gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung. Ich heiße Thorsten und ich freue mich, dass du zuhörst.

Heute möchte ich mit dir über eine echte Superkraft reden – eine Kraft, die glücklich macht, die resilient macht und die deine Beziehung bereichert. Wovon ich rede? Von Dankbarkeit.

Die Frage, der wir heute nachgehen wollen, ist: Ist Dankbarkeit wirklich so ein Game Changer, oder ist es mehr das, was man auf ausgelutschten Kalendersprüchen lesen kann?

Bevor wir starten, würde es mich riesig freuen, wenn du dir überlegst, wem dieser Podcast noch helfen könnte. Es freut mich, wenn du das weitergibst, wenn du das teilst und es mehr Leute gibt, die ich erreichen kann.

Aber jetzt zum Thema Dankbarkeit. Damit meine ich nicht das erlernte soziale Verhalten, das wir irgendwann mitbekommen haben – Bitte und Danke zu sagen als Kind. Ich meine das Gefühl von Authentizität, von Dankbarkeit auf Augenhöhe mit unserem Partner.

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl, das entsteht, wenn wir andere Personen oder äußere Umstände als Quelle unseres Glücks anerkennen oder die guten Dinge in unserem Leben wertschätzen. Es ist diese Kombination aus Wahrnehmung der positiven Umstände und Anerkennung von externen Quellen.

Ich empfinde also Dankbarkeit dann, wenn mir bewusst ist, dass mir etwas Gutes widerfährt und ich nicht selbst derjenige bin, der das macht, sondern mein Lieblingsmensch oder jemand anderes außerhalb von mir mir etwas Gutes tut.

Wenn ich in meiner Partnerschaft dankbar bin, bedeutet das zunächst, dass ich meinem Partner, meiner Partnerin, meinem Lieblingsmenschen Wertschätzung entgegenbringe – für die Art und Weise, wie er oder sie ist, für das, was er oder sie tut. Und das stärkt meine Beziehung.

Wenn ich Dankbarkeit ausdrücke, heißt das auch: Ich liebe dich so, wie du bist. Du darfst so sein, wie du bist. Ich bin dankbar, dass du da bist, so wie du bist.

Wenn wir das auf Augenhöhe ausdrücken, führt es dazu, dass der andere sich angenommen fühlt und sich leichter öffnen kann. Das wiederum trägt dazu bei, dass mehr Wertschätzung in der Beziehung herrscht und damit auch wieder mehr Dankbarkeit. Es entsteht ein positiver Kreislauf.

Dankbarkeit hat einen großartigen Nebeneffekt: Der andere fühlt sich gewertschätzt und angenommen. Und das bedeutet auch, wenn wir mal Konflikte miteinander haben, gibt es keine Grundsatzfrage. Ich muss meine Beziehung nicht infrage stellen, sondern ich kann bei der Sache bleiben. Der andere, mein Lieblingsmensch, weiß, dass ich nur die Sache meine und nicht ihn oder sie.

Wenn ich Dankbarkeit in meiner Beziehung ausdrücke, macht das also auch ein Stück weit krisenresilient. Und es gibt Sicherheit, weil die Frage „Sind wir die Richtigen füreinander?" durch Dankbarkeit beantwortet wird.

Eigentlich sind wir ja darauf gepolt, eher Probleme wahrzunehmen. Und das ist auch ganz wichtig – aus evolutionsbiologischer Sicht war es wichtig, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, weil das das Überleben gesichert hat. Aber heute brauchen wir das weniger.

Das heißt, dass Dankbarkeit auch immer eine bewusste Entscheidung ist, den Blick wegzuwenden von Problemen – hin zu den Dingen, für die ich dankbar sein kann.

Wenn wir uns ganz bewusst für Dankbarkeit entscheiden, beantworten wir damit auch die Frage, was den Unterschied zwischen mir und meinem Lieblingsmenschen, zwischen dir und deinem Lieblingsmenschen, wertvoll macht.

In Krisen und Problemen schauen wir häufig auf die Unterschiede und meinen, diese Unterschiede seien verantwortlich für die Probleme, die wir in einer Beziehung haben. Und Dankbarkeit ist die Lösung, weil wir dann anfangen, diese Unterschiede wertzuschätzen.

M. M. Gordon fasst Dankbarkeit in Bezug auf Partnerschaften gut zusammen. Sie schreibt: Meine Definition von Dankbarkeit bedeutet, dass man nicht nur würdigt, was der Partner tut, sondern wer er oder sie ist als Mensch. Man ist nicht einfach nur dankbar, weil der Partner den Müll rausgebracht hat. Man ist dankbar, einen Partner zu haben, der so aufmerksam ist zu wissen, dass man gerade Zeit hatte, den Müll rauszubringen. Dankbarkeit bedeutet, sich all der guten Seiten des Partners bewusst zu sein und sich daran zu besinnen, warum man mit ihm oder ihr überhaupt eine Beziehung eingegangen ist.

Bevor wir jetzt darüber reden, wie wir Dankbarkeit kultivieren können, lass uns vorher mal einen Blick darauf werfen, welche Herausforderungen damit einhergehen.

Ich glaube, die wichtigste Übung der Dankbarkeit ist gar nicht unbedingt, Dankbarkeit ausdrücken zu können, sondern sie empfangen und annehmen zu können. Dank, Lob und Anerkennung annehmen zu können fällt häufig gar nicht so einfach. Man braucht Selbstwert dafür, man braucht Stärke dafür, man braucht eine Beziehung auf Augenhöhe dazu.

Ich glaube, deswegen ist es so wichtig, dass Dankbarkeit nicht an Erwartungen oder Bedingungen geknüpft ist. Dankbarkeit sollte etwas sein, was frei verschenkt wird und was man frei annehmen kann.

Manchmal sind wir so streng mit uns selbst, dass es uns schwer fällt, Dankbarkeit anzunehmen. Dann lohnt es sich, in die Selbstreflexion zu gehen und zu überlegen, woher diese Strenge kommt und welche Bedeutung sie hat.

Und manchmal sind wir so genervt und erschöpft von unserer Beziehung, dass wir gar keine Lust haben, Dankbarkeit auszudrücken. Ich finde es aber wichtig, dass wir uns trotzdem wenigstens etwas sagen – wofür wir dankbar sein könnten – damit der Fokus eine andere Richtung bekommt.

Mir fällt in meiner Beziehung auf, dass es häufig die Sachen sind, die mich an mir selbst stören, die mir an meiner Partnerin auffallen. Es ist letztendlich mein Thema, was mich da stört. Es sind meine Eigenschaften, die ich in meiner Partnerin sehe, die mich anfangen zu stören. Und das ist eigentlich immer auch ein Stück weit der Startschuss dafür, mir noch einmal Gedanken darüber zu machen, was ich denn ändern müsste oder könnte.

Aber wie setze ich das jetzt um? Wie kann ich dankbarer sein in meinem Beziehungsalltag?

Ich finde, es beginnt alles mit dem Thema Selbstreflexion. Und dafür sind Tagebücher großartig. Du kannst dich hinsetzen, dir dein Journal oder Tagebuch nehmen – es gibt auch fertige Dankbarkeits-Tagebücher, die dir jeden Tag Fragen stellen, zu Dingen, für die du dankbar sein kannst.

Wenn du jeden Tag drei Sachen aufschreibst, für die du heute dankbar bist in deiner Beziehung, wird das deinen Blick auf deine Beziehung und damit auch deine gesamte Beziehung verändern.

Wenn du das Thema Dankbarkeit mit deinem Partner oder deiner Partnerin angehen möchtest, dann ist hier eine kleine Übung. Nehmt euch ein bisschen Zeit, setzt euch hin, jeder mit einem Zettel und einem Stift, und macht drei Spalten auf dieses Blatt.

In die erste Spalte kommt all das rein, wo ihr das Gefühl hattet: Da drückt mein Gegenüber, mein Lieblingsmensch, Dank für das aus, was ich getan habe. Alle Dinge, die ich an Dank bekomme, kommen in diese Spalte.

In die zweite Spalte, die Soll-Spalte, kommen die Dinge rein, wo ich mir Mühe gegeben habe und wo aber kein Dank kam – wo ich das Gefühl habe, da fehlt mir etwas an Wertschätzung.

Und in die dritte Spalte kommt die Überraschung rein – der Dank für Sachen, die ich vielleicht für selbstverständlich gehalten habe und für die ich trotzdem ein Dank oder ein Lob bekommen habe.

Und dann macht es Sinn, sich hinzusetzen, sich auszutauschen und zu schauen: Was steht auf der Liste meiner Partnerin oder auf der Liste meines Partners? Lass uns noch einmal reden, wo du dich gesehen gefühlt hast, wo du dich übergangen gefühlt hast und wo ich dich überrascht habe.

Ich glaube, dass diese Übung helfen kann, dem Thema Dankbarkeit mehr Raum zu geben.

Wenn du mehr Dankbarkeit in deiner Beziehung haben möchtest, dann schnapp dir einen Stift und ein Journal und fang an, ein Dankbarkeits-Tagebuch zu schreiben. Oder setz dich mit deinem Partner hin und macht die Übung, die ich euch gerade vorgeschlagen habe.

Wenn du etwas anders haben willst, musst du etwas anders tun – wie man so schön sagt.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine tolle und besinnliche Weihnachtszeit. Haltet die Ohren steif, ich freue mich, wenn ihr mir schreibt, ich freue mich über alle Anregungen und ich freue mich vor allem, wenn du das nächste Mal wieder zuhörst.

Herzliche Grüße und bis bald, dein Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

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Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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