Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung. Mein Name ist Thorsten. Ich bin Paartherapeut und freue mich, dass du mir zuhoerst. Heute sitze ich in Luckenwalde in einem sehr feinen kleinen Tonstudio. Es gibt hier einen Gewerbebereich mit einem Co-Working Space, und in diesem Co-Working Space befindet sich dieses Tonstudio. Ich bin ganz begeistert von der Technik, die ich nutzen darf, und davon, wie meine Stimme auf einmal anders klingt als in meinem Miniatur-Home-Studio zu Hause. Das Podcasten macht gleich doppelt so viel Spass. Aber jetzt lasst uns mit dem Thema anfangen.
Heute geht es um Liebe im Alltag und das Zeitmanagement als Paar. Ich hoere in meiner Praxis haeufiger, dass der Alltag die Beziehung aufreibt. Das geht haeufig Paaren so, die zwischen 25 und 45 Jahre alt sind. Sie sind rund um die Uhr beschaeftigt, haben meistens ein, zwei oder drei Kinder und moechten es allen unbedingt recht machen. Kinder, Arbeit, Haushalt - alles ringt um unsere Aufmerksamkeit, und meistens ist man so erschoepft, dass die Regeneration fuer einen selbst wichtiger erscheint als die Partnerschaft. Und gleichzeitig erlebt man sich ja immer noch als Paar. Die meisten sind ein gutes Team, schaffen ihren Alltag prima zusammen, erleben sich gegenseitig als kompetente Elternteile - aber als Liebespaar verliert man sich aus den Augen.
Und irgendwann fragt man sich dann: Ist das wirklich noch Liebe, oder sind wir nur noch aus Gewohnheit zusammen? Das ist ein Stueck weit normal. Denn wenn wir aus der Verliebtheitsphase heraustreten, tritt unsere Liebesbeziehung in die Reihe, wo auch alle anderen Aufgaben stehen, und alle buhlen um unsere Aufmerksamkeit. Die Liebesbeziehung ist dann nicht mehr Prioritaet Nummer eins. Bei Paaren, die in die Praxis kommen und davon berichten, hoere ich haeufig, dass sie sich fragen, wann das angefangen hat, wann sie sich aus den Augen verloren haben und was sie aneinander eigentlich noch schaetzen. Dann hoere ich Dinge wie: "Mein Partner ist ein guter Vater" oder "Wir sind ein Superteam und kriegen den Alltag gut organisiert." Die Frage ist dann aber: Ist das alles? Wollen wir nicht mehr voneinander?
Ich finde diese Frage grossartig, weil sie Bewegung hineinbringt und Dinge anschiebt. Haeufig stellen wir im Gespraech gemeinsam fest, dass sich vieles mit dem ersten Kind veraendert hat - dass dann die Prioritaet auf dem Kind und spaeter auf den Kindern lag und die Beziehung zuruecktrat. Aber Kinder werden in einem Beziehungsrahmen geboren. Sie werden Teil eines Paares, das schon ein Paar ist. Ich glaube, dass Kinder keine Partnerschaften zerstoeren, sondern dass sie Prioritaeten anders setzen - und dass diese verschobenen Prioritaeten dazu fuehren, dass wir uns aus den Augen verlieren. Aber Prioritaeten lassen sich veraendern.
Wir meinen oft, Beziehung intuitiv zu koennen. Wir kommen aus der Verliebtheitsphase und glauben: Beziehung, das ist etwas, das man einfach kann - so wie wir atmen oder so, wie wir es bei unseren Eltern gesehen haben. Interessanterweise machen wir das in anderen Lebensbereichen nicht. Wir gehen nicht einfach arbeiten und sagen: "Arbeiten ist irgendwie Teil des Lebens, das kann ich eben." Stattdessen investieren wir in Ausbildung, studieren drei Jahre oder laenger, um gut in unserem Beruf zu sein. Wenn wir Kinder bekommen, lesen die meisten Paare Eltern- und Schwangerschaftsratgeber. Und doch machen wir das bei der Beziehung haeufig erst dann, wenn es anfaengt zu knirschen.
Dabei waere es so wichtig, die richtigen Werkzeuge zu haben, um an der Beziehung arbeiten zu koennen. Wenn du diesen Podcast hoerst, geht es dir wahrscheinlich auch darum, Werkzeuge und Ideen mitzunehmen, die du in deiner Beziehung umsetzen kannst. Manchmal ist es hilfreich, jemanden zu haben, der einen begleitet und einen anderen Blick auf die eigene Beziehung wirft. Wenn du das brauchst, kannst du dich gerne bei mir melden.
Wenn wir jetzt darueber reden, wie du die Prioritaeten in deinem Leben veraendern kannst, um mehr Raum fuer deine Liebesbeziehung zu schaffen, moechte ich dir drei Gedanken mitgeben.
Der erste Kerngedanke ist, glaube ich, der offensichtlichste: Es geht darum, Freiraeume zu schaffen - Freiraeume, in denen man sich wieder als Liebespaar begegnen kann. Wichtig ist nur, dass man ganz da ist, zuhoert, reden kann, auch zusammen schweigen kann und sich vor allem nicht ablenken laesst - weder durch die Kinder noch durch die Alltagsorganisation im Kopf.
Freiraeume sind eine Frage der Prioritaet. Wenn ihr Freiraeume als Paar als absolut notwendig betrachtet, entstehen sie von selbst. Und dann faellt es auch leichter, zu anderen Dingen Nein zu sagen. Denn das gehoert dazu: Wenn ich Ja sage zur Liebesbeziehung, sage ich oft Nein zu anderen Dingen.
Damit ihr diesen Freiraum gut nutzen koennt, macht es Sinn, sich vorher klarzuwerden, was ihr darin erleben moechtet. Ich finde es praktisch, Antworten auf solche Fragen aufzuschreiben und dann konkreter zu werden. Die zweite Frage - was waere besser? - fuehrt euch dazu, wie ihr den Freiraum gut fuer euch nutzen koennt. Wenn ihr das habt, wenn ihr die Prioritaeten kennt und wisst, womit ihr die Freiraeume fuellen wollt, geht es in die Planung.
Der zweite Kerngedanke ist: Was machen wir eigentlich in der Zeit dazwischen? Das funktioniert gut durch kleine Beruehrungspunkte im Alltag - den Tee, den man am Abend zusammen trinkt, die Zeitung, die man sich teilt, solche Dinge, die dazu fuehren, dass man sich in kleinen Momenten als Liebespaar sieht.
Beruehrungspunkte kann man dabei auch woertlich nehmen: Es geht auch darum, die koerperliche Beruehrung wieder in den Vordergrund zu ruecken. Also nicht nur die fluechtige Umarmung, sondern dass man sich Zeit nimmt, seinen Partner, seinen Lieblingsmenschen wirklich in den Arm zu nehmen.
Der dritte Gedanke hat mehr mit innerer Haltung zu tun. Wenn wir durch den Alltag gestresst sind, werden wir manchmal auch recht gestresst von unserem Partner. Mit der Zeit wirft man einen zunehmend negativen Blick auf den Partner und vergisst, die positiven Anteile zu sehen und dafuer Wertschaetzung zu zeigen.
Ich moechte euch dafuer sensibilisieren, die Augen aufzumachen und euch ins Gedaechtnis zu rufen, welche guten Eigenschaften euer Lieblingsmensch hat - und das auch zu benennen und dafuer zu loben. Das bedeutet nicht, dass wir Schwierigkeiten totschweigen sollen. Mir geht es darum, dass wir ganz bewusst auf die positiven Anteile schauen, die unser Lieblingsmensch in die Beziehung einbringt.
Wenn ihr ausserhalb der Verliebtheitsphase eure Beziehung geniessen wollt, geht das nur, indem ihr Verantwortung fuer euer Paar-Sein uebernehmt. Und Verantwortung bedeutet fuer mich auch, Prioritaeten regelmaessig zu ueberdenken und sie gegebenenfalls neu zu setzen. Die drei Punkte, die wir heute besprochen haben, helfen euch dabei: Freiraeume schaffen, Beruehrungspunkte im Alltag schaffen und einen neuen Blick auf die positiven Anteile eures Lieblingsmenschen werfen.
Ich wuensche euch viel Erfolg bei der Umsetzung. Und wenn ihr das Gefuehl habt, es waere gut, wenn jemand an eurer Seite steht und euch ein Stueck begleitet, bin ich gerne fuer euch da. Ich freue mich, von euch zu hoeren. Bis dahin - herzliche Gruesse, euer Thorsten.