe sich auf Engen oder Distanz sich auf Kalt anfühlt, dann kann Partherapie an Ort sein,

an dem ihr gemeinsam neue Wege entdecken könnt. Und ich mache das gerne in meiner Praxis draußen

in der Tour, aber auch online, wenn ihr von weiter weg kommt. Und ich helfe euch dabei,

Kollusion zu verstehen und euch wieder neu zu beginnen. Wenn du dich angesprochen fühlst,

dann freue ich mich, wenn du ein unverbindliches Erstgespräch über meine Website boost. Den

Link dazu findest du in den Shownutz. Vielleicht ist das ja ein guter Moment für den Anfang.

Es grüßt und winkt dein Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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