Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen zu „Gut in Beziehung", deinem Paartherapie-Podcast. Ich bin Thorsten, Paartherapeut, und ich freue mich, dass du hier bist.
Die Sommerpause ist vorbei und es gibt endlich wieder eine neue Episode von mir. Wir waren ganz fleißig und haben ein Projekt geplant, auf das ich mich sehr freue: Am 18. September bieten wir eine Kanufahrt im Unterspreewald an. Ihr habt die Möglichkeit, Zeit zu zweit zu verbringen und gleichzeitig an verschiedenen Workshop-Elementen teilzunehmen, um eure Beziehung zu stärken.
Der Workshop richtet sich an Paare, die sich ein wenig aus den Augen verloren haben und sich wiederfinden möchten, bevor die ersten großen Krisen auftauchen. Wir werden in einer kleinen Gruppe mit vier Paaren unterwegs sein, weshalb die Plätze begrenzt sind. Wer dabei sein möchte, findet alle Informationen auf meiner Website unter thorsten-koecher.de.
Ich freue mich sehr darauf, Natur und Paartherapie miteinander zu verbinden – und das nicht alleine, sondern gemeinsam mit einer Kollegin. Lena ist Paartherapeutin wie ich, ein sehr liebenswerter Mensch und eine hervorragende Therapeutin. Ich bin froh, dass ich sie für dieses Projekt gewinnen konnte.
Aber jetzt zum heutigen Thema: Wie schaffen wir es, besser miteinander zu kommunizieren?
Ich habe zum Thema Kommunikation einige Bücher gelesen und dabei manchmal das Gefühl gehabt, ich müsste mich ganz schön verbiegen, damit es gut wird. Auf die Stimmlage achten, auf die Hände, auf den Augenkontakt – all das macht Gespräche unnötig kompliziert. Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Wenn du authentisch bist, wenn du du selbst bist, dann machst du das alles von alleine richtig.
Virginia Satir war eine Familientherapeutin – eigentlich die Mutter der Familientherapie. Sie hat ein Konzept zur Kommunikation entwickelt, das mich bis heute begeistert, weil es bedeutet: Ich darf einfach ich selbst sein.
Satir spricht von Kongruenz. Das heißt: Was wir denken, was wir fühlen und was wir sagen, sollte übereinstimmen. Wir sollten auf Augenhöhe mit unserem Gegenüber sein, offen und verletzlich, ehrlich zu uns selbst und zu unserem Lieblingsmenschen. Wenn das gelingt, funktioniert Kommunikation von ganz alleine.
Im Laufe ihrer vielen Therapiestunden hat Satir festgestellt, dass bestimmte Muster entstehen, wenn Menschen eben nicht kongruent miteinander sprechen. Über diese Muster möchte ich jetzt sprechen – vielleicht erkennst du dich darin wieder.
Satir beschreibt, dass kongruente Kommunikation drei Bereiche im Blick haben muss: mich selbst und meine eigenen Bedürfnisse, das Gegenüber und seine Bedürfnisse sowie die Umstände, in denen wir uns befinden. Wenn alle drei in Balance sind, klappt die Kommunikation. Wenn nur einer oder zwei Bereiche beachtet werden – oder keiner –, dann wird es schwieriger.
Wenn ich zum Beispiel nicht bei mir selbst bin und nur darauf achte, dass mein Gegenüber nicht ärgerlich wird, fange ich an zu beschwichtigen. Das Beschwichtigen bedeutet: Meine eigenen Bedürfnisse sind weniger wert als die des anderen. Ich spreche quasi von unten nach oben, versuche zu versöhnen, nehme Kritik dankbar an, widerspreche kaum. Es entsteht ein Gefälle. Das ist für das Gegenüber angenehm, für mich selbst aber schlecht – denn meine Bedürfnisse kommen zu kurz.
Das Gegenteil ist der Ankläger: jemand, der seine Bedürfnisse um jeden Preis durchsetzen will. Menschen mit diesem Muster wirken wie kleine Diktatoren – und fühlen sich innerlich oft einsam und hilflos. Hinter dem lauten Poltern steckt häufig das Gefühl: Eigentlich bin ich es nicht wert, dass man mir zuhört. Deswegen muss ich so laut sein, um endlich wahrgenommen zu werden.
Menschen, die sich weder auf sich selbst noch auf ihr Gegenüber einlassen möchten, schauen auf das Umfeld. Sie rationalisieren, erklären, analysieren. Sie klingen klug, ruhig, vernünftig – aber sie trauen sich nicht, in Konflikte zu gehen oder eigene Bedürfnisse zu äußern. Das Rationalisieren ist oft ein Selbstschutz: Emotionen wirken gefährlich, also wird der Zugang zu ihnen vermieden.
Und wenn jemand weder mit sich, noch mit dem Gegenüber, noch mit den Umständen in Kontakt ist – wenn das Gefühl entsteht, ich gehöre hier gar nicht dazu –, dann beginnt das Ablenken. Diese Menschen lenken von Themen ab, wechseln plötzlich das Thema, wirken wie abwesend. Es ist das Muster der tiefsten Entfremdung vom Gespräch.
Das war ein knapper Überblick über die vier nicht-kongruenten Kommunikationsmuster nach Satir. Ich hoffe, dass du ein klareres Bild davon bekommen hast, was Beschwichtigen, Anklagen, Rationalisieren und Ablenken bedeuten – und was sie über das innere Erleben der handelnden Menschen sagen.
Es geht darum, sich selbst zu beobachten: In welchen Situationen bin ich nicht kongruent? Wann neige ich eher dazu, zu beschwichtigen? Wann klage ich an? Und was hätte ich gebraucht, um in diesen Momenten kongruenter zu sein – mehr bei mir, beim anderen und bei dem, was gerade wirklich los ist?
Genau dazu möchte ich dich heute einladen: Nimm dir Zeit, dich selbst zu beobachten. In welchen Situationen bist du nicht authentisch? In welchen Momenten hast du Angst, verletzt zu werden oder dich so zu zeigen, wie du wirklich bist – mit all deinen Stärken und all deinen weniger guten Seiten?
Das sollte es für heute gewesen sein. Ich freue mich darauf, den einen oder anderen von euch im Unterspreewald begrüßen zu dürfen. Ich hoffe, die Episode hat euch gefallen, auch wenn sie diesmal etwas kürzer war. Bis zum nächsten Mal – euer Thorsten.