gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

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Hallo und herzlich willkommen bei Gut in Beziehung, dem Paartherapie-Podcast. Ich heiße Thorsten Köcher, ich freue mich, dass du hier bist. Lass uns anfangen.

Heute möchte ich mit dir über ein Thema sprechen, das mir in meinen Paartherapien ganz besonders häufig begegnet: Eifersucht.

Eifersucht ist ein Thema, das in meiner eigenen Beziehung fast keine Rolle spielt. Ich erinnere mich an ein, zwei, drei Situationen, in denen ein Eifersuchtsgedanke in mir aufpoppte – aber auch gleich wieder verschwand. Und ich habe meine Frau gefragt, bevor ich diese Podcastfolge aufnehme, wie es ihr mit dem Thema Eifersucht geht. Ihr geht es ganz ähnlich. Auch sie hat ganz wenige Momente erlebt, in denen sie Eifersucht gespürt hat.

In meinen Paartherapien ist das aber anders. Da begegne ich ganz vielen Paaren, die schwer mit Eifersucht zu kämpfen haben. Eifersucht ist ein echter Energiefresser. Sie saugt so viel Kraft und Konstruktivität aus einer Beziehung, dass es wichtig ist, sich damit zu befassen.

Wenn Menschen eifersüchtig sind, läuft in ihrem Kopf immer ein ganz mieser Film ab. Und dieser Film wurde meist durch ganz triviale Dinge ausgelöst. Wenn der Partner eine halbe Stunde zu spät nach Hause kommt, taucht sofort die Frage auf: Wo war der? Und es fallen alle möglichen Szenarien ein, was passiert sein könnte. Oder wenn sich ein Partner mit einem Freund oder einer Freundin trifft, kommen Gedanken, ob der Partner fremdgehen könnte oder nicht.

Das Lieblingshobby vieler eifersüchtiger Paare ist das Handy des Partners zu checken und zu kontrollieren – nachzuspüren, mit wem er schreibt, welche E-Mails ankommen, welche Chatverläufe wann gelöscht wurden oder auch nicht. All das befeuert nur das Gedankenkarussell, das sich im Kopf dreht.

Diese Eifersucht richtet sich eigentlich immer auf einen Rivalen – auf jemanden, der irgendwie besser und toller zu sein scheint: hübscher, muskulöser, intelligenter, erfolgreicher. Und dabei geht es eigentlich gar nicht um den anderen, sondern um das Gefühl, das wir in Bezug auf uns selbst haben.

Aber lass uns von vorne anfangen und schauen, was dieses Gefühl Eifersucht eigentlich ist.

Eifersucht ist kein Gefühl an sich, sondern ein Mix aus mehreren Gefühlen. Diese können gleichzeitig oder nacheinander auftreten. Da sind unterschiedliche Grundemotionen drin: Angst, Trauer, Wut, Scham und jede Menge Selbstzweifel.

Eifersucht ist ein Gefühl, das fast jeder Mensch irgendwann in seinem Leben spürt. 80 Prozent aller Menschen geben an, hin und wieder eifersüchtig zu sein. Das ist zunächst noch kein Problem. Problematisch wird es, wenn Eifersucht überhandnimmt und die Beziehung negativ zu beeinflussen beginnt.

Die ältesten Erfahrungen mit Eifersucht stammen aus der Kindheit – nämlich dann, wenn wir eifersüchtig waren und um die Bindung und Beziehung zu unserer Mutter rivalisieren mussten. Schon kleine Säuglinge zeigen Eifersucht, wenn zum Beispiel das Geschwisterkind gestillt wird. Dass Kinder eifersüchtig auf Rivalen reagieren und dafür sorgen wollen, dass sie die Aufmerksamkeit der Mutter behalten, ist evolutionspsychologisch sinnvoll.

Es gibt aber noch weitere Einflussfaktoren, die auf unsere heutigen Beziehungen wirken. Zum einen zahlt die Kultur darauf ein – die Trigger, die wir wahrnehmen, und die Dinge, weswegen wir eifersüchtig werden, sind kulturell unterschiedlich. Zum anderen gibt es Geschlechtsunterschiede: Männer reagieren stärker eifersüchtig beim Thema Sexualität, Frauen eher beim Thema Bindung und Beziehung.

Wie bereits gesagt: 80 Prozent aller Menschen empfinden Eifersucht in ihrem Leben – aber nicht alles davon muss behandelt werden. Vieles davon ist ganz normal. Eifersucht kann sich allerdings soweit steigern, dass sie pathologische Formen annimmt und Teil einer Persönlichkeitsstörung wird.

Die Frage ist also: Wo genau zieht man die Grenze? Was ist noch normal – und wann sollte ich anfangen, mir ernsthaft Gedanken über die Eifersucht in meiner Beziehung zu machen?

Ich finde, es gibt zwei wichtige Parameter. Der erste: wenn du das Gefühl hast, dass dich die Eifersucht belastet – dass sie ein Dauerthema ist, das dir Kraft und Energie raubt. Der zweite: wenn du anfängst, deinen Partner auszuspionieren. Wenn du seine Handyverläufe checkst, seine E-Mails liest, nachspionierst, wo er ist – dann ist eine Grenze überschritten, und du solltest dir Gedanken darüber machen, wie du deine Eifersucht wieder loswerden kannst.

Eifersucht bedeutet immer: Ich sehe die Exklusivität meiner romantischen Beziehung in Gefahr. Da ist irgendjemand oder irgendetwas, das dafür sorgt, dass sich mein Lieblingsmensch nicht mehr nur um mich kümmert.

Eifersucht ist sowohl ein Paarproblem als auch ein individuelles Problem. Ein Paarproblem, weil es um Exklusivität in der Beziehung geht und weil du durch das Verhalten deines Partners getriggert wirst. Und ein individuelles Problem, weil meist nur ein Partner eifersüchtig auf den anderen ist und das häufig Ursachen hat, die außerhalb der Beziehung liegen.

Für Eifersucht gibt es viele Ursachen. Die vier wichtigsten möchte ich kurz besprechen.

Die wichtigste Ursache ist das Selbstwertgefühl. Wenn du stark eifersüchtig bist, hast du meistens das Gefühl: Ich bin nicht schlau genug, nicht attraktiv genug, nicht liebenswert genug – und mein Partner könnte jemanden finden, der liebenswerter ist als ich. Diese Selbstzweifel sorgen dafür, dass du Angst hast, verlassen zu werden, dass die Liebe, die dir eigentlich gehören sollte, jemand anderem geschenkt wird. Und sie sorgen dafür, dass du versuchst, deinen Partner möglichst stark an dich zu binden – was durch Eifersucht auf eine sehr ungünstige Art geschieht: durch Verhöre, Spionage, Vorwürfe.

Das bindet zwar Energie in der Beziehung – bringt euch aber nicht weiter. Denn dein Partner hat keine Chance, seine Unschuld zu beweisen. Und egal was er tut – ob er sich annähert oder Abstand nimmt, ob er Kontakte einschränkt oder nicht –, es wird für dich immer ein Beweis sein, dass du eifersüchtig sein musst.

Eine weitere mögliche Ursache ist eine Bindungsstörung. Ich habe dazu eine eigene Podcastfolge aufgenommen – hör da gerne rein. Wenn es dir grundsätzlich schwerfällt, dich auf andere Menschen einzulassen, kann Eifersucht ein Schutzmechanismus sein, der dich davor bewahrt, dich tiefer einzulassen. Es kann aber auch andersherum sein: Wenn dein Lieblingsmensch eine Bindungsstörung mitbringt und es ihm schwerfällt, sich einzulassen, dann richtest du deine Eifersucht möglicherweise auf diese Bindungsstörung – weil du sein Verhalten fehlinterpretierst. Es geht gar nicht darum, sich von dir abzuwenden, sondern darum, dass es ihm oder ihr grundsätzlich schwerfällt, in Beziehung zu gehen.

Die dritte Ursache sind Verlusterfahrungen in der Kindheit. Wenn wir Beziehungsabbrüche erlebt haben, die uns verletzt haben, dann wirken diese meist fort. Sie können dazu führen, dass wir viel schneller und stärker eifersüchtig reagieren, als wir es müssten. Angst und Misstrauen sind dann die Dinge, die wir grundsätzlich in Beziehungen voranstellen – weil wir uns schützen wollen, erneut verletzt zu werden.

Die vierte mögliche Ursache ist ein tatsächlicher Seitensprung. Wenn du durch einen Seitensprung verletzt worden bist, sorgt deine Eifersucht dafür, dass du dich nicht noch einmal so stark verletzen lässt – also Selbstschutz. Das gilt aber nicht nur für den Partner, der betrogen wurde. Auch der Partner, der betrogen hat, kann eifersüchtig reagieren – weil er sich nicht mehr sicher sein kann, ob du ihn nach der Affäre noch liebst. Eifersucht wird dann zu einer Möglichkeit, sich dieser Liebe zu versichern.

Wenn man die einzelnen Ursachen auseinanderdrösel, stellt man immer wieder fest: Es geht um Selbstwertschutz. Es geht darum, sich vor Verletzungen zu schützen – vor Liebesentzug.

Was also tun, wenn man Eifersucht loswerden möchte?

Da es um Selbstwertschutz geht, ist eine naheliegende Möglichkeit, den eigenen Selbstwert zu stärken. Ich habe oft beobachtet, wie Eifersucht kleiner wird, wenn Menschen anfangen, sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren: ihren Hobbys nachzugehen, sich alleine mit Freunden zu treffen, sich gut um sich selbst zu kümmern. Wenn du deinen Selbstwert stärkst, schützt du dich automatisch vor Abwertung – und deine Eifersucht muss nicht mehr so stark eingreifen.

Ein weiterer guter Schritt ist Transparenz: deinem Partner erklären, wann, wo und warum du Eifersucht spürst. Nicht um Vorwürfe zu machen, sondern um verstanden zu werden.

Darüber hinaus kann es helfen, drei Perspektiven einzunehmen. Erstens: in dich selbst hineinspüren – wie fühlst du dich gerade, was genau ist dieses Gefühl, was triggert dich, und wo hast du das schon einmal in deinem Leben gespürt? Zweitens: die Beobachterperspektive – aus der Beziehung heraustreten und euch beide von außen betrachten. Gibt es tatsächlich einen nachvollziehbaren Grund für Eifersucht oder nicht? Drittens: die Perspektive deines Partners einnehmen – wie fühlt er oder sie sich, wenn du eifersüchtig bist? Welche Kosten und Belastungen entstehen? Und welche Möglichkeiten gibt es, diese zu senken?

Schließlich ist Quality Time als Paar ein wichtiger Ansatzpunkt. Denn je sicherer du dich in deiner Beziehung fühlst, je mehr du das Gefühl hast, geborgen und geliebt zu sein, desto weniger muss dein Selbstwert durch Eifersucht geschützt werden.

Eifersucht bindet jede Menge Energie und Kraft. Und es wäre so schön, diese Kraft in andere Bereiche fließen zu lassen. Deswegen lade ich dich ein: Kümmere dich um deine Eifersucht – und sorge dafür, dass sie kleiner werden darf.

Zum Abschluss habe ich noch eine Einladung für dich. Am Freitag, den 4. Juni, gebe ich um 20 Uhr einen Workshop auf Zoom. Es geht darum, in zwei Stunden zu lernen, wie man besser miteinander kommuniziert. Du kannst herausfinden, welcher Kommunikationstyp du bist, welche Kommunikationsmuster in deiner Beziehung am Werk sind und wie du sie verändern kannst – und wie du von deinem Lieblingsmenschen besser gesehen und wertgeschätzt werden kannst, indem du anders kommunizierst.

Weil es ein Live-Workshop ist und ich mir wünsche, dass wir in einen echten und intensiven Austausch miteinander gehen können, ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Wenn du dabei sein möchtest, sichere dir am besten noch heute dein Ticket. Den Link dazu findest du in den Shownotes.

Ich danke dir herzlich fürs Zuhören – und wenn du magst, sehen und hören wir uns am 4. Bis dahin, alles Gute.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

Wo steht eure Beziehung gerade?
Findet es mit dem kostenlosen Beziehungscheck heraus. In nur 20 Minuten bekommt ihr mehr Klarheit über eure Stärken und Entwicklungsfelder als Paar.
Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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