Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich Willkommen, du hörst Gut im Beziehung, dein Podcast für eine starke
und lebendige Liebesbeziehung.
Ich heiß Thorsten, ich bin Paartherapeut und ich glaub daran, dass du Krisen überwinden
und ihr euch als Paar neu entdecken könnt.
Wie schön, dass du mir zuhörst.
Heute geht es um das Geheimnis langjähriger Beziehungen.
Was brauchen Paare, um wirklich lange zusammen zu bleiben und mit lange meine ich richtig,
richtig lange.
Genau dieser Frage sind zwei australische Forscher nachgegangen.
Wir haben sich gefragt, warum halten manche Beziehungen so außerordentlich lange und
die haben eine qualitative Studie durchgeführt mit einem generationsübergreifenden Ansatz.
Ich erzähl gleich, was damit gemeint ist.
Die haben Paare befragt und die haben die Paare zuallererst in zwei Gruppen eingeteilt.
Eine Gruppe waren Paare, die drei bis 15 Jahre in Beziehung sind, das finde ich schon relativ
lange und haben eine zweite Gruppe gestellt mit Paaren, die 40 Jahre oder länger zusammen
sind.
Und die haben die erste Gruppe gefragt, Mensch, was würdet ihr denn gerne von den Paaren,
die 40 Jahre oder länger zusammen sind, wissen wollen.
Und die Frage, die am häufigsten kam, war, was ist euer Geheimnis für eine langenlebige
Beziehung?
Und diese Frage wurde dann von der zweiten Gruppe, von den Paaren, die 40 Jahre oder
länger zusammen sind, beantwortet und es haben sich Muster rausgebetet und um diese Muster
soll es heute gehen.
Bevor wir jetzt zu den sieben Kernantworten kommen, die die Gruppe der Paare gegeben hat,
die 40 Jahre und länger zusammen sind, hier noch eine kleine Rennbemerkung.
Denn ich fand die Frage an sich sehr bemerkenswert, denn anscheinend haben Paare im Kopf, dass
so lange zusammen zu sein, dass das kein Automatismus ist, dass man dafür ein Geheimrezept
braucht, dass es nicht normal ist, so lange glücklich in einer Beziehung zu sein.
Und ich möchte das ein bisschen in Frage stellen, denn ich glaube, wenn wir mit einem anderen
Paradigma durch die Gegend laufen, wo nämlich das es Normalität ist, glücklich in Beziehung
zu sein und lange zusammen zu bleiben, dass das allein das wurde etwas verändern.
Okay, aber jetzt zu diesen sieben Geheimzutaten für wirklich lange und glückliche Beziehungen.
Der erste Punkt ist Commitment.
Commitment bedeutet, dass ich mich bewusst für meine Beziehung entschieden habe, auch in schwierigen
Zeiten. Die älteren Paare sprachen von der Ehe als einem Heiligen Bund, der nicht leichtfertig
gebrochen werden sollte. Sie erwähnten auch, dass man sich gegenseitig treu sein soll, dass
Loyität und Respekt eine große Rolle spielen. Commitment bedeutet für mich, dass ich mich
aktiv und täglich für meinen Partner entscheide und dass ich meinem Partner wissen lasse, dass
ich an seiner Seite bin. Ich habe in diesem Podcast schon häufiger mal von Gottmann gesprochen und
der schreibt zu Commitment, Commitment bedeutet, sich zu entscheiden und zwar nicht einmal für
ein Partner, sondern täglich für eine Beziehung. Und ich finde das so treffend, dass ich es gar
nicht doll genug betonen kann, wie wichtig es ist, wie wichtig es ist, sich täglich für seine
Beziehung zu entscheiden. Und ich merke das auch in der Pantherapie. Häufig ist der erste Schritt,
dass wir daran arbeiten, Beziehung nicht mehr in Frage zu stellen, sondern eine Haltung einzunehmen,
in der es darum geht, Beziehung zu verändern. Das heißt, ich darf mich streiten, ich darf
mich fetzen, wir dürfen diamantale Gegengesetze Meinung haben, es darf Missverständlichste geben,
ich darf wütend oder verletzt sein, aber die Beziehung an sich in Frage zu stellen,
das ist eine rote Linie und wir arbeiten ganz häufig daran, diese rote Linie nicht länger zu
überschreiten. Und es geht auch ganz ohne Streit, Guy Bodemann, das Professor für klinische
Psychologie und ein starker Verfechter für Commitment in Beziehung und der schreibt,
dass sich viele Paare trennen, auch ganz ohne Verrückung, ohne große Streit, ohne Krisen,
einfach weil das Commitment fehlt. Und der schreibt weiter, dass Commitment irgendwie auch dem Zeitgeist
widerspricht. Wir wollen frei sein, wir wollen unabhängig sein und Commitment steht immer in
dem Verdacht, uns einzuengen, dass ich mich dann nicht mehr so frei fühlen kann, dass ich ein
Stück war, die man anderen mittragen und mitdenken muss. Und Bodemann unterscheidet drei
Commitment Formen und vielleicht kannst du mal für dich gucken, welche dich am ehesten anspricht,
wo du stehst. Das erste ist ein kognitives Commitment, ich sage und ich verspreche,
dass ich da bin in meiner Beziehung. Das zweite ist ein emotionales Commitment, das heißt ich
habe den Wunsch, jemanden exklusiv emotional nahe zu sein. Und ich finde, das ist eine gute
Definition von Intimität. Und das dritte Commitment, das Bodemann beschreibt, das ist ein
sexuelles Commitment. Das bedeutet, dass ich treu bin und dass wir exklusiv mit unserer Sexualität
umgehen. Wenn Commitment ein Thema in deiner Beziehung ist, ein Thema für dich ist,
dann mir meine Frage, was sich verändern würde, wenn du diese rote Linie akzeptieren
würdest und du dich entscheidest, nicht mehr darüber zu treten. Das zweite Kernthema ist
Altruismus. Und in dem Zusammenhang sprachen viele Paare davon, dass sie lieber als eine
Handlung und nicht als ein Gefühl sehen. Liebe ist das, was ich für den anderen tue.
Altruismus ist wirklich guter Forsch, das hat ganz viele Vorteile und einer der wichtigsten
ist, wie ich finde, dass wir Vertrauen in das Gute des anderen entwickeln. Und Altruismus macht
zufriedener. Ist das also auch eine Form von Selbstversorgung altruistisch zu sein, weil es
mir damit auch selbst besser geht. Und Altruismus ist ähnlich wie Commitment ein
Two-Wort. Das heißt, ich entscheide mich für Altruismus und setze die Ideen um, die ich da zu
habe. Und es lohnt sich mit dieser Altruismus-Brille auf der Nase, nicht darauf auf Emotionen zu
warten, denn die Emotionen folgen dann unseren Handlungen. Wenn Altruismus dein Thema ist,
dann überlegt ihr, wie du heute deinen Lieblingsmenschen unterstützen könntest.
Die dritte Geheimzutat sind gemeinsame Werte. Die Tat, die Paare, die befragt wurden,
die teilt mit, dass sie einen ähnlichen Blick aufs Leben haben. Sie haben eine gemeinsame
Vision für die Zukunft, in allen wichtigen Fragen zur Religion, Erziehung, Finanzen usw.
Stimmen sie weitestgehend miteinander überein und sie berichten auch, dass sie häufig
ähnliche Projekte zusammen verfolgen oder gemeinsame Hobbys haben.
Werte sind unsere tisten Überzeugung und sie geben unseren Leben eine Richtung, eine
Richtung, die wir mit unseren Werten auch ein Stück weit selbst gewählt haben. Und je
mehr unsere Ziele und Aktivitäten auf unseren Werten basieren, desto mehr identifizieren
wir uns auch mit ihnen. Wir gehen ihnen gerne nach, auch wenn sie nicht immer Spaß machen
und der Grund dafür ist, dass sie dementsprechend was uns unserer Vorstellung nach glücklich
macht oder was ein gutes Leben ausmacht. Und natürlich darf man in Partner-Faffen auch
unterschiedliche Werte haben. Und das gehört dazu, dass man nicht in allen Bereichen, in
allen wichtigen Lebensfragen der Chor geht und das birgt ein gewisses Konfliktpotenzial.
Aber ich finde, weder man findet eine Lösung, wenn man keine Lösung findet, dann findet
man eine Haltung zu dieser Unterschiedlichkeit, die beide mitbringen. Und bei aller Unterschiedlichkeit,
die man mit Werten haben kann, finde ich, braucht es mindestens einen gemeinsamen Wert, nämlich
dass ein Beziehung wichtig ist und man gemeinsam wachsen möchte. Wenn Werte dein Thema sind,
dann wäre ein erster Schritt mal zu schauen, was sind denn deine Werte, was sind deine
Grundüberzeugungen und was glaubst du, sind die Grundüberzeugungen von deinem Gegenüber.
Die vierte Zutat zu einer langen und glücklichen Beziehung ist gute Kommunikation. Die Paare,
die befragt worden sind, die haben betont, wie wichtig es ist, offen, ehrlich und respektvoll
miteinander zu reden. Sie sprachen davon, wie wichtig es ist, zuzuhören, zu verstehen,
Feedback zu geben und Konflikte konstruktiv zu lösen. Aber auch im Lachen und Spaß haben gehört
zur Kommunikation dazu. Kommunikation ist ein Riesenthema, deswegen nur zwei Dinge an dieser
Stelle. Einmal eine Buchempfehlung zum Selbststudium. Ein Klassiker wäre miteinander reden von
Schulz von Thon. Und ein zweites Buch, das ich empfehlen kann, ist Gewaltfreie Kommunikation von Rosenberg.
Und das zweite finde heraus, ob Kommunikation dein Thema ist. Fragt dich, ob du mit deinem
Lieblingsmenschen über alles reden kannst oder gibt es Themen, die tabu sind? Gibt es Themen,
bei denen du das Gefühl hast, ich kann sie nicht anbringen, weil mein Gegenüber ungünstig
reagieren würde, verärgert reagieren würde. Wenn das der Fall ist, dann ist Kommunikation etwas,
an dem ihr arbeiten könnt. Und du kannst heute damit anfangen, indem du beginnst, aktiver zuzuhören.
Die fünfte Zutat sind Kompromisse. Gute Kompromisse einzugehen, das ist die hohe Kunst der Kommunikation.
Es bedeutet, dass ich so sein darf, wie ich bin, dass ich mich nicht verbiegen muss und das ist
dass es vor allem um die Sache geht. Es ist nicht um Machtverhältnisse, um Gewinnen und
Verlieren geht, sondern dass die Sache, dass das wir wollen, dass das im Vordergrund steht.
Ich gehe zum Beispiel gern ins Theater. Wenn meine Frau das Stück aussucht oder ein Theaterstück
aussucht, das ich wahrscheinlich selber nicht ausgesucht hätte, dann ist das trotzdem okay,
weil ich weiß, dass ich mir mit meiner Frau im Theater trotzdem einen schönen Abend machen kann.
Und somit bekommt jeder ein Stück weit das, was er möchte. Meine Frau, das Theaterstück,
dass sie sich wünscht, ich trotzdem einen wirklich netten Abend mit einer tollen Frau im Theater.
Bei Kompromissen können ganz viele Dinge schieflaufen. Ich muss mich manchmal verbiegen,
damit wir ein Kompromiss finden und das frustriert auf Dauer. Und ich finde,
es ist die viel bessere Art oder die viel bessere Haltung, wenn man sich gegenseitig
beschenkt. Einen Tag ist die Lieblingsaktivität des einen dran, am nächsten Tag wird der Wunsch
des anderen erfüllt. Wenn ich mich ständig verbiege für meinen Partner, dann weiß ich nach
einer Weile gar nicht mehr, was ich eigentlich selber möchte. Und ich verliere damit an Persönlichkeit
und an Charakter. Und eigentlich ist ja genau das, was mich für mein Gegenüber attraktiv macht.
Und viele Beziehungen kränke ihn an solchen schlechten Kompromissen, indem sich ein oder beide
Partner verbiegen. Ein weiteres Ding, das häufig passiert ist, dass es eben nicht um die Sache geht.
Ich könnte zum Beispiel sagen, ich habe so oft nachgegeben, in letzter Zeit, heute will ich
unbedingt mal gewinnen und meinen Kopf durchsetzen. Und ihr merkt schon, es geht da nicht mal um die
Sache, es geht um Gewinnen, Verlieren, es geht um Machthaben, um Rechtbekommen. Und das sind
alles Dinge, die euch nicht voranbringen als Paar. Gute Kompromisse bedeuten ein ganz hohes Maß an
Selbstrefektiertheit und auch die Bereitschaft anzuerkennen, dass es für bestimmte Themen einfach
kein Kompromiss gibt. Die sechste Zutat für eine lange, lange glückliche Beziehung ist Liebe. Die
Paar, die befragt wurden, die drückten eine tiefe Zuneigung für einen aus. Anziehung,
Verbundenheit, sie sprachen von einer beständigen, reifenden, wachsenden Liebe, die sie zusammenhält.
Eine Liebe, die sich in Zärtigkeiten zeigt, die sich in Romantik und Intimität zeigt.
Das bedeutet für mich, dass es in meiner Verantwortung liegt, Orte und Begegnung zu
schaffen, in denen dieses Liebesgefühl entstehen kann. Dazu zählen die vielen kleinen Berührungspunkte
im Alltag. Das Aufstehen, dass sie verabschieden, dass aktiv zuhören, die Frage, wie war dein
Tag, das gehört zu diesen vielen kleinen Berührungspunkten, die wir in Unterm Beziehung
pflegen sollten. Ein zweiter wichtiger Punkt für mich sind die Mini-Abenteuer, die wir so in
kürzerem Abstand miteinander machen können. Was Unterneben, was Neues erleben, es kann
darf kurz und knackig sein, aber es muss uns irgendwie in Beziehung, in Verbindung miteinander
bringen. Und wenn wir in größeren Abständen denken, dann sind das die Date, die wir miteinander
haben, die Mini-Urlaube, die Wochenenttrips, die uns immer wieder zusammenführen und in
dem wir Zeit haben, uns zu genießen. Wenn es lieber als Emotion dein Thema ist, dann
schau mal, wo du hier anknüpfen kannst, ob es die kleinen Beziehungspunkte in deinem
Alltag sind, ob es die kleinen Mini-Abenteuer sind oder ob ihr diese Date-Zeit miteinander
vermisst und die vielleicht noch mal aktivieren könnt.
Die siebte und letzte Zutat für eine lange glückliche Beziehung ist niemals aufzugeben.
Die Paare, die befragt worden sind, die zeigten so eine Haltung von Wir schaffen das. Es gibt
bestimmt Hindernisse, aber wir stellen uns den und wir kommen darüber hinweg.
Sie sprachen davon, dass, wie wichtig es ist, optimistisch und hoffnungsvoll und dankbar in
die Zukunft zu blicken. Ich glaube, für Paare in Krisenzeiten ist das eine echte Herausforderung.
Ich glaube aber auch, dass eine Beziehung ein lebender Organismus ist, der wächst,
der sich verändert und der von beiden Partnern gleichermaßen verändert werden kann. Und
deswegen glaube ich auch, dass Veränderung immer möglich ist. Ich glaube, dass das ein
hoffnungsvoller Gedanke in Verfahrensituationen sein kann, dass Beziehung wachsen und von
beiden Seiten beeinflusst werden kann. Lass uns diese sieben Keys, diese sieben Schlüsse-Elemente
nochmal zusammenfassen. Was brauchst du laut dieser Studie, um lange und glücklich mit
deinem Lieblingsmenschen zusammenzuleben? Du brauchst Commitment. Ich sage aktiv Ja
zu meiner Beziehung. Du brauchst Altruismus. Ich gebe etwas ohne etwas zurückzu erwarten.
Du brauchst gemeinsame Werte und eine gute Kommunikation. Du musst regelmäßig gute
Kompromisse miteinander finden. Du brauchst Liebe. Du musst Orte und Möglichkeiten schaffen, wo diese
Liebe als Emotion da sein kann, wo sie wachsen darf. Und zu guter Letzt, es geht darum, nicht
aufzugeben, zu wissen, dass Beziehung wächst, wachsen kann und dass man zu zweit auch schwierige
Phasen durchsteht. Was hat dich am meisten bewegt von diesen sieben Schlüsse-Elementen? Was war
dein Aha-Moment aus dieser Podcast-Folge? Lass mich gerne wissen, was du für heute mitnimmst.
Hier ist zum Abschluss mein Gedanke dazu. Einige Gedanken, die wir heute gehört haben,
die waren nicht neu und ich glaube, dass sie in unterschiedlicher Art und Weise für so ziemlich
jedes Paar zutreffen mit unterschiedlichen Gewichtungen. Was für mich wirklich spannend ist,
dass du alle diese sieben Punkte selbst in der Hand hast. Du kannst jeden einzelnen Punkt angehen
und verändern. Und ich finde den Gedanken so hilfreich, weil da aufzeigt, wie viel Einfluss du
und ich auf deine und unsere Beziehung haben. Wir können unseren Lieblingsmenschen nicht
verändern, aber wir können eine Menge unternehmen, um mit unserem Lieblingsmenschen eine authentische
und starke Liebesbeziehung zu führen, in der ich mich mehr und mehr glücklich fühle.
Das war gut in Beziehung für diese Woche. Mehr von mir findest du unter Thorsten-Köcher.de.
Wenn du dir mehr Paarzeit mit deinem Lieblingsmenschen wünscht, dann sind die Paarzeitkarten vielleicht
genau das richtige für dich. Die Paarzeitkarten, das ist Paarzeit in deinem Briefkasten. Ganz
nach deinen eigenen Bedürfnissen schicke ich dir in regelmäßigen Abständen eine Postkarte
mit einer Paaridee zu. Die Postkarte erinnert dich daran, deine Beziehung an die erste
Stelle zu setzen und schenkt dir eine Idee für eure Paarzeit am nächsten Wochenende. Alles
über Paarzeit in deinem Briefkasten findest du auf meiner Homepage. Ich hoffe, die hat
diese Episode gefallen und ich freue mich, wenn du meinen Podcast abonnierst und weiter
empfiehlst. Das Gute Winkt, dein Thorsten.