gut in Beziehung

gut in Beziehung

Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo, du hoerst "Gut in Beziehung", meinen Podcast fuer deine glueckliche Partnerschaft. Mein Name ist Thorsten Koecher, ich bin Paartherapeut und ich freue mich riesig, dass du mir zuhoerst.

Meine Lieblingsmenschen - wir sind jetzt seit 24 Jahren zusammen. Wir haben Kinder in die Welt gesetzt und grossgezogen, die jetzt fast fluegge sind. Wir haben in dieser Zeit Krisen gehabt, wir haben wunderbare Erlebnisse miteinander teilen koennen. Und das Spannende an der Geschichte ist, dass wir trotz aller Individualitaet in unserem Leben genau wie alle anderen Paare auch fuenf Phasen durchlaufen haben.

Und um diese Phasen, um diese Beziehungsphasen, soll es heute gehen. Roland Weber ist Paartherapeut und hat diese fuenf Phasen fuer Paare beschrieben, ueber die ich heute mit dir reden moechte. Diese Phasen erleben alle Paare - ganz egal ob ihr arm oder reich seid, ob ihr in der Stadt oder auf dem Land lebt, ob ihr Kinder habt oder keine. Die Phasen sind immer gleich. Manche brauchen laenger, um sie zu durchleben, bei anderen geht es schneller. Am Ende steht eine glueckliche und feste Beziehung.

Wie ihr dahin kommt, welche schoenen Momente es in den Phasen gibt, aber auch welche Knackpunkte - darueber moechte ich jetzt mit dir reden.

Die erste Phase kennen wir alle: das ist die Verliebtheit. Da, wo wir Schmetterlinge im Bauch haben und es nichts Wichtigeres gibt, als Zeit mit unserem Lieblingsmenschen zu verbringen. Man hat endlich jemanden gefunden, der einen vollkommen versteht, dem man unendlich nahe sein moechte. Alles ist neu und aufregend, die Aussenwelt wird ein bisschen nebensaechlich, und man lebt in so einer kleinen Welt fuer sich und geniesst das Miteinander.

Dieses Verschmelzen fuehrt dazu, dass wir dieselben Dinge denken, dieselben Interessen zu teilen scheinen, dass wir uns im anderen wiedererkennen. Und gleichzeitig ist da neben dem Wiedererkennen auch das Spannende - dieses Unbekannte, das Reizvolle.

Das Tolle in dieser Phase ist, dass ich Schmetterlinge im Bauch haben kann, ganz egal was vorher war, ganz egal wie gluecklich oder ungluecklich ich zuvor durchs Leben gegangen bin. Dieses Miteinander-Verschmelzen, diese Geborgenheit, die wir hier fuehlen - das ist das Fundament fuer unsere Beziehung.

In dieser Phase kann mich aber auch ein wenig Angst begleiten: die Angst davor, mich abhaengig zu machen oder vom anderen vereinnahmt zu werden. Die Kunst besteht darin, diese Angst ein Stueck zurueckzudraengen und sich dennoch einzulassen. Dieses Einlassen, dieses Verschmelzen-Koennen - das brauchen wir, um gut durch die naechsten Phasen hindurchzukommen.

Diese erste Beziehungsphase mit den vielen Schmetterlingen im Bauch endet nach 1,5 bis 3 Jahren. Etwas, das ihr in dieser Phase tun koennt und das euch in den naechsten Phasen gut nutzen wird: Einigt euch schon jetzt auf eine Streit- und Gespraechskultur. Wie wollt ihr miteinander im Gespraech bleiben, wenn es einmal schwierig wird? Wie wollt ihr Streit beilegen? Das sind Dinge, die ihr brauchen werdet - auch wenn sie gerade noch nicht aktuell sind.

In der zweiten Phase, wenn alle Schmetterlinge verflogen sind, stellen wir fest, dass unser Lieblingsmensch doch anders ist, als wir eigentlich gedacht haben. Wir merken zum Beispiel, dass die Kreativitaet, die wir so an unserem Gegenueber schaetzen, auch ganz schoen viel Chaos verursachen kann. Oder dass die Zeit, die unser Partner fuer seinen Sport aufwendet, uns ploetzlich zu viel wird.

Wir stellen immer oefter fest, dass die Eigenschaften, die wir moegen, eine Kehrseite haben - und dass diese Kehrseite nicht so schoen ist, wie wir es uns vorgestellt hatten. Das irritiert uns. Wir wollen es nicht wahrhaben, weil wir doch gerade noch so eng miteinander waren. Und dann versuchen wir, es wegzupacken, oder wir suchen noch mehr Naehe, damit diese Irritation wieder verschwindet.

Diese Irritation macht uns Angst. Aber diese Angst darf man nicht zeigen, weil man sonst vielleicht den Lieblingsmenschen verliert. Und so fuehrt diese Angst dazu, dass wir uns entweder hinwenden - klammern - oder zurueckziehen. Dabei ist diese Phase so wichtig: Wir fangen an, den anderen als ganzen Menschen zu sehen, mit all seinen Facetten. Das hilft uns, unseren Partner mehr wertschaetzen, mehr lieben zu koennen.

Was koennt ihr jetzt tun, damit die Angst, verlassen zu werden, kleiner wird? Am besten helfen Gespraeche. Mit eurem Lieblingsmenschen - oder, wenn ihr euch das nicht traut, mit Freunden oder anderen Menschen, die euch zuhoeren. Wenn ihr mit eurem Partner ueber eure Aengste redet, ist das ein riesiger Vertrauensbeweis. Das festigt die Beziehung mehr, als es sie schwaecht.

Diese Irritation aus der zweiten Beziehungsphase setzt sich in der dritten fort. Hier fragen wir uns: Ist das wirklich der richtige Mensch fuer mich? Habe ich mich vielleicht getaeuscht? Bei all den Fehlern und Macken, die er oder sie hat - kann er mich wirklich gluecklich machen?

In dieser Phase macht sich eine grosse Unzufriedenheit breit. Es hagelt Vorwuerfe und Gegenvorwuerfe, und man weiss nicht recht, wie es weitergehen soll. Einige gewoehnen sich daran und versuchen, damit zu leben. Andere suchen Hilfe und gehen zum Beispiel zu einem Paartherapeuten. Und andere trennen sich. Krisen, Konflikte, Streit, Schweigen - das alles loest sich in dieser Phase ab.

Diese Phase ist von zwei Fragen gepraegt: Wie koennen wir ein Paar sein, ohne dass sich einer von uns verbiegen muss? Und: Kannst du mich so lieben und annehmen, wie ich bin - mit all meinen Fehlern und Schwaechen?

Was euch in dieser Phase hilft, ist eine gute Streit- und Kommunikationskultur. Vielleicht habt ihr das in der ersten Phase schon angedacht - jetzt braucht ihr es wirklich. Wenn Kommunikation gerade ein Thema fuer euch ist oder ihr in dieser Phase steckt, moechte ich euch zu einer kostenlosen Mini-Challenge einladen. Fuenf Tage lang geht es darum, wie ihr besser miteinander kommunizieren koennt. Den Link dazu findet ihr in den Shownotes oder auf meiner Homepage.

An diese konfliktreiche Phase schliesst sich die vierte an - und in der seid ihr ein Stueck weit desillusioniert. Ihr wisst, wie der andere tickt, ihr wisst, was ihr voneinander erwarten koennt. Der Blick richtet sich ein bisschen weg von der Beziehung und mehr auf die eigenen Beduerfnisse. Arbeit und Freunde werden wieder wichtiger, ihr ueberlegt, ob ihr eine Fortbildung macht oder alleine verreisen moechtet.

Die grosse Gefahr in dieser Phase: Wenn ihr so sehr auf euch selbst schaut, verliert ihr euren Partner aus den Augen - und stellt vielleicht fest: Eigentlich kann ich auch ohne ihn oder sie. Aber in dieser Phase steckt auch eine grosse Chance: euren Lieblingsmenschen neu zu entdecken. Besonders dann, wenn er oder sie eigenen Interessen nachgeht, blitzt manchmal wieder dieses Reizvolle auf, das euch in der ersten Phase so fasziniert hat.

Mit etwas Abstand zum anderen hat man auch den Raum, ihn wieder mit neuen Augen zu sehen. Dieses Neuentdecken, dieses Sich-neu-Verlieben, fuehrt dann in die fuenfte Beziehungsphase.

Und das ist die Phase einer ganz tiefen und innigen Liebe. Alle Konflikte sind durchgestanden, ich weiss, wen ich geheiratet habe oder in wen ich mich verliebt habe. Ich kann das, was mein Lieblingsmensch an Eigenschaften mitbringt, lieben und wertschaetzen - und das alles ohne die Angst, verlassen zu werden. Weil ich weiss: Was wir miteinander haben, traegt.

Das Ziel von Partnerschaft ist es, hier anzukommen - in dieser fuenften Phase. Mit offenen Augen zu sehen, wen ich da gegenueber habe, und diese Naehe mit meinem Lieblingsmenschen geniessen zu koennen.

Die meisten Paare finden es entlastend, festzustellen, dass das, was sie gerade erleben, ein Stueck weit normal ist und sich in diese Phasen einordnen laesst. Besonders spannend - und haeufig eine grosse Herausforderung - ist es, wenn beide Partner nicht in derselben Phase sind. Wenn einer in Phase 1 oder 2 ist und der andere schon eine Phase weiter. Das bringt ganz haeufig noch viel groessere Herausforderungen mit sich. Und es hilft, wenn man das benennt und sich zusammensetzt, um darueber nachzudenken, wo man gerade gemeinsam steht.

Deswegen ist meine Aufforderung an euch: Setzt euch hin und ueberlegt, in welcher Phase ihr gerade steckt - und was ein guter naechster Schritt waere, um miteinander weiterzuwachsen. Ich hoffe, dass diese Podcast-Folge euch dabei hilft. Ich freue mich, wenn du das naechste Mal wieder dabei bist. Bis dann - alles Gute, euer Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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