Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung. Mein Name ist Thorsten Koecher, ich bin Paartherapeut und ich freue mich sehr, dass du mir zuhoerst.
Die letzten Monate haben mich richtig umgehauen. Wir hatten hier mit allem Moeglichen zu kaempfen - von Grippe ueber Corona bis zur Mandeln entzuendung, war wirklich alles dabei. Umso gluecklicher bin ich, jetzt wieder einen Podcast aufnehmen zu koennen.
Meine erste Frage an dich lautet: Wo genau stehst du gerade? Bist du schon ins neue Jahr gestartet, hast du deine Ziele fest im Blick? Oder steckst du noch, aehnlich wie ich, zwischen den Jahren fest? Vielleicht brauchst du noch Zeit, um zurueckzuschauen und ein Resuemee aus dem vergangenen Jahr zu ziehen.
Ich jedenfalls brauche das noch. Wie du weisst, bin ich ein grosser Bullet-Journal-Fan - das mache ich schon seit vielen Jahren. Und wenn ich in die ersten Buecher reingucke, stelle ich fest, dass ich mir jedes Jahr dieselben Ziele gesetzt habe. Nicht, weil die Ziele schlecht sind, sondern weil ich es nicht wirklich geschafft habe, sie zu erreichen, und mir das Jahr ueber immer wieder selbst im Weg gestanden habe.
Dieses Kreisziehen - sich jedes Jahr ein aehnliches oder dasselbe Ziel vorzunehmen, das Jahr ueber daran zu arbeiten und trotzdem festzustellen, dass man sich selbst im Weg steht - bedeutet fuer mich: Es gibt etwas, das ich noch nicht verstanden habe, und das ich erst loesen muss, bevor ich dieses Ziel wirklich erreichen kann.
Die Raunaechte sind die Zeit zwischen der Wintersonnenwende am 21. Dezember und dem 3. Januar. Das sind zwoelf Tage und zwoelf Naechte. Diese Zeit ist wunderbar dafuer geeignet, eine Rueckschau zu halten.
Ich finde die Raunaechte spannend, weil sie zwei Dinge fuer mich symbolisieren. Zum einen ist der 21. Dezember die Wintersonnenwende - die laengste Nacht im Jahr, die dunkelste Zeit, die einlaedt, zur Ruhe zu kommen und sich mit den eigenen dunklen Anteilen auseinanderzusetzen. Und gleichzeitig versprechen die Raunaechte einen Wendepunkt, weil die Naechte danach wieder kuerzer werden.
Ich nehme dich mit in mein kleines Raunacht-Ritual. Ich sitze an einem See in der Dunkelheit. Mein Border Collie sitzt neben mir. Ich kann Schatten erkennen, Spiegelungen auf dem Wasser.
Die Dunkelheit steht fuer die Dinge, die ich nicht gerne in meinem Leben haben wollte - die ich nicht annehmen wollte, die mir vielleicht unangenehm oder peinlich waren. Es geht darum, die inneren Anteile anzunehmen - und dankbar dafuer zu sein, dass sie da sind.
Ich habe gelernt: Alles, was ich nicht annehme, verschafft sich Gehoer. Alles, was ich nicht hoeren will, sorgt dafuer, dass ich es frueher oder spaeter doch hoere. Es ist gut, sich mit der eigenen Dunkelheit auseinanderzusetzen - mit den eigenen Schattenkindern.
Ich habe meinen Feuerstahl dabei und ein Stueck Kienspan. Ich habe gerade den Funken in die Kienspanwolle geschlagen - und bin fasziniert, wie hell und leuchtend eine kleine Flamme sein kann.
Die Frage, die sich stellt: Welche Leuchtfeuer, welche Menschen sind mir im letzten Jahr begegnet? Und: Fuer wen bin ich selbst ein Leuchtfeuer? Was brauche ich, um noch ein Stueck heller leuchten zu koennen?
Dieses Arbeiten mit Licht und Schatten hat immer auch Auswirkungen auf die Beziehung. Denn Licht und Schatten begleiten nicht nur mich allein, sondern sind Teil meines Lebens - und damit auch Teil der Menschen, mit denen ich zusammenlebe. Es macht dich liebevoller, weil du mehr du selbst bist, weil du praesenter bist, weil du erfuellter lieben kannst.
Ich danke dir jetzt schon. Bis zum naechsten Mal. Tschuess, dein Thorsten.