Systemische Impulse für bewusste Paarbeziehungen
Hallo und herzlich willkommen zu meinem Podcast "Gut in Beziehung" - der Paartherapie-Podcast. Tausend Dank, dass du mir zuhörst und mir deine Zeit schenkst. Ich freue mich riesig, dass du hier bist.
Ich heiße Thorsten Köcher, ich bin systemischer Paartherapeut und deswegen dreht sich in diesem Podcast auch alles rund um das Thema Partnerschaft, Beziehung und wie du wieder gut in Beziehung kommen kannst.
In dieser allerersten Folge möchte ich dich zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen. Denk an etwas, das du mal gesehen oder erlebt hast, das dich richtig begeistert hat. Etwas, bei dem du gesagt hast: "Das will ich auch unbedingt können."
Vielleicht hast du ein Video gesehen oder eine Dokumentation, vielleicht hast du einen Freund mit einem neuen Hobby erlebt oder du warst auf einem Event und hast irgendetwas gesehen, wo du dachtest: Das ist so klasse, das will ich auch. Vielleicht bist du jemandem begegnet, der wahnsinnig gut Klavier spielen kann, und du dachtest: So gut ein Instrument spielen möchte ich auch gerne können. Oder du hast jemanden gesehen, der wahnsinnig gut in einer bestimmten Sportart ist. Oder du hast erlebt, wie jemand ein Handwerk besonders gut beherrscht - wie jemand besonders gut schnitzen, malen, zeichnen oder fotografieren kann.
Es ist in diesem Gedankenexperiment ganz egal, was das für eine Sache ist, die dir jetzt gerade in den Kopf kommt. Es ist nur wichtig, dass es dich wirklich begeistert hat.
Ein kleines Beispiel von mir: Ich gehe seit zwei, drei Jahren klettern - oder besser gesagt bouldern - mit meiner Tochter. Das hat den Vorteil, dass ich natürlich auf der einen Seite Zeit mit ihr verbringen kann und auf der anderen Seite auch wirklich Spaß daran habe: neue Routen gehen, mich auszuprobieren, auch mal abzustürzen und auf die Matte zu klatschen. All das sind Sachen, die mich wahnsinnig faszinieren. Ich stehe ganz häufig mit offenem Mund da, wenn jemand richtig gut klettern kann und sich an der Wand bewegt, als gäbe es keine Schwerkraft.
Wenn du bei der Sache bleibst, die dir eingefallen ist und die dich begeistert hat - meine nächste Frage: Was hast du getan, um dorthin zu kommen, um dich dahin zu entwickeln?
Ich kann dir verraten, was ich gemacht habe: Ich habe YouTube-Videos geschaut - alles, was ich zum Thema Bouldern finden konnte. Ich habe mir Bücher bestellt und gelesen. Ich habe mir nach und nach etwas eigenes Equipment angeschafft - beim Bouldern braucht man zum Glück nicht ganz so viel. Und dann habe ich ganz viele Fragen gestellt: an alle möglichen Menschen, denen ich beim Bouldern begegnet bin. Wie kletterst du die Route? Wie hast du es geschafft, von A nach B zu kommen? Alles andere war viel üben und viel Zeit. Ich bin nach wie vor - nach zwei Jahren - immer noch ein Anfänger. Aber ein Anfänger mit viel Spaß am Bouldern.
Wenn du an deine Sache denkst, kann ich mir vorstellen, dass du Ähnliches gemacht hättest: YouTube-Videos schauen, Bücher lesen, Menschen fragen, die das schon sehr gut können, und dir abgucken, was du besser machen könntest.
Und dann steht man da und geht die ersten Schritte. Beim Bouldern war das so, dass man zuerst die ganz leichten Routen klettert - und selbst damit noch Probleme hat. Aber mit der Zeit schafft man die und freut sich. Man erreicht ein Anfängerniveau und ist ganz glücklich und zufrieden damit.
Und vielleicht geht es dir ähnlich, wenn du zum Beispiel mit dem Klavierspielen anfangen möchtest: Du nimmst dir die ganz leichten Stücke vor, übst die, bevor die Stücke dann jedes Mal ein bisschen schwieriger werden. Und wenn man es eine Weile macht, hat man ein Niveau erreicht, mit dem man ganz zufrieden ist.
Man kann ein bisschen was, es macht Spaß - aber man hat so ein Plateau erreicht, das einen nicht mehr weiterbringt. Man bleibt in einer gewissen Mittelmäßigkeit stecken. Um darüber hinaus zu wachsen, braucht es Zeit, Energie und Durchhaltevermögen.
Beim Thema Mittelmäßigkeit fällt mir immer meine Gitarre ein. Ich habe mit 14, 15 Jahren Gitarre spielen gelernt. Ich kann ein paar Lieder begleiten, ich kenne die meisten Akkorde - aber richtig gut bin ich nicht geworden, weil ich irgendwann ein Niveau erreicht habe, das mir gereicht hat. Ich habe nicht mehr Zeit und Energie investiert, um noch besser zu werden. Meine Gitarre hängt heute bei mir im Schlafzimmer an der Wand und schaut mich ganz traurig an, weil sie nur alle halbe Jahre mal gespielt wird.
Wenn ich jetzt den Bogen von diesem Gedankenexperiment zur Beziehung schlage, fallen vielleicht Parallelen auf. Am Anfang, wenn man jemanden frisch kennengelernt hat und bis über beide Ohren verliebt ist, ist man so begeistert von diesem Menschen. Man kann sich nichts Besseres, Schöneres und Tolleres vorstellen, als mit diesem Menschen seine Zeit zu verbringen.
Und anders als beim Klavierspielen oder beim Bouldern haben wir keinen Trainer an der Seite oder einen Lehrer, der uns sagt, wie Beziehung funktioniert. Wir lernen Beziehung in unserer Herkunftsfamilie, weil unsere Eltern uns ein Modell zur Verfügung stellen, an dem wir uns orientieren können. Und vielleicht haben wir in unserem Freundes- und Bekanntenkreis Menschen, die uns begeistern und bei denen wir sagen: So möchte ich Beziehung auch leben. Aber ansonsten sind die Hilfen, die wir haben, wenn es um das Thema Paarbeziehung geht, relativ dünn.
Mit dem, was wir in unseren Familien mitbekommen haben oder durch andere Menschen, die uns als Modell gedient haben, kommen wir ein ganzes Stück weit. Aber dann - genauso wie bei mir mit der Gitarre - erreichen wir irgendwann ein Niveau, mit dem wir erst glücklich und zufrieden sind, bis wir es eines Tages nicht mehr sind.
Und erst wenn wir merken: So richtig zufrieden, so richtig glücklich bin ich nicht mehr - dann fangen wir aktiv an, uns mit dem Thema Beziehung auseinanderzusetzen. Dabei haben wir so viel Luft nach oben: um besser zu werden, um glücklicher zu sein, um Neues zu lernen, um neue Perspektiven einzunehmen und um die Krisen, die uns in unserer Beziehung immer wieder begegnen werden, gut meistern zu können.
Ich möchte dich deswegen in dieser allerersten Podcast-Folge dazu einladen, weiterzuwachsen und dir bewusst zu machen, dass du Luft nach oben hast in deiner Beziehung. Und dass das, was dich einmal so begeistert hat - für deine Beziehung, für deine Partnerschaft - wieder aufflammen kann, auch wenn es jetzt gerade nicht spürbar ist.
Zum Ende dieser ersten Folge möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich vorzustellen, damit du weißt, wer hier eigentlich spricht.
Ich heiße Thorsten Köcher, ich bin systemischer Paartherapeut und ich helfe Paaren dabei, wieder gut in Beziehung zu kommen. Das ist etwas, was mir wahnsinnig viel Spaß macht. Ich bin seit über 20 Jahren verheiratet, wir haben schon die ein oder andere kleinere oder größere Krise hinter uns. Wir haben vier Kinder - der Älteste ist schon ausgezogen, der Jüngste ist 13. Ansonsten habe ich einen Hund und eine Katze und wohne 50 Kilometer südlich von Berlin. Ich arbeite als Paartherapeut in der Nähe von Teupitz - falls euch das etwas sagt.
So, das war es für die erste Folge. Ich danke dir, dass du hier warst und mir zugehört hast. Ich freue mich, wenn du das nächste Mal wieder dabei bist. Bis dahin - tschüss!