gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich Willkommen bei Gut im Beziehung.

Ich heisst Thorsten und ich freue mich riesig, dass du mir zumerst.

Heute sprechen wir über ein Thema, das fast alle Beziehungen beeinflusst, aber das auch

oft irgendwie im Verbauen bleibt, nämlich Macht im Beziehung.

Und das ist tatsächlich ein weiteres Geheimnis glücklicher Beziehung, von dem Gottmann redet.

Wir schauen uns also an, was die Wissenschaft dazu sagt, wie Macht Beziehung verändert,

welche Unterschiede es gibt zwischen Männern und Frauen und wie Paare Machtspiele vermeiden können.

Und am Ende gibt es eine kleine Übung an die Hand, mit der ihr eure Kompromissbereitschaft stärken könnt.

Hast du dies schon mal gefragt, wer in deiner Beziehung eigentlich die Entscheidung trifft?

Oder ob deine Bedürfnisse genauso wichtig sind wie die von deinem Lieblingsmenschen?

Wenn ja, dann bleibt dran, denn dann ist diese Folge genau richtig für dich.

Was bedeutet Macht in Beziehung?

Lass uns mit einer Definition beginnen.

Macht in Beziehung bedeutet, die Fähigkeit, Entscheidungen zu beeinflussen oder durchzusetzen.

Dabei kann Macht ganz viele unterschiedliche Formen annehmen.

Es gibt zum Beispiel finanzieller Macht.

Wer mehr verdient, hat oft mehr Kontrolle über die gemeinsamen Ressourcen und Ausgaben.

Und es gibt emotionale Macht.

Wer emotional unabhängiger ist, hat oft eine stärker Verhandlungsposition.

Und es gibt soziale Macht.

Wer über ein größeres Netzwerk verfügt oder mehr Rückhalt aus seiner Herkunftsfamilie hat, hat oft ein Vorteil.

Und jetzt mal ehrlich, fühlst du dich in deiner Beziehung manchmal so, als wärst du derjenige, der mehr Kompromisse eingehen muss?

Oder merkst du, dass dein Partner oft entscheidet, ohne dich mit einzubeziehen?

Und ich glaube, es wäre gut, wenn du dir das aufschreibst, damit du es im Kopf behalten kannst und hinterher aktiv darauf eingehen kannst.

Und du merkst schon, das Problem mit Macht ist nicht, dass es existiert, Macht es in jeder Beziehung vorhanden.

Problematisch wird es, wenn sie unausgeglichen ist oder wenn sie manipulativ eingesetzt wird.

Die Forschung zeigt, dass Macht zu einer Art emotionalen Distanz in Beziehung führen kann.

Und Gott, man beschreibt genau das, dass Menschen in Machtpositionen oft weniger auf die Bedürfnisse ihres Partners eingehen.

Sie treffen Entscheidungen, ohne sich abzusprechen oder sie ignorieren die Signale, die der Lieblingsmensch ihnen gibt.

Und kurz gesagt, sie kommunizieren einfach weniger emotional intelligent.

Und das führt häufig dazu, dass Beziehungen weniger glücklich sind.

Und wenn es um Macht geht, gibt es eine ganze Menge von Geschlechterunterschieden in Paarbeziehungen,

wohl bemerkt in heterosexuellen Paarbeziehungen.

Und das kann man auf gesellschaftliche, aber auch auf biologische Faktoren zurückführen.

Wenn wir jetzt zuerst auf gesellschaftliche Prägungen schauen,

dann können wir feststellen, dass traditionell in vielen Kulturen erwartet wurde,

dass Männer die Rolle des Versorgers und Entscheidungsfeld erst übernehmen,

während Frauen die emotionale Arbeit und Kehrarbeit leisten.

Also die Verantwortung vor Harmonie, Kommunikation und Empathie, die lag bei den Frauen.

Und dieses Rollenmuster, das beeinflusst heute noch viele Beziehungen, auch oft unbewusst.

Studien zeigen, dass Männer in Konflikten häufiger dazu neigen, sich zurückzuziehen

oder Entscheidungen alleine zu treffen.

Frauen hingegen setzen den Fokus eher auf Bindung und suchen nach Kompromissen.

Es sind also häufig die Frauen, die auf Gespräche drängen, während Männer sich häufiger entziehen.

Und dieses Muster, das wird auch Demand-Witwap-Pattern genannt,

das führt dazu, dass die Macht Ungleichgewicht in einer Beziehung sich verstärken.

Und bei allen Geschlechterunterschieden stellt sich die Frage, ob ich gelernt habe,

vor allem, ob ich als Mann gelernt habe, im Gespräch zu bleiben.

Im Gespräch zu bleiben, dann, wenn es Herausforderungen in meiner Beziehung gibt.

Denn das Ungleichgewicht von Macht kann ganz viele unterschiedliche negative Auswirkungen haben.

Ein paar will ich kurz auflisten.

Weniger Intimität.

Wenn eine Person das Gefühl hat, dass ihre Bedürfnisse übergangen wären,

dann entsteht emotionale Distanz.

Und man hat mehr Konflikte.

Machtungleichgewichte führen häufig zu einem Kampf um die Kontrolle.

Wer von uns hat jetzt das Sagen?

Studien zeigen, dass Paare mit ausgeglichenen Machtverteilungen

weniger Streiten, schneller Konflikte lösen und glücklicher sind.

Und auch die allgemeine Zufriedenheit von Paaren sinkt, wenn es Machtungleichgewichte gibt.

Und das haben Sponsor und Family in einer gemeinsamen Studie herausgefunden.

Wie kann ich jetzt Machtungleichgewichte in meiner Beziehung vermeiden oder wieder Balance herstellen?

Ein Großteil der Lösung dreht sich darum, A. miteinander im Gespräch zu bleiben und B. gute Kompromisse zu finden.

In der Podcastepisode vom 11. Oktober letzten Jahres,

da spreche ich über gute Kompromisse und wie man die finden kann.

Hör da gerne rein, wenn du mehr dazu erfahren möchtest.

Hier die Kurzfassung.

Erstens, ich muss meine Bedürfnisse kennen.

Ich muss wissen, was meine Must-Haves sind und was meine Nice-to-Haves sind.

Ich muss also zumindest im Ansatz wissen, worauf kann ich verzichten und worauf kann ich nicht verzichten.

Zweitens, ich muss mein Standpunkt heilen.

Das heißt, ich muss mich mitteilen und das mit einer Haltung von

ich will, dass du mich verstehst, ich will dich nicht angreifen, ich will mich selbst nicht verteidigen.

Und wenn du mir antwortest auf meine Fragen, dann habe ich eine Haltung von wertschätzender Neugierder.

Auch ich will verstehen, was deine Nice-to-Haves und deine Must-Haves sind.

Drittens, eine Basis finden.

Also die Frage, wo sind wir uns einig, wenn es darum geht, einen Kompromiss zu finden?

Was ist uns beiden wirklich wichtig?

Was sind die Vorteile davon?

Der vierte Punkt, Flexibel bleiben.

Wo bin ich bereit, meine Nice-to-Haves aufzugeben oder zumindest das ein oder andere zu überdenken?

Welche Vorteile hätte das für meine Beziehung, wenn ich mich von der ein oder anderen

Sache trennen würde?

Im vorletzten Schritt geht es darum, diesen Kompromiss umzusetzen und dabei Flexibel zu sein,

weil es sehr gut sein kann, dass wir uns in unserer Fantasie etwas ausmalen

und es im echten Leben nicht so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben.

Es ist also nötig, Kompromisse auszuarbeiten, so umzusetzen und dann auch weiterhin im Gespräch miteinander zu bleiben.

Und der sechste Punkt, wenn es euch schwer fällt, Kompromisse zu finden und ihr ewig ins Streiten kommt,

dann sucht euch externe Hilfe.

Ich hatte vorhin erwähnt, wenn es darum geht, Machtverhältnisse gerade zurück oder wieder im Ballon zu finden,

braucht ihr zwei Sachen.

Das eine ist, ihr müsst einander zuhören und im Gespräch bleiben und das zweite ist, Kompromisse zu finden.

Über Kompromisse habe ich gerade geredet.

Zur ersten Sache zum aktiven zuhören, möchte ich euch eine kleine Übung mit an die Hand geben.

Diese kleine Übung könnt ihr gerne zwischendurch beim Autofahren machen.

Stellt euch vor, ihr plant den Urlaub für das nächste Jahr.

Sucht euch bitte ein möglichst exotisches Urlaubstil aus.

Etwas, wo ihr vielleicht auch wisst, euer Partner, eure Partnerin hat da nicht unbedingt Lust drauf.

Und dann ist eure Aufgabe, den anderen von eurem Urlaubsort, von eurem Urlaubsziel zu überzeugen.

Der Hack in der Geschichte, ihr dürft das Wort aber nicht verwenden, sondern solltet durch und ersetzen.

Wenn ich also nach Norwegen um meine Frauen die Karibik möchte, dann könnte ich zum Beispiel sagen,

nachdem ich das Argument meiner Frau gehört habe und auf den Ofoten geht die Sonne im Sommer nicht unter.

Und in der Karibik gibt es herrliches exotisches Urlaubst und so weiter.

Das aber mit einem Un zu ersetzen führt dazu, dass ihr weniger in eurer Position bleibt, macht mehr Teilen könnt.

Und es führt dazu, dass ihr eher ins aktive Zuhören kommt.

Schaut mal, ob ihr die Standpunkte eures Gegenüberes gut nachvollziehen könnt.

Macht es ein natürlicher Bestandteil in jeder Beziehung?

Wie jeder damit umgeht, das entscheidet ihr und ob sie eure Beziehung stärkt oder schwächt, das entscheidet ihr damit auch.

Und das Geheimnis liegt also in einem gut ausgeglichenen Machtverhältnis, das für beide Seiten in Ordnung ist.

Wenn Machtungleichgewichte in deiner Beziehung eine Rolle spielen und du nicht weißt, wie du das lösen kannst,

dann möchte dich an dieser Stelle herzlich zum Workshop am 22. Februar in Berlin einladen.

Das ist ein Familienaufstehungsworkshop. Alle Details dazu findest du in den Schoenlords.

Ich freue mich, wenn du mit dabei bist.

Ich danke dir fürs Zuhören und dass du heute mit dabei warst.

Bis zum nächsten Mal.

Und es grüßt und winkt dein Torsten.

Copyright WDR 2020

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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