gut in Beziehung

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Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen

Transkript

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Hallo und herzlich willkommen zu „Gut in Beziehung", deinem Paartherapie-Podcast. Ich heiße Thorsten Köcher und freue mich sehr, dass du hier bist und mir deine Zeit schenkst.

Beziehungen sind immer in Bewegung – von innen oder von außen. Es kann sein, dass du deine Arbeitsstelle wechselst, dass du dich für ein neues Hobby interessierst, dass ihr ein Kind bekommt oder umzieht. Das sind Dinge, die dazu führen, dass eure Beziehung in Bewegung kommt, und die dafür sorgen, dass ihr immer wieder diese Balance in eurer Beziehung halten müsst.

All diese Impulse, an die wir uns anpassen müssen und auf die wir reagieren müssen, das kann sehr gut laufen – dann haben wir das Gefühl, wir wachsen und entwickeln uns weiter. Und es kann weniger gut laufen – dann haben wir das Gefühl, wir rutschen als Paar in eine Krise.

Paare, die in Krisen sind, kommen dann auch zu mir in die Praxis. Und ich kann jedes Mal feststellen, dass eine solche Krise nicht vom Himmel fällt, sondern dass sie meistens einen mehr oder weniger langen Vorlauf hat. Es ist immer so, dass man sich gut und glücklich gefühlt hat in der Beziehung, dass sich dann irgendwann die Beziehung entleert oder man das Gefühl hat, es stagniert ein bisschen – und dann gerät die Beziehung richtig aus dem Lot. Das ist meistens auch der Moment, wo ich angerufen werde oder wo Menschen Kontakt zu mir suchen. Dann geht es darum, sich zu fangen, sich neu auszurichten, sich anzupassen und die Beziehung auf ein neues, hoffentlich höheres Niveau zu heben.

Diese Phasen, in denen Beziehungen stagnieren – in denen man das Gefühl hat, wir entwickeln uns nicht mehr weiter oder wir entfernen uns eher voneinander – können unterschiedlich lang sein. Ich habe Paare in der Praxis, die auf zehn Jahre zurückblicken, in denen sie als Paar nicht gewachsen sind, sondern sich eher entfremdet haben. In denen zum Beispiel immer die Familie im Vordergrund stand und sie erst, nachdem die Kinder groß geworden und ausgezogen sind, dazu kommen, auf ihre Beziehung zu schauen.

Beziehungskrisen können also einen relativ langen Vorlauf haben – und das ist anders als in Familien. Familien sind ständig in Bewegung, ständig im Wachstum. Kinder sorgen dafür, dass man sich anpassen muss – sie entwickeln sich weiter, brauchen andere Regeln, neue Förderung. Das sorgt dafür, dass man in diesem Anpassungsprozess drin ist und ihn nicht aufschieben kann. Krisen in Familien haben also in der Regel einen wesentlich kürzeren Vorlauf als Krisen in Paarbeziehungen.

Ich finde, Krisen sind großartige Chancen. Denn sie helfen euch, eure Beziehung auf ein neues, höheres Niveau zu heben und eine Beziehung zu führen, die glücklicher, zufriedener, lebendiger ist als vor der Krise.

Was ich noch zu Krisen sagen möchte: Krisen führen zu Veränderungsprozessen – entweder innerhalb der Beziehung oder in dem, was euch umgibt. Das finde ich wichtig zu unterscheiden. Krisen können in zwei Richtungen wirksam sein: nach innen, auf die Beziehung selbst gerichtet, aber auch nach außen, auf eure Rahmenbedingungen als Paar.

In der letzten Podcast-Folge habe ich von diesem Beziehungsmobiliar erzählt und darauf hingewiesen, dass alles, was euch berührt, auch euren Partner berührt. Ihr seid in eurer Beziehung miteinander verbunden. Wenn jemand von innen oder außen angestoßen wird, bewegt sich das Mobiliar – und ihr bewegt euch mit. Das finde ich wichtig, weil es bedeutet, dass nicht nur beide an einer Krise beteiligt sind, sondern dass auch beide zu einer Lösung beitragen.

Es geht in Paarbeziehungen deswegen immer auch um eine dyadische Krisenbewältigung – um eine Krisenbewältigung von beiden Partnern aus. Die Frage ist: Wie geht ihr als Paar mit eurer neuen Herausforderung um und wie könnt ihr euch am besten anpassen? Das Wir steht im Vordergrund. Und das ist, glaube ich, auch der erste und wichtigste Schritt in der Paartherapie: von Schuldvorwürfen an den Partner wegzukommen und zu schauen, wie ihr gemeinsam mit einer Krise umgeht und daran wachsen könnt.

Für eine solche dyadische Krisenbewältigung sind zwei Dimensionen besonders wichtig: Cohesion und Adaption. Cohesion bedeutet: Wie viel emotionale Verbundenheit, wie viel Stabilität habt ihr in eurer Beziehung? Adaption bedeutet: Wie anpassungsfähig, wie formbar seid ihr gegenüber euren Herausforderungen? Es hat sich gezeigt, dass Krisenbewältigung am besten funktioniert, wenn ihr in beiden Dimensionen ein gut verträgliches Mittelmaß findet und die Extreme meidet.

Beginnen wir mit der Cohesion, also der emotionalen Verbundenheit. Was passiert an den jeweiligen Extremen?

Angenommen, es gibt kaum emotionale Verbundenheit zwischen euch. Das bedeutet, es gibt kein Wir-Gefühl. Und wenn es kein Wir-Gefühl gibt, bleibt die Lösung der Krise immer beim Einzelnen hängen. Meistens ist dann der andere Partner dafür zuständig, die Krise zu lösen, in der er gerade steckt. Das sieht man besonders häufig bei Paaren, die sich lange auseinandergelebt haben oder sich komplett aus den Augen verloren haben. Man sagt dann: Da war mal was, aber richtig verbunden fühlen wir uns nicht mehr. Wir sitzen in der Krise fest und es fällt uns schwer, ein Wir-Gefühl zu empfinden.

Das andere Extrem – also sehr viel emotionale Verbundenheit – sind symbiotische Paare. Bei ihnen steht das Wir so stark im Vordergrund, dass für das Ich kein Raum mehr ist. Und das bedeutet auch, dass es nicht möglich ist, als Einzelner einen Beitrag zur Lösung zu finden, weil der Einzelne keinen Raum in dieser Symbiose hat. Symbiotische Paare werden häufig von äußeren Umständen überrascht – das Wir ist so groß und mächtig, dass der Einzelne kein Teil der Lösung sein kann.

Ein guter Mittelwert wäre also eine Beziehung, die emotionale Nähe spüren lässt, in der Verbundenheit da ist, die aber auch genügend Raum für den Einzelnen lässt.

Ähnliches gilt für die Adaption, also die Anpassungsfähigkeit. Paare mit sehr hoher Anpassungsfähigkeit suchen immer Lösungen im Außen – sie verlieren sich ein Stück weit aus den Augen und das Wir verwischt dadurch. Paare mit sehr geringer Adaptionsfähigkeit suchen überhaupt nicht im Außen, haben das Gefühl, sie müssten alles selbst lösen, und die Devise lautet häufig: Wir sitzen das jetzt aus.

Ein guter Mittelwert wäre also eine Adaption im Sinne von: Wir schauen, welche Hilfen für uns gut sind, welche uns bereichern, welche inneren Haltungen uns aus unserer Krise heraushelfen.

Und genau das sieht man bei Paaren, die Krisen gut meistern können. Es gibt kein Paar, das nicht irgendwann einmal eine Krise erlebt. Aber es gibt Paare, die gut miteinander reden können, die wertschätzend miteinander umgehen und die sich gegenseitig dabei unterstützen, Lösungen zu finden. Paare, die Krisen gut bewältigen können, wissen, dass sie als Paar Teil der Lösung sind – auch wenn das Problem vielleicht mal mehr beim einen und mal mehr beim anderen liegt. Sie wissen: Ich als Partner trage zur Lösung und zur Auflösung dieser Krise bei.

Wenn du also in einer Krise steckst mit deinem Partner oder deiner Partnerin, dann ist mir wichtig, dass du verstehst: Ihr könnt diese Krise nur zusammen lösen. Das bedeutet auch, dass Vorwürfe an den Partner zur Seite geschoben werden müssen, damit Raum entsteht für dieses Wir-Gefühl – für dieses: Okay, wir beide machen uns jetzt auf den Weg und suchen eine Lösung.

Und mir ist es auch wichtig, dass du mitnimmst: Wenn du das Gefühl hast, dein Partner oder deine Partnerin, dein Lieblingsmensch steckt in einer Krise, dann weißt du, dass du immer Teil der Lösung bist und dass du dich auf den Weg machen kannst, um zu schauen, wie du dabei helfen kannst.

Wenn du Fragen hast zum Thema Krisenbewältigung, dann schreib mir gerne eine E-Mail an: nachricht@thorsten-koecher.de. Wenn du mehr von meiner Arbeit erfahren möchtest, dann schau auf meinem Instagram-Profil vorbei. Dort gebe ich regelmäßig Einblicke in meine Arbeit als Paartherapeut und du findest jede Menge Tipps und Inspirationen für deine Beziehung.

Ich danke dir fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal – dein Thorsten.

Über diesen Podcast

Eine Beziehung ist wie ein Weg mit vielen Wegbiegungen – manchmal führt er bergauf, manchmal durch unwegsames Gelände. Doch auch wenn sich Paare zeitweise verlaufen oder der gemeinsame Pfad unklar wird, gibt es immer die Möglichkeit, neue Richtungen einzuschlagen.

In diesem Podcast begleite ich euch dabei, eure Beziehungsdynamiken zu verstehen und bewusste Entscheidungen für euren gemeinsamen Weg zu treffen. Ob es um Kommunikation geht, um das Spannungsfeld zwischen Nähe und Freiraum oder um alte Muster, die sich immer wieder zeigen – hier findet ihr systemische Perspektiven und praktische Impulse für mehr Klarheit in eurer Partnerschaft.

Die Natur spielt dabei eine besondere Rolle. Sie zeigt uns, dass Wachstum Zeit braucht, dass Veränderung natürlich ist und dass auch nach schwierigen Phasen neue Möglichkeiten entstehen können.

Jede Episode bringt euch konkrete Erkenntnisse mit, die ihr direkt in euren Alltag integrieren könnt – ohne Patentrezepte, aber mit fundierten Ansätzen aus der systemischen Paartherapie.

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Den Beziehungscheck und weitere Impulse findet ihr auf https://www.thorsten-koecher.de/beziehungscheck/utm_source=podcast&utm_medium=podcastbeschreibung

von und mit Thorsten Köcher

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