Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Bezio. Ich habe schon ein paar Mal erwähnt, dass ich viel
mit meinen Klienten auch im Freien im Wald arbeite und was ich näher als diesen Podcast auch in
den Wald zu verlegen. Es ist also ein neues Format, Walk and Talk. Ich laufe für dich, vielleicht auch
mit dir durch den Wald zu meinen Lieblingsorten. Du darfst dabei sein und ich versuche dir,
einen kurzen Impuls für deine Beziehung mitzugeben. Starten möchte ich mit einem ganz
grundlegenden Thema. Nimm mich mit der Frage nach Nähe und Distanz. Nähe und Distanz sind zwei
Prode, die wir beide in uns tragen, die beide gelebt werden wollen und wir schwanken zwischen beiden
Polen. Kann es sich so ein bisschen vorstellen, wie zwei Federn, die an einem Mobilee hängen und je nachdem,
wie das Wetter, der Wind, der Eiltag ist, bewege sich diese Federn auf und ab an diesem Mobilee
und so ähnlich ist es auch mit unseren Bedürfnissen nach Nähe oder nach Distanz. Es gibt Zeiten, in denen
möchte ich mich ganz verbunden mit meiner Partnerin fühlen und es gibt Zeiten, in denen es gut ist,
wenn ich mich um mich selber kümmere und meine eigenen Abenteuer erlebe oder meine Projekte
freien treibe. Und es gibt immer wieder Zeiten, in denen dieses Auf und Ab zwischen Nähe und Distanz,
in denen das von außen beeinflusst wird, weil es Projekte gibt auf Arbeit, die dafür sorgen,
dass ich weniger Zeit in meine Beziehung stecken kann. Weil irgendetwas anderes passiert, dass dafür
sorgt, dass ich meinem natürlichen Bedürfnis nach Nähe oder nach Distanz im Moment vielleicht nicht so
nachkommen kann, wie ich das gerne möchte. Interessanterweise kehren wir aber immer wieder
zu unserer Ausgangslage, zu unseren Grundbedürfnissen zurück und dieses Grundbedürfnis, das ist von
Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt Menschen, die sehen sich nach ganz viel Nähe und brauchen
relativ wenig Zeit für sich selbst, um aufzutanken und es gibt Menschen, bei denen ist es genau andersrum.
Wenn ich in einer Beziehung lebe, dann ist mein Mobilee, mein Bedürfnis nach Nähe und Distanz
verknüpft mit dem Bedürfnis von meinem Lieblingsmenschen nach Nähe und Distanz. Und wenn wir das gut
miteinander Hand haben, bedeutet das, dass ich Raum geben kann, wenn meine Partnerin Raum braucht
und dass ich Nähe und Geborgenheit geben kann, wenn genau das gebraucht wird. Und das Schöne ist,
dass es in Partnerschaften wechselseitig ist. Also wir können Raum gehen, aufeinander eingehen und
schauen, dass die Bedürfnisse, die ich habe und die mein Lieblingsmensch hat, dass die gelebt und
befriedigt werden können. Nicht immer sofort und vielleicht auch nicht immer in dem Maß, wie ich
oder mein Lieblingsmensch sich das wünscht, aber doch so, dass kein großer Mangel entsteht. Und genau
dieses Mangelgefühl begegnet mir bei den Paaren, mit denen ich arbeite. Es gibt also Partner, die
das Gefühl haben, in ihrem Bedürfnis nach Nähe oder nach Rückzug oder Niedheim nicht gesehen zu
werden. Und ich möchte dich einladen, da einmal hinzuspüren und dir zu überlegen, gibt es in meiner
Beziehung einen Mangel in einen dieser beiden Bereiche. Gibt es gerade eine Sehnsucht nach
mehr Verbundenheit und Nähe oder gibt es eine Sehnsucht nach Rückzug und für mich sein dürfen?
Und wenn das so ist, dann lad ich dich ein, einen Wunsch zu formulieren und den nicht als Vorwurf
zu formulieren oder als Bitte, die unbedingt erfüllt werden soll, sondern sie so zu formulieren,
dass du gehört wirst und dass dein Partner, deine Partnerin die Möglichkeit hat, aus freien
Stücken daraus zu reagieren. Häufig beginne mir Paare, die in beiden Bereichen eine Mange erleben.
Die sind so eingespannt in ihrem Alltag und beschäftigt mit Kindern und Arbeit und allem
anderen, was da so ansteht, dass da eine große Sehnsucht nach mehr Nähe und mehr Verbundenheit ist
und gleichzeitig auch eine große Sehnsucht nach. Ich bräuchte eigentlich auch mal Zeit für mich.
Und dann stellt sich die Frage, wenn ich diese beiden Sehnsüchte in mir spüre, womit fange ich an?
Worauf soll ich zuerst mein Fokus setzen? Ich glaube, wenn man sein Partner oder seine Partnerin
richtig wahrnehmen möchte und aktiv zuhören möchte, wenn man präsent sein will in Gesprächen und
in der Zeit, die man als Paar miteinander verbringt, dann braucht man dafür genügend
Reserven, genügend Kraftreserven. Und die Kraftreserven kriegt man nicht in der Verbundenheit,
sondern die kriegt man in der Regel in der Zeit, die ich mir für mich selber nehme.
Wenn es also auch für dich geht, wenn du das Gefühl hast, ich habe einen Mangel in beiden
Bereichen und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll, dann wäre eine Idee, bei dir anzufangen.
Bei der Zeit, die du dir für dich nimmst. Und ich möchte dich einladen, diese Zeit ganz bewusst
zu nutzen und gut zu nutzen. Ich erlebe immer wieder, dass Paare so erschöpft sind, dass sie
MeadTime dazu benutzen, um einfach mal auf der Couch zu liegen und Netflix zu gucken und da
nichts denken zu müssen. Und das ist auch erstmal völlig legitim. Aber es sollte vielleicht nicht
dabei bleiben. Denn auch Zeit mit dir selber sollte Quality Time sein. Du solltest Dinge machen,
die dich aufbauen und dir Kraft schenken. Such dir also etwas Kleines, Einfaches,
nichts der Zeitintensives, dass du ohne langen Vorlauf umsetzen kannst, das dir Kraft schenkt
und dir Spaß macht. Und auch hier geht es, im Gespräch zu bleiben und klar und deutlich die
eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren, aber vielleicht auch mitzuteilen, was man denn erlebt
hat und worüber man sich gefreut hat und den anderen teilhaben zu lassen an seiner eigenen
MeadTime. Ich werde noch einen Moment hier stehen bleiben und die Sonne genießen, den Vögel
nauschen und das Grün um mich herum bestaunen. Und ich will dich einladen, bei der nächsten Folge
vielleicht selbst in den Wald zu gehen und mir zuzürren. Ich freue mich, dass du mir deine
Zeit geschenkt hast. Es grüßt und winkt dein Thorsten.