gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Herzlich willkommen zur 50. Episode von „Gut in Beziehung". Ich freue mich riesig, dass du hier bist und mir zuhörst. Ich möchte diese Episode nutzen, um eine Frage zu beantworten, die mir häufig von Freunden und von der Familie gestellt wird: Thorsten, sag mal – warum ausgerechnet Paartherapie?

Anfangen möchte ich gerne mit meiner persönlichen Geschichte. Ich habe lange in der Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet, mache das zum Teil immer noch. Durch das Studium, die Ausbildung und durch die Auseinandersetzung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bist du dazu angehalten, dich regelmäßig selbst zu hinterfragen. Und du landest so über kurz oder lang immer bei deinen eigenen Themen: Wieso bin ich eigentlich eher introvertiert? Warum werde ich ausgerechnet in diesen Situationen wütend? Und wie zeige ich eigentlich schwierige Emotionen – oder eben auch nicht?

Das waren Themen, die mich lange beschäftigt haben und an denen ich sehr gewachsen bin. Wenn man das lange macht, diese Form von Selbstreflexion, dann ist man irgendwann fertig mit seinen persönlichen Themen. Man hat das Gefühl, dass man auf alle relevanten Dinge geschaut hat und dass die wichtigen Eckpunkte abgearbeitet sind. Und dann hat man Raum, um einen Blick nach außen zu wagen.

Und bei diesem Blick nach außen habe ich festgestellt, dass ich zwar schon eine ganze Weile in einer Beziehung bin, aber dass ich doch noch eine ganze Menge Bindungsängste mit mir herumtrage. Das hat sich zum Beispiel gezeigt in der Art und Weise, wie ich mit meinem Lieblingsmenschen rede – wie ich Schwierigkeiten, Bedürfnisse und Gefühle kommuniziere oder eben auch nicht kommuniziere. Ich durfte feststellen, dass mir Nähe manchmal schlicht zu viel ist und dass ich anfange, meine Beziehung zu sabotieren, einfach weil ich diese Nähe nicht ausgehalten habe. Ich wechselte häufiger in den Verteidigungsmodus, denn mir war es ganz wichtig, emotional unabhängig zu bleiben.

Ich bin heute noch fasziniert davon, dass meine Frau, mein Lieblingsmensch, das so lange mit mir ausgehalten hat. Ich hätte mich ehrlich gesagt irgendwann umgedreht und wäre gegangen – und hätte gesagt, dann macht der das alleine. Das Spannende ist wohl auch, dass mir das lange nicht bewusst war. Und sich selbst da auf die Spur zu kommen, das hat eine Menge in meiner Beziehung verändert.

Ich habe angefangen, kleine Experimente zu wagen – davon erzähle ich im Podcast immer wieder. Was passiert, wenn ich mich einlasse? Und ich bin jedes Mal überrascht worden: Die Welt ist nicht untergegangen, ich bin nicht verletzt worden, ich konnte Nähe zunehmend genießen. Und ich habe nach weiteren Werkzeugen gesucht – und sie auch gefunden.

Und weil wir gerade bei Werkzeugen sind: Das entwickelte sich in meinem Leben irgendwie parallel. Dieses Suchen nach Werkzeugen für die eigene Beziehung – und gleichzeitig das Gefühl, dass ich in meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an Grenzen stoße und dass mir Tools und Einsichten fehlen, um hilfreicher zu sein. Also habe ich angefangen, mich zum systemischen Einzel-, Paar- und Familientherapeuten ausbilden zu lassen. Das war eine großartige Zeit mit einer großartigen Studiengruppe, sehr lehrreich und mit einer wirklich steilen Lernkurve.

In dieser Ausbildungszeit habe ich gemerkt, dass mir das Arbeiten mit Paaren besonders viel Spaß macht – bestimmt auch, weil das mein eigenes Thema war. Und ich habe gemerkt, dass ich die Dynamik mag, die dabei entsteht. Mir wurde bewusst, was für ein riesiger Hebel Paartherapie ist.

Lass mich erklären, was ich mit Hebel meine. Aber zunächst vorweg: Paartherapie ist Handwerk. Es ist ein Handwerk, das man erlernen kann und an dem ich viel Freude habe. Ich schätze die Vernetzung mit anderen Therapeutinnen und Therapeuten, ich mag die Arbeit mit meinen Klientinnen und Klienten – und ich hoffe, dass man das auch spüren kann. Paartherapie ist kein geheimer Zaubertrank, aber sie erfordert von Paaren die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Und genau das ist die größte Hürde.

Jetzt aber zurück zur Frage: Was meine ich mit Hebel? Beziehung hat für mich, abgesehen von Krankheit, den größten Einfluss auf unser Wohlbefinden. Ihr habt sicher alle schon Arbeitskollegen erlebt, die verzweifelt vom letzten Beziehungsstreit berichtet haben und sich ausgeschüttet haben. Wenn die Beziehung schief hängt, dann hängen meistens auch viele andere Lebensbereiche schief.

Aber wenn die Beziehung großartig läuft, dann wirkt sich das eben auch auf viele andere Lebensbereiche aus. Ich habe mehr Kraft und Energie. Ich habe mehr Selbstwert. Ich bin zuversichtlicher und optimistischer bei der Arbeit. Ich habe mehr Zeit und mehr Harmonie für meine eigenen Kinder. Ich habe die Muße, Freundschaften zu pflegen. Und unterm Strich kann ich sagen: Das Leben an sich ist gut, wenn die Beziehung gut läuft.

Und wenn die Beziehung schlecht läuft, ist es genauso – nur umgekehrt. Ich habe weniger Kraft, ich habe weniger Energie, ich plage mich mit Selbstzweifeln. Ich nehme meine Beziehungsthemen mit zur Arbeit. Die Kinder merken, dass Konflikte schwelen, und reagieren darauf. Das Familienleben wird dadurch schwieriger. Freundschaften leiden, weil es immer nur um die unglückliche Beziehung geht. Unterm Strich: Das Leben ist nicht mehr so gut, wie es sein könnte, wenn die Beziehung leidet.

Deswegen ist die Arbeit an der Beziehung für mich einer der größten Hebel, die wir haben, um positive Veränderungen in so vielen Lebensbereichen anzustoßen. Und ich glaube, sie hat auch eine Langzeitwirkung. Denn bei den allermeisten Paaren, mit denen ich arbeite, sind auch Kinder involviert. Und es macht einen enormen Unterschied, ob Kinder bei einem Paar aufwachsen, das sich streitet oder sich anschweigt und in dem Konflikte schwelen – oder ob sie bei einem glücklichen und harmonischen Paar groß werden. Das prägt die Atmosphäre zu Hause und die Art und Weise, wie Kinder sich entwickeln. Deswegen strahlt Paartherapie für mich auch in die Zukunft.

Um die Frage nochmal zusammenfassend zu beantworten: Warum Paartherapie? Bestimmt auch, weil es ein Stück weit mein eigenes Thema ist – in meiner eigenen Beziehung. Aber vor allem, weil es ein so großer Hebel ist für unser Glück im Leben. Ich glaube, dass Beziehung da so viel ausmacht. Und ich finde, es ist eine sehr sinnstiftende Arbeit – eine Arbeit, die mir wahnsinnig viel Freude bereitet.

Dieser Podcast soll dir genau dabei helfen: Werkzeuge an die Hand zu bekommen und Sichtweisen aufgezeigt zu bekommen, die dir helfen, deine Beziehung ein Stück glücklicher und harmonischer zu machen.

Ich habe in diesem Podcast bisher Themen aufgegriffen, die sich aus meinem Praxisalltag ableiten. Viel wichtiger wäre mir aber, darüber zu sprechen, was du brauchst – was du brauchst, um dich in deiner Beziehung wohler zu fühlen. Es kann gut sein, dass die Themen, die mir in der Praxis begegnen, nicht die Dinge sind, die dich in deiner Beziehung wirklich weiterbringen.

Deswegen brauche ich deine Hilfe. Ich habe eine Podcast-Umfrage – die findest du in den Shownotes oder unter www.thorsten-koecher.de. In dieser Umfrage geht es darum, von dir zu erfahren, welche Themen und Fragen für dich wichtig wären. Du hast also die großartige Möglichkeit, an diesem Podcast mitzuwirken, indem du mir deine Themen verrätst – und ich Dinge aufgreifen kann, die dich in deiner Beziehung wirklich voranbringen.

Ich würde mich riesig freuen, wenn du die Gelegenheit ergreifst, an dieser Umfrage teilnimmst und mir hilfst, diesen Podcast ein Stück besser und mehr für dich zu machen. Welche Themen interessieren dich besonders? Welche Fragen hast du? Was würde dich in deiner Beziehung weiterbringen? Du kannst das alles in der Podcast-Umfrage aufschreiben – oder du schreibst mir eine E-Mail an nachricht@thorsten-koecher.de.

Es grüßt dich herzlich dein Thorsten. Bis zum nächsten Mal.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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