gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung. Wie schoen, dass du da bist und zuhoerst.

Das ist der vierte Teil zum Thema Kommunikation. In den drei vorherigen Podcast-Episoden haben wir bereits ueber das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun gesprochen. Heute geht es im vierten und letzten Teil um den Appell.

In den drei anderen Seiten des Quadrats geht es immer darum, was ich ausdruecken moechte. Mit meinem Appell an mein Gegenueber druecke ich aus, was sein soll. Und wir kennen das vermutlich alle: Unsere Bemuehungen, jemanden zu irgendwas zu bewegen, unseren Lieblingsmenschen dazu anzuregen, etwas zu tun, was in unserem Sinne ist oder worueber wir uns freuen wuerden – damit sind wir alle schon gescheitert.

Ich glaube, man muss sich in Erinnerung rufen: Wenn ich einen Appell ausspreche, begebe ich mich ueber eine Grenze in den Raum hinein, wo mein Lieblingsmensch das Zepter in der Hand hat und mit seiner Entscheidungsfreiheit regiert. Allein dieses Betreten des Raumes meines Gegenueberserzeugt Widerstand – und allein deswegen scheitert der ein oder andere Appell.

Es gibt aber noch weitere Gruende, warum unsere Appelle nicht ankommen. Einer ist zum Beispiel der Ideenklau. In dem Moment, wo ich eine Idee habe, die ich gerne umsetzen wuerde, und dann kommt meine Frau dazu und sagt: Mensch, haettest du nicht genau darauf Lust? – dann denke ich mir: Das war eigentlich meine Idee. Jetzt ist es ihre Idee, und meine Lust ist schon nur noch halb so gross. Vielleicht kennt ihr das aus euren Beziehungen.

Etwas, was mir in meiner Praxis haeufiger begegnet, ist: Appelle sind immer auch ein Spontanitaetskiller. Wenn sich die Frau wuenscht, dass er doch bitte mal regelmaessig, spontan und von sich aus Blumen mitbringen soll, scheitert das allein daran, dass es dann nicht mehr spontan ist.

Es gibt also eine ganze Menge von Gruenden, warum wir mit unseren Appellen scheitern. Und heute geht es darum, dir einen Weg zu zeigen, wie du das anders, besser und vielleicht sogar zielfuehrender umsetzen kannst.

Schauen wir auf die Formen von Appellen. Die erste Form sind verdeckte Appelle.

Verdeckte Appelle laufen meistens so ab, dass ich ganz unbewusst ein Klima erzeuge im Gespraech mit meinem Lieblingsmenschen – sodass ich gar nicht aussprechen muss, was ich brauche oder mir wuensche. Das Klima allein reicht aus, um meinen Lieblingsmenschen auf die richtige Spur zu schicken. Meistens sind das Dinge, bei denen ich mich nicht traue, sie offen auszusprechen, weil ich Angst vor Zurueckweisung habe. Mit einem verdeckten Appell habe ich immer die Moeglichkeit zu dementieren und zu sagen: Das habe ich gar nicht so gemeint.

Verdeckte Appelle weisen immer ein Stueck weit auf eine eigene Verletztheit hin. Wenn ich mich dabei beobachte, dass ich bei bestimmten Themen immer wieder zu verdeckten Appellen greife, dann macht es Sinn, dort hinzuschauen und zu ueberlegen: Was steckt dahinter? Was bringt mich dazu, immer wieder in diesen verdeckten Appell zu gehen?

In Beziehungen entstehen dadurch haeufig Kreislaeufe. Jemand reagiert bei einem bestimmten Thema aufgebracht, der andere geht darauf ein, besaenftigt ihn – ohne dass es zu einer Loesung kommt. Ein paar Tage spaeter beginnt der Streit von vorn. Wir koennen uns fragen, ob wir dieses Spiel auf Dauer mitspielen wollen.

Eine andere Art, jemandem einen Wunsch vorzutragen, sind paradoxe Appelle.

In dem Moment, wo ich mir etwas wuensche oder eine Aufforderung formuliere, betrete ich das Reich meines Gegenuebersund allein das erzeugt Widerstand. Mit einem paradoxen Appell kann ich das in eine andere Richtung lenken. Wenn bei einem Paar Bindung und Autonomie ein Thema sind und der eine sagt: Ich brauche mehr Zeit fuer mich – dann koennte ich paradox reagieren und sagen: Ich wuensch dir eine tolle Zeit, grossartig, dass du dir die Zeit fuer dich nimmst, ich freue mich fuer dich. Und die Frage ist: Wird der Wunsch nach Autonomie dadurch groesser oder kleiner? Ich glaube, er wird kleiner.

Ich glaube, die beste Art der Kommunikation in einer Beziehung sind offene Appelle.

Offene Appelle sind ehrlich und klar. Sie sind haeufig der Schluessel zu gelingender Kommunikation. Es gibt Dinge, die uns davon abhalten: Selbstoffenbarungsangst, Scham, die Angst, einen Korb zu bekommen, oder ein geringer Selbstwert. Auch der Wunsch, dass der andere einem die Wuensche von den Augen abliest.

Wenn man offene Kommunikation uebt, scheitert es haeufig daran, dass man eine negative Botschaft mitschleppt. Wenn ich mir wuensche, dass mein Lieblingsmensch heute die Kinder ins Bett bringt, ist es eine schlechte Idee zu sagen: Es wuerde mich freuen, wenn du heute endlich auch mal die Kinder ins Bett bringst – denn darin steckt ein Vorwurf. Sag einfach: Ich freue mich so, wenn du heute die Kinder ins Bett bringst.

Als allererstes muss ich wissen, was ich eigentlich moechte. Das ist die Grundvoraussetzung. Schulz von Thun schlaegt vor, den Appell mit einem Informationscharakter zu versehen: Ich sage dir meinen Wunsch, damit du informiert bist – nicht damit mein Ansatz unbedingt umgesetzt wird. Und ich moechte von dir wissen, was du denkst – damit wir klar miteinander sind und gemeinsam nach einer Loesung suchen koennen.

Ein offener Appell macht eine Beziehung nicht konfliktfreier – aber ehrlicher und eigenverantwortlicher. Man begegnet sich auf Augenhoehe.

Kommunikation und Beziehung ist ein riesiges Feld. Mit dieser vierteiligen Serie war es mir wichtig, einige Grundlagen anzusprechen. Ich hoffe, dass dir dieser Vierteiler dabei geholfen hat, dich offen und ehrlich zu zeigen.

Es gruessst und winkt dein Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

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Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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