Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen zu "Gut in Beziehung", dem Paartherapie-Podcast. Ich freue mich riesig, dass du hier bist, dass du mir zuhörst und mir deine Zeit schenkst.
Heute geht es um das Thema Bucket List: Was ist das überhaupt – und bringt uns das als Paar etwas?
Ich erzähle euch von diesem Thema, weil meine Frau Doro – die Frau, mit der ich seit vielen Jahren verheiratet bin und von der ihr im Podcast noch eine Menge hören werdet – und ich uns vor ungefähr zwei Wochen hingesetzt und unsere Bucket List geschrieben haben. Ich hatte das ein Jahr zuvor schon einmal alleine gemacht, und wir haben es jetzt gemeinsam wiederholt – diesmal als Paar. Wir haben davon wirklich profitiert, es war ein tolles Gefühl dabei, und deshalb glaube ich, dass es für die meisten Paare ein gutes und hilfreiches Werkzeug ist, um näher aneinander zu wachsen.
Aber fangen wir von vorne an: Was ist eine Bucket List?
Eine Bucket List ist eine Liste mit all den Dingen, die du gerne noch erleben oder erfahren möchtest, bevor du stirbst. Auf Deutsch nennt man das manchmal auch "Löffelliste" – die Sachen, die du erleben möchtest, bevor du die Löffel abgibst. Der Begriff "Bucket" geht auf eine ähnliche Herkunft zurück: Wenn jemand gehängt wurde, war der Schemel, der unter den Füßen weggetreten wurde, der "Bucket" – daher der Name.
So eine Bucket List kann ganz unterschiedlich groß sein. Da können zehn Punkte draufstehen oder hundert – das entscheidet jeder selbst. Es gibt auch Menschen, die den Zeitraum kürzer fassen und zum Beispiel eine Liste für die nächsten fünf Jahre oder nur für das aktuelle Jahr schreiben. Doro und ich haben eine Liste für unser gesamtes verbleibendes Leben geschrieben.
Egal ob du eine Bucket List alleine schreibst oder das als Paar macht – das hat grundsätzlich einige gute Vorteile: Du konzentrierst dich auf die Dinge, die dir wirklich wichtig sind, setzt die entsprechenden Prioritäten in deinem Leben, gehst motivierter an deine Ziele heran, und es schafft ein Stück weit Verbindlichkeit. Und natürlich sind die Erfahrungen, die du dabei machst, das Wachstum, das du dadurch erfährst, und die Erinnerungen, die dir – oder euch als Paar – bleiben, das größte Geschenk einer Bucket List.
Als Paartherapeut sind mir zwei Punkte besonders wichtig.
Der erste: Wenn ihr als Paar eine Bucket List schreibt, schafft das Verbindlichkeit. Es entsteht ein Gefühl von "Wir nehmen uns gemeinsam etwas vor, wir schaffen eine Perspektive für unsere gemeinsame Zukunft." Gerade bei Paaren, bei denen es hin und wieder kriselt, oder bei Paaren, die sich leicht aus den Augen verlieren, sind gemeinsame Ziele und gemeinsame Projekte etwas, das stark verbindet – und das am ehesten dazu beiträgt, dass Krisen bewältigt werden können.
Der zweite Punkt: Eine Bucket List kann helfen, eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz zu schaffen. Dieses Thema begegnet mir in Paartherapien häufig: Wie viel Raum brauche ich für mich – um mich aufzuladen, bei mir selbst zu sein, mich selbst zu verwirklichen? Und wie viel Zeit brauchen wir als Paar, um Beziehung zu leben, miteinander zu wachsen, uns nicht aus den Augen zu verlieren? Partner haben dabei oft unterschiedliche Vorstellungen. Eine gemeinsame Bucket List hilft, das ein Stück mehr in die Balance zu bringen.
Denn beides ist unbefriedigend: Nur Paar zu sein bedeutet, dass die Zeit für dich selbst fehlt. Und nur bei dir zu sein bedeutet, dass ihr euch als Paar aus den Augen verliert und euch nicht gemeinsam, sondern zunehmend auseinander entwickelt.
Wie legt ihr nun eine Bucket List an? Ich erzähle euch einfach, was Doro und ich gemacht haben – ihr könnt das übernehmen und so anpassen, wie es für euch passt.
Das Erste, was wir gemacht haben: Jeder hat sich alleine hingesetzt und überlegt, was die 100 Dinge sind, die er oder sie gerne bis zum Ende des Lebens tun möchte. Wir haben uns dabei inspirieren lassen – beide waren wir lange im Internet unterwegs. Es gibt tausende Seiten, wo man sich Ideen holen kann, inzwischen auch Bücher, zum Beispiel speziell über Bucket Lists für Paare, und das Netz ist voll von Inspirationen.
Fragen, die uns dabei geholfen haben: Was würde ich tun, wenn Geld keine Rolle spielte? Welche Orte möchte ich noch sehen? Was waren meine Kindheitsträume? Was würde ich tun, wenn ich noch einen Monat zu leben hätte – wo würde ich Prioritäten setzen? Oder der Blick zurück: Was war mir besonders wichtig, was möchte ich vielleicht noch einmal erleben oder in abgewandelter Form neu inszenieren? Wo möchte ich noch wachsen?
Am Ende hatten wir jeweils eine Liste mit 100 Punkten. Wir haben die Punkte in verschiedene Bereiche eingeteilt, was ich sehr hilfreich fand. Ich habe zum Beispiel den Bereich "Abenteuer", also Erlebnisse, die ich noch haben möchte, dann sportliche Ziele, und Dinge, die ich gerne noch lernen möchte. Ihr könnt euch eure eigenen Kategorien schaffen und überlegen, in welchen Bereichen ihr noch wachsen, erleben oder euch neu ausprobieren möchtet. Das Befüllen einzelner Kategorien ist leichter, als auf Anhieb 100 Punkte für eine einzige Liste zu finden.
Dann saßen wir beide mit unseren Listen da und haben uns gegenseitig vorgelesen. Wir haben einander erzählt, was wir zum Beispiel beim Thema Abenteuer draufstehen haben. Ich habe vorgelesen, dass ich gerne noch einmal die Alpen überqueren würde – das hatte ich schon mal geplant, dann aber verworfen, weil die Zeit fehlte. Doro meinte dazu: "Mensch, da wäre ich gerne dabei, das reizt mich auch." Und so haben wir entschieden: Das machen wir zusammen.
Das war ein kleiner Aushandlungsprozess: Was möchte ich lieber alleine angehen, was möchten wir zusammen machen? Nachdem wir alle Punkte durchgegangen waren, hatten wir eine gemeinsame Liste mit 100 Punkten. Wenn ich gerade reinschaue: Ungefähr zwei Drittel sind eigene Sachen, ein Drittel sind Dinge, die wir gemeinsam als Paar angehen wollen.
Was bei mir so draufsteht? Drachenfliegen, Iglu-Übernachtung, Fallschirmspringen, eine Höhlenwanderung. Ich war noch nie in Finnland – ich würde gerne mal die Seenplatte dort erkunden und wandern gehen. Ich würde gerne irgendwann einen Ironman absolvieren. Und dann steht da auch etwas wie: Ich würde gerne eine Familienaufstellung mit meinen eigenen Eltern machen.
Gemeinsam wollen wir zum Beispiel zu zweit einen Swim Run in Schweden machen, oder wir möchten zusammen klettern lernen. Viele gemeinsame Sachen stehen auf der Liste.
Das wirklich Interessante an dieser Bucket List war zum einen, all die Themen zu finden, auf die ich wirklich Lust habe und die ich wirklich tun möchte – und für Doro genauso. Das wirklich Spannende war aber der Aushandlungsprozess: Was machen wir jeweils für uns, was möchten wir gerne zusammen machen? Und ich fand es großartig, wie viele Sachen herausgekommen sind, auf die wir uns gemeinsam freuen können, die wir gemeinsam planen und umsetzen können, und bei denen wir gemeinsam Erinnerungen schaffen.
Noch einmal die drei Schritte zusammengefasst:
Schritt 1: Inspiration holen, Brainstorming machen, die Dinge aufschreiben, auf die ihr wirklich Lust habt – das macht jeder für sich.
Schritt 2: Kategorien anlegen und die Ideen in die verschiedenen Bereiche eintragen.
Schritt 3: Zusammensetzen, sich gegenseitig erzählen, worauf man Lust hat. Das ist für den Zuhörenden sehr bereichernd. Dann aushandeln: Was wollen wir gemeinsam erleben, was eher alleine oder mit Freunden?
Ihr könnt das auf Papier schreiben, digital anlegen, es gibt auch Apps und Websites, die dabei helfen, Bucket Lists zu strukturieren und zu verfolgen. Euch sind keine Grenzen gesetzt – fangt einfach an, so wie es für euch am besten passt. Ich persönlich bin ein großer Fan des Bullet Journals, deshalb steht meine Bucket List dort.
Und wenn bei euch das Thema "Was mache ich alleine, wie viel Zeit brauche ich für mich, was machen wir als Paar zusammen, wie viel Paarzeit brauchen wir?" präsent ist, dann ist eine gemeinsame Bucket List eine gute Grundlage, um miteinander ins Gespräch zu gehen: Was wünscht sich mein Partner oder meine Partnerin? Was wünsche ich mir? Wo stehen wir da eigentlich gerade – und vielleicht auch schon die erste Planung zu machen für die Projekte, die ihr in den nächsten Wochen und Monaten angehen möchtet.
Das war es für heute. Ich danke dir vielmals, dass du hier warst und mir zugehört hast. Ich hoffe, dass dir diese Folge gefallen hat, und ich bin gespannt, was auf deiner Bucket List stehen könnte. Wenn du magst, kannst du mir jederzeit Ideen in einem Kommentar auf meiner Homepage hinterlassen.
Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir hilfst, diesen Podcast wachsen zu lassen, damit noch mehr Menschen ihn hören und sich Inspiration für ihre Partnerschaft holen können. Deshalb bitte ich dich, mir eine Bewertung auf iTunes zu hinterlassen – das hilft mir am allermeisten.
Ich danke dir ganz herzlich. Bis zum nächsten Mal, tschüss!