Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen bei „Gut in Beziehung". Mein Name ist Thorsten, ich bin Paartherapeut, und heute sind wir hier mit einem Special zusammen mit Dennis.
Wir sitzen gerade in Dennis' gemütlichem Wohnzimmer. Ich habe seinen großartigen rustikalen Tisch bereits zum hundertsten Mal bewundert – und die zehn Geweihe, die hier an der Wand hängen. Warum wir zusammen sind: Ihr habt vielleicht schon in der letzten Podcast-Folge gehört, dass Dennis und ich gemeinsam einen Workshop geben werden am 27. Wir möchten euch heute ein bisschen neugierig machen und noch ein paar Infos mitgeben, was in diesem Workshop genau passieren wird. Wir haben schon Tee getrunken und werden uns demnächst noch eine Pizza bestellen – aber wir wollen euch nicht lange auf die Folter spannen und legen einfach los.
Dennis, worauf freust du dich beim Workshop am meisten?
Ja, hallo erst mal auch. Ich freue mich am allermeisten auf die Gruppe als Ressource, auf die Zusammenarbeit mit der Gruppe, mit uns, und bin schon ganz gespannt, was an diesem Tag für kleine Schätze ausgebuddelt werden können – für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Genau. Da sehen wir uns ja auch als Begleiter, die ein bisschen durch den Tag führen. Wir greifen dabei auf unsere paartherapeutische Trickkiste zurück.
Der Workshop ist ein Live-Workshop. Das bedeutet: Du kannst alleine teilnehmen, du kannst als Patchwork-Mama oder als Patchwork-Papa dabei sein. Es ist aber kein Vortrag, bei dem du nur zuhörst. Es ist ein Workshop, in dem du gefordert bist, ins Arbeiten kommst und in den Austausch gehst – mit uns und mit den anderen Teilnehmenden. Ich finde, das ist eine der großartigsten Qualitäten dieses Formats: der echte Austausch und die gegenseitige Bereicherung.
Ja, und eine weitere große Chance ist etwas, das wir auch in unserer eigenen Ausbildung kennenlernen durften: zu schauen, welche Rollen man gerade einnimmt, wer man in einem bestimmten Moment ist, was sich verbirgt und wen oder was man vielleicht noch im Rucksack mitträgt, wenn man einer anderen Person begegnet.
Genau. Um sich das bewusst zu machen, darf man sich hier und da ruhig mal einen Blick gönnen, wer da eigentlich noch dabei ist – manchmal merkt man das erst hinterher: „Den Satz kenne ich doch von meinem Vater. Das wollte ich eigentlich nie sagen."
Es gibt ein schönes Bild, an dessen Namen ich gerade nicht komme, bei dem es darum geht, dass ein frisch verheiratetes Paar auf der Bettkante sitzt und der Mann feststellt, dass nicht nur er und seine Frau dort sitzen, sondern auch die Schwiegereltern, die eigenen Eltern, die noch ungeborenen Kinder – und dass der Opa irgendwie auch noch von der Seite reinwill. Es sind viele Faktoren, die dann zusammenwirken, wenn man ein Paar ist.
Die Herausforderung ist meist diese: Man hat sich gefunden, ist verliebt, dann kommen Kinder dazu – und dann fängt die ganze Geschichte an, irgendwie komplizierter zu werden. Was ich ganz häufig in meinen Paartherapien erlebe: Da sitzen Paare und sagen: „Irgendwie haben wir uns als Paar aus den Augen verloren." Genau dafür ist dieser Workshop da – um sich wiederzufinden und neu zu beginnen.
Genau. Und auch, um sich zu sensibilisieren und in den Austausch zu gehen. Manche Dinge sind einfach naturgemäß so: Gerade in den ersten Jahren steht das Kind stärker im Vordergrund. Und trotzdem ist es wichtig zu schauen: Was brauchen wir als Paar? Was wollen wir? Was ist verhandelbar? Was ist eine Grenze? Was brauche ich von dir als Partnerin oder Partner, um mit dir glücklich zu sein – und um gemeinsam gut die Elternrolle ausfüllen zu können?
Also: Wie schaffen wir eine Balance?
Genau. Das Bild der Waage ist treffend. Es geht um Gleichgewicht – und gerade in den ersten Jahren ist das manchmal nicht so einfach.
Ich habe vier Kinder, mein Jüngster ist jetzt 15, ich bin also schon aus dem Gröbsten heraus.
Herzlichen Glückwunsch! Wie viele Kinder hast du?
Auch vier. Bei mir ist der Älteste gerade 14, ich bin also noch nicht ganz draußen. Und mein Jüngstes ist anderthalb Jahre alt.
Wow. Okay, ja.
Was erwartet die Leute noch, wenn sie zum Workshop kommen?
Wir haben schon einen roten Faden entwickelt und Werkzeuge vorbereitet, die euch helfen sollen, als Paar nicht aus den Augen zu verlieren, wenn Kinder dazukommen. Gleichzeitig ist der Workshop offen genug, damit ihr auf eure eigenen Themen schauen könnt.
Genau. Wir haben bewusst Raum gelassen, um Themen aufzugreifen, die gerade aktuell sind – ob als Paar, als Patchwork-Familie oder als Alleinerziehende. Manche Dinge muss man nicht alleine klären. Der Workshop ist ein Raum, in dem man sie einbringen und gemeinsam anschauen kann. Wir haben aber auch genug eigenes Material dabei, um Impulse zu setzen. Und wir hoffen natürlich auf die große Schatzkiste: nämlich eure Erfahrung. Ihr seid an diesem Tag die Experten für eure Themen – wir sind die Begleiter.
Vielleicht noch ein paar Worte dazu, wie wir überhaupt dazu gekommen sind. Was war die Idee, die Intention hinter dem Workshop?
Ich glaube, meine Intention war wirklich: Das ist ein Thema, das in meinen Sitzungen, in Beratungen, in Paartherapien immer wieder auftaucht. Ich dachte: Eigentlich wäre das spannend als Workshop. Und weil ich so häufig erlebt habe, dass der Austausch in einer größeren Gruppe so viele Ressourcen birgt und es so viel leichter macht, die Perspektive zu wechseln, war das für mich die logische Idee: Paaren helfen, sich wiederzufinden oder sich gar nicht erst aus den Augen zu verlieren.
Meine Intention war ähnlich. Vor allem wollte ich den Raum schaffen – mit den anwesenden Personen, mit dir gemeinsam – damit eine gewisse Sensibilisierung stattfinden kann. Wir leben in einer Zeit mit einer gewissen Geschwindigkeit im Alltag, die einen schnell einholt. Sich diesen Raum bewusst zu nehmen, das war mir wichtig – auch als eigene Erfahrung. Gerade beim ersten Kind habe ich festgestellt: Es ist unglaublich schön und gleichzeitig sehr herausfordernd. Diese Schere zwischen Elternsein und Paarsein ist ein spannendes Thema, und daraus entstand die Idee.
Und ich finde es wichtig, was du sagst: Wenn man kleine Kinder zu Hause hat, ist es vollkommen in Ordnung, wenn die Waage auf der Seite der Kinder etwas stärker ausschlägt. Aber auf der anderen Seite muss noch ein Gegengewicht vorhanden sein. Man muss sich als Paar noch haben und sich als Paar begegnen.
Gleichzeitig definiert das jedes Paar für sich selbst: Für manche ist es völlig okay, wenn die Kinder 70 Prozent des Alltagsraums einnehmen. Für andere ist das schon viel zu viel. Es gibt kein Richtig und kein Falsch – es gibt nur ein eigenes Richtig.
Darum geht es auch: mit der Lupe zu schauen, als Paar, als Alleinerziehende/r, als Patchwork-System – was brauchen wir als Erwachsene, damit wir unsere Kinder gut begleiten können, uns als Paar gut gegenüberstehen können und einander auch gegenseitig begleiten können?
Mir fällt dazu das Zitat von Jesper Juul ein: Kinder brauchen starke Eltern – und zwar Eltern, die als Paar stark sind.
Unbedingt. Das ist genau das, was wir mit diesem Workshop erreichen wollen: nicht, dass ihr eure Kinder aus den Augen verliert, sondern dass ihr als Paar so stark zusammensteht, dass ihr als Familie gut funktionieren und glücklich werden könnt.
Und was mir noch wichtig ist bezüglich der Erwartungen an den Workshop: Es ist ein Eintagesworkshop. Das Thema ist riesig, man könnte damit auch mehrere Tage oder eine ganze Woche füllen. Es geht darum, an diesem Tag eine kleine Reise zu beginnen, an einzelnen Punkten innezuhalten und genauer hinzuschauen. Manche Themen werden diesen Tag nicht vollständig erfassen können und brauchen vielleicht ein anderes Setting.
Wir haben für dieses Thema auch einen mehrtägigen Workshop in der Mache. Der ist noch in der Entwicklung – weil uns bewusst ist, dass ein einziger Tag nicht ausreicht, um dem ganzen Thema gerecht zu werden. Aber der Tagesworkshop soll dazu dienen, sich überhaupt erst einmal in diesen Raum zu begeben, hinzuschauen, die Dinge wirken zu lassen und zu entdecken, was in einem selbst und in der Familie schlummert – was stärkt und was man vielleicht schnell verändern kann, um ein bisschen Stress zu sparen.
Wir haben natürlich auch die Inhalte eingebaut, die uns in der Arbeit mit Paaren immer wieder begegnen: gute und faule Kompromisse, Werte und Rollen, wie wir Zeitfenster für uns als Paar schaffen und was wir dafür brauchen.
Bei den guten und faulen Kompromissen – das kennt jeder: Am Anfang schaut man noch darüber hinweg, denkt sich, ja, ist okay. Später kann das anders aussehen.
Genau. Und Humor ist auch ein guter Begleiter. Die Intention ist ausdrücklich nicht, dass das alles wieder bitterernst abläuft. Es darf auch gerne mit Anekdoten gefüllt sein.
Wir freuen uns riesig, wenn ihr am 27. dabei seid. Die Buchung ist noch nicht geöffnet, das kommt in ungefähr zwei Wochen. Ihr könnt euch aber schon auf die Warteliste setzen – einfach auf thorsten-koecher.de und dort auf den aktuellen Workshop. Ich verlinke das auch in den Show Notes. Ihr bekommt dann alle Infos per E-Mail, auch wenn die Buchung startet.
Und über die andere Seite: www.dennis-winkler.net – dort ebenfalls unter Workshops verlinkt.
Wir haben uns auch einen schönen Raum ausgesucht: Die Liane in Berlin-Neukölln, in der Nähe vom Hermannplatz – gut erreichbar, wenn man in Berlin wohnt, mit ganz viel Grün und Pflanzen. Wir sorgen für ausreichend Pausen und Getränke. Alle weiteren Infos gibt es dann auf der Warteliste.
Ich hoffe, wir konnten euch neugierig machen. Wir freuen uns darauf, euch am 27. persönlich in Berlin zu treffen. Bis dann – macht's gut!