Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen bei „Gut in Beziehung", deinem Paartherapie-Podcast. Ich heiße Thorsten Köcher und freue mich riesig, dass du hier bist und mithörst.
Bevor wir heute in das Thema einsteigen, habe ich eine Frage für dich. Als Paartherapeut arbeite ich immer mit Menschen, die irgendwie feststecken in ihrer Beziehung. Das sind meistens Krisen, in denen sich diese Paare befinden, und mir fehlt ein Angebot, das Menschen oder Paare schon früher abholt.
Weil ich wahnsinnig gerne draußen in der Natur unterwegs bin, war meine Idee, so etwas anzubieten wie Erlebnisurlaub, gepaart mit präventiver Paartherapie, mit Arbeit an der Beziehung. Also zum Beispiel mal einen Tag lang Kanu zu fahren im Spreewald und gleichzeitig etwas mitzunehmen für die Kommunikation in eurer Beziehung. Das ist etwas, was ich mir super gut vorstellen kann und worauf ich richtig Lust habe.
Meine Frage ist aber: Bevor ich anfange, loszugehen, Kooperationspartner zu suchen und Konzepte zu schreiben, was haltet ihr von dieser Idee? Fändet ihr das gut? Hättet ihr Lust und Bock auf so etwas, oder sagt ihr: „Nee, Abenteuer, Urlaub und Arbeit an unserer Beziehung kann ich mir überhaupt nicht vorstellen"? Das wäre mir ganz wichtig, wenn ihr mir dazu ein Feedback zukommen lassen könntet. Am besten schreibt ihr mir eine E-Mail an nachricht-at-kocher.de.
Momentan stecken wir noch mitten in der Corona-Krise, deswegen geht Kanu fahren im Spreewald noch nicht. Trotzdem möchte ich euch schon etwas mitgeben, das euch hilft, eure Beziehung voranzubringen, und zwar bevor ihr in eine Krise kommt. Weil Kommunikation so ein großes Thema in Beziehungen ist, wird es am 4. Juni um 20 Uhr einen Workshop geben. Ich bin gerade dabei, das Konzept zu schreiben, aber wenn ihr mögt, könnt ihr euch das Datum schon mal in den Kalender eintragen. Alles andere erfahrt ihr dann ein bisschen später.
Ich habe gerade schon erwähnt, dass ich wahnsinnig gerne draußen in der Natur unterwegs bin. Und der Wald ist für mich tatsächlich so etwas wie ein zweites Zuhause geworden. Was ich gerne mache: Ich nehme Paare mit in die Natur, in den Wald, und arbeite dort mit ihnen, weil mir dort andere Methoden zur Verfügung stehen, die ich in Praxisräumen nicht habe.
Ich merke immer wieder, wie angenehm es ist, im Wald zu arbeiten, weil die Menschen, mit denen ich dort unterwegs bin, viel schneller geerdet sind, viel schneller bei sich selbst ankommen und dann auch viel besser in Interaktion miteinander geraten. Im Wald zu sein oder in der Natur zu sein ist also immer gut. Ganz egal, ob alleine oder mit dem Partner, oder wenn man eine Paartherapie in der Natur wahrnimmt.
Das Gute ist: Wir sind umgeben von Natur. Selbst wenn du in Berlin wohnst, gibt es so viel Stadtwald, dass du dir aussuchen kannst, in welches Waldgebiet du fahren möchtest, und du bist immer umgeben von Grün. Ich glaube, es gibt nur sehr wenige Orte in Deutschland, wo wir keinen Zugang zu Natur haben und nicht wenigstens irgendwo ein Park in der Nähe ist.
Es gibt viele Gründe, warum es gut ist, im Wald zu sein. Meine beiden wichtigsten, persönlich, sind diese: Erstens betreibe ich im Wald Psychohygiene. Das heißt: Wenn ich fertig bin mit der Arbeit und auf dem Weg nach Hause bin, hilft es mir, die Arbeit hinter mir zu lassen und mich auf meine Familie einzustellen, wenn ich einfach anhalte und noch mal 20 Minuten durch den Wald spaziere. Zweitens nutze ich den Aufenthalt im Wald immer dann, wenn ich Entscheidungen zu treffen habe. Es hilft mir, mich zu erden, anzukommen, in mir zu ruhen und dann gute Entscheidungen zu treffen.
Genau das nutzen wir auch als Paar. Wir sind gemeinsam im Wald oder in der Natur unterwegs, unterhalten uns und schauen, wie wir unsere Beziehung so gestalten können, dass wir beide glücklicher werden.
Im Wald zu sein, einfach nur da zu sein, ohne etwas zu machen, hat schon so viele positive Auswirkungen, dass ich es nur empfehlen kann. Krebshemmende Proteine werden verstärkt produziert, der Blutdruck sinkt, die Herzfrequenz sinkt, Stresshormone werden abgebaut und so weiter. Es gibt ein ganzes Sammelsurium an Dingen, die biologisch in unserem Körper passieren, allein dadurch, dass wir im Wald oder in der Natur sind.
Und nicht nur auf körperlicher Ebene tut sich viel, sondern auch auf psychischer Ebene, auch wenn die Forschung da noch in den Kinderschuhen steckt. Illers zum Beispiel hat festgestellt, dass das Erleben von Naturverbundenheit Auswirkungen auf unsere Beziehungsfähigkeit hat, auf unser Körperbewusstsein, und dass wir stärker darauf vertrauen, dass sich Dinge richtig entwickeln werden. Und Kim, ein weiterer Forscher, hat festgestellt, dass depressive Symptome zurückgehen, allein dadurch, dass man im Wald ist.
Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Was hat das alles mit Paartherapie zu tun? Was hat das mit eurer und meiner Beziehung zu tun? Die Quintessenz aus meinen Therapiesitzungen, die ich in den Wald verlegt habe, ist: Es fällt euch leichter, euch auf Augenhöhe und wertschätzend zu begegnen. Einfach weil ihr selbst gut geerdet seid, in eurer Mitte seid und dadurch genügend Kraft habt, eigene Bedürfnisse wohlwollend zu formulieren und den anderen wohlwollend wahrzunehmen.
Wenn ihr eurer Beziehung also etwas Gutes tun wollt, dann macht euch auf den Weg. Geht eine Runde spazieren im Wald und schaut, ob euch das nicht etwas bringt, ob euch das nicht bereichert, vielleicht mehr als gemeinsam zu Hause auf der Couch zu sitzen.
Wenn ihr noch mehr machen wollt, wenn es euch nicht reicht, nur durch den Wald zu spazieren, dann gibt es jede Menge Übungen und Methoden, die eure Beziehung bereichern. Eine davon möchte ich euch heute vorstellen.
Die Übung, die ich euch mitgeben möchte, ist das Brückenmodell. Es eignet sich immer dann, wenn ihr in eurer Beziehung an einem Punkt seid, wo ihr sagt: Wir möchten gerne etwas verändern, sind uns aber noch nicht ganz sicher, was genau das sein soll.
Etwas zu verändern ist ein bisschen so, als würde man einen Fluss über eine Brücke überqueren. Daher auch der Name. Bevor wir diese Brücke betreten, macht es Sinn, einen Blick in eure Beziehung zu werfen. Stellt euch vor, ihr habt einen Rucksack dabei, und alles, was eure Beziehung ausmacht, ist in diesem Rucksack drin. Alles Gute, aber auch die weniger schönen Dinge.
Die Übung beginnt damit, dass ihr euch gemeinsam aufmacht, in diesen Rucksack hineinschaut und euch überlegt, was ihr unbedingt mit ans andere Ufer nehmen möchtet. Besonders gut funktioniert das, wenn ihr Dinge aus der Natur sammelt, die das symbolisieren: ein Tannenzapfen, ein Stock, ein Stein oder irgendetwas anderes Schönes. Das können für euch beide die gleichen Dinge sein, es dürfen aber auch völlig verschiedene sein. Wenn es verschiedene Dinge sind, dann nutzt die Gelegenheit und tauscht euch darüber aus, warum das für euch besonders wichtig ist. Gerade diese Gespräche über Unterschiede, wenn sie wertschätzend geführt werden, sind unglaublich bereichernd. Die Dinge, die ihr mitnehmen möchtet, könnt ihr in eure Jackentaschen oder euren Rucksack stecken.
Der zweite Schritt: Überlegt euch, was ihr gerne zurücklassen möchtet. Was ist nicht mehr nützlich für euch in eurer Beziehung, was hat ausgedient? Auch dafür könnt ihr euch Gegenstände suchen und sie irgendwo platzieren, bevor ihr weiterzieht. Wichtig ist hier, sich genau auszutauschen: Was sind deine Dinge, die du zurücklassen möchtest, und was sind meine Dinge? Diese Gespräche sind es, die euch wirklich bereichern werden.
Der dritte und letzte Schritt: Überlegt euch, was euch am anderen Ufer erwarten soll. Was sind die Dinge, die neu sein sollen, auf die ihr euch besonders freut? Auch dafür könnt ihr euch wieder Dinge aus der Natur suchen, sie dem Partner oder der Partnerin zeigen und gemeinsam besprechen, was ihr euch für eure Beziehung wünscht und vielleicht auch voneinander erwartet.
Wenn ihr diese Übung machen wollt, dann ergibt es viel Sinn, sie beim Gehen zu machen. Lasst euch dabei immer wieder Zeit, besonders dann, wenn ihr Dinge zurückgelassen habt, bevor ihr weiterzieht, weil ihr beim Gehen gut in einen Flow kommt. Dieser Flow hilft euch, das Erlebte zu verarbeiten und in den Alltag mitzunehmen.
Es gibt noch viele andere Übungen, die euch bereichern werden, wenn ihr zusammen draußen unterwegs seid. Wenn ihr mehr davon hören wollt, dann lasst mir irgendwo einen Kommentar da, damit ich darauf eingehen und das in einem späteren Podcast aufgreifen kann.
Jetzt seid ihr dran: Ausprobieren, losgehen, umsetzen. Vielleicht sehen wir uns am 4. Juni um 20 Uhr zum Workshop, das würde mich sehr freuen. Ansonsten: Wenn ihr mehr von mir sehen und hören wollt, dann abonniert diesen Podcast und schaut auf meinem Instagram-Profil vorbei. Bis dahin bleibt gut in Beziehung, euer Thorsten.