gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich willkommen bei „Gut in Beziehung". Ich heiße Thorsten, ich bin Paartherapeut und ich freue mich, dass du zuhörst. Heute geht es um das Thema: Was du machen kannst, wenn du Weihnachten nicht nur überstehen möchtest.

Am Anfang will ich mich outen: Ich bin nämlich eher ein Weihnachtsmuffel. Ich verstehe nicht, warum man schon im September Weihnachtsartikel verkaufen muss. Mich nervt dieser ganze Kommerz und ich kann die Schnulzen, die gerade auf Netflix laufen, nicht ausstehen. Für mich hat das in 99 % der Fälle nichts mit Weihnachten zu tun, und der christliche Gedanke, den ich mit Weihnachten verbinde, geht für mich viel zu oft unter.

Aber es gibt auch viele Dinge, die ich an Weihnachten mag. Ich mag die Lichterbögen in unseren Fenstern und den Geruch von Bienenwachskerzen. Ich mag es, mit meiner Familie über einen Weihnachtsmarkt zu bummeln, und ich esse sehr gerne gebrannte Mandeln.

Aber wie erlebst du Weihnachten? Welche Traditionen sind wirklich deine? Welche hast du übernommen? Was sind die Dinge, die dir Spaß machen, und was möchtest du vielleicht lieber weglassen?

An Weihnachten hängt häufig mehr als nur eine gute Zeit mit der Familie zu erleben. Da sind Erwartungen, die erfüllt werden müssen. Die Familie muss eingeladen werden, schwierige Eltern müssen bekocht werden, die richtigen Geschenke müssen unter dem Weihnachtsbaum liegen. All diese Ansprüche sorgen dafür, dass Weihnachten häufig viel stressiger ist, als es eigentlich sein müsste. Und wenn Erwartungen so hoch sind, kann das schnell in die falsche Richtung kippen.

Lass uns also gemeinsam einen Schritt zurücktreten und einen Blick darauf werfen, wie Weihnachten weniger stressig und weniger hoch aufgehängt sein kann. Ich möchte dich einladen, dafür drei Cluster, drei Haufen zu bilden – gerne zunächst in Gedanken. Wenn du möchtest, kannst du das später auch auf Papier oder mit Post-its umsetzen.

Der erste Haufen: Was du wirklich genießt

Auf den ersten Haufen kommen all die Dinge, die du an Weihnachten magst und wirklich genießt. Was sind die Sachen, die du mit Weihnachten verbindest und die dir auf keinen Fall fehlen dürfen? Vielleicht gibt es auch Erinnerungen an frühere Zeiten, in denen du Weihnachten genossen hast. Dann stellt sich die Frage: Was war damals da, was heute vielleicht weniger vorhanden ist? Gibt es etwas, das du hinzufügen oder wieder beleben möchtest?

Sammel auf diesem ersten Haufen all die Dinge, die du genießt, die du gerne haben möchtest und die du vermissen würdest, wenn sie nicht zu deinem Weihnachten gehören würden. Stell dir vor, du hättest Weihnachten verschlafen und es wäre bereits der 27. Dezember. Was hättest du vermisst?

Für mich und meine Familie wäre es das gemeinsame Weihnachtsbaumschlagen, das wir jedes Jahr zusammen machen. Und es gibt einen zweiten Punkt, den ich vermissen würde: die sinnstiftenden Projekte, die man zu Weihnachten angehen kann. Das ist „Weihnachten im Schuhkarton", das sind Besuche bei Menschen, die man lange nicht gesehen hat, oder kleine ehrenamtliche Projekte in der Kirche oder anderen Organisationen.

Der zweite und dritte Haufen: Gute und faule Kompromisse

Was machen wir nun mit den Dingen, die wir eigentlich nur ertragen oder gar nicht wollen? Hier ist es wichtig, sich Klarheit zu verschaffen und diese Dinge auf zwei Haufen zu verteilen: einen für gute Kompromisse und einen für faule Kompromisse.

Faule Kompromisse sind meistens einseitige Entscheidungen, die gar nicht berücksichtigen, was du möchtest. Es sind Kompromisse, die du eingehst, um zu gefallen oder dem anderen eine Freude zu bereiten – bei denen du selbst aber nicht gesehen wirst. Beispiele aus meinem Leben: Weihnachtsfeiern in den Vereinen meiner Kinder, die sich für mich eher nach Pflichtveranstaltungen anfühlen. Oder Familienbesuche bei Menschen, zu denen ich wenig Beziehung habe.

Schreib also auf, was alles noch zu deinem Weihnachten gehört – all die Aktivitäten, die noch nicht auf dem ersten Haufen gelandet sind. Schau dir dann jeden Zettel an und entscheide: Ist das ein Kompromiss, den ich eingehen möchte? Oder ist das ein fauler Kompromiss, bei dem ich überhaupt nicht gesehen werde?

Die Dinge auf dem Haufen der guten Kompromisse dürfen bleiben. Achte aber auf den Faktor Zeit: Wenn bestimmte Dinge so viel Raum einnehmen, dass alles andere stressig wird, überlege, ob du auch hier etwas streichen kannst. Manchmal lassen sich Dinge auch verändern: Anstatt alle Familienmitglieder zu beschenken, könnt ihr einen Wichtel als Familie einführen oder euch nur selbst gebastelte Geschenke schenken. Vielleicht wandert so mancher fauler Kompromiss in die Kategorie der guten Kompromisse.

Einen faulen Kompromiss streichen

Den Stapel mit den faulen Kompromissen anzugehen, ist häufig eine Herausforderung. Meistens haben wir keine Lust, uns zu rechtfertigen und in Diskussionen zu gehen. Meistens neigen wir dazu, zähneknirschend das zu tun, was der Rest der Welt von uns erwartet.

Meine Einladung für dich dieses Jahr: Verabschiede dich von mindestens einem faulen Kompromiss. Wenn du mehr streichen möchtest, gerne – aber nimm dir vor, wenigstens einen von der Liste zu nehmen. Mach dein Weihnachten ein bisschen einfacher und ein bisschen mehr zu einem Fest, das du wirklich genießen kannst.

Ich hoffe, dass du nach dieser Übung einen großen, stabilen Haufen mit Dingen hast, auf die du dich freust, einen Haufen mit Dingen, die für dich in Ordnung sind, und einen hoffentlich geschrumpften Haufen mit faulen Kompromissen.

Weihnachten im richtigen Verhältnis sehen

Für mich hat Weihnachten vor allem eine tiefe persönliche Bedeutung. Ich weiß aber auch, dass es nicht darauf ankommt, was ich am 24. Dezember tue, sondern was ich all die anderen Tage im Jahr tue. Und so glaube ich, hängt auch dein Familienleben und deine Partnerschaft nicht von diesem einen Tag ab, sondern davon, was ihr den Rest des Jahres miteinander erlebt und wie ihr miteinander umgeht.

Es tut also gut, Weihnachten nicht ganz so hoch zu hängen, die Erwartungen ein Stück zurückzuschrauben und sich auf das zu besinnen, was dir wirklich Spaß macht und was euch als Familie zusammenwachsen lässt.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine besinnliche und entspannte Weihnachtszeit – ohne Streit und Konflikte. Genießt die Zeit miteinander, tut euch gut.

Fragen und Anregungen könnt ihr gerne an mail@thorsten-koecher.de schicken. Ich freue mich von euch zu hören und beantworte jede E-Mail. Bis dahin, alles Gute – euer Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

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Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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